Momir Ilic (M.) und der THW Kiel sind zum achten Mal Pokalsieger - Rekord © getty

Flensburg leistet im Finale des Lufthansa Final Four erbitterte Gegenwehr, doch am Ende setzt sich Kiels Überteam durch.

Aus Hamburg berichtet Julian Meißner

Hamburg - Die Handball-Giganten in schwarz und weiß hüpften auf dem Spielfeld umher wie kleine Kinder und bejubelten ihren nächsten Titel als wäre es der erste: Der Pokalsieger 2012 heißt THW Kiel.

Mit dem 33:31 (15:15)-Sieg gegen den ganz stark aufspielenden Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt im Finale des Lufthansa Final Four hat der THW zum siebten Mal in der Vereinsgeschichte das Double aus Meisterschaft und Pokal perfekt gemacht.

Als Champions-League-Halbfinalist greift der THW nun nach dem zweiten Triple nach 2007.

"Wir werden nie satt"

Kim Andersson, mit sieben Treffern einer der Kieler Erfolgsgaranten, jubelte bei SPORT1: "Ich bin einfach froh, dass wir diese zwei Spiele überstanden haben. Wir werden nie satt, wollen immer alles gewinnen. Das ist eine geile Truppe."

Und Trainer Alfred Gislason freute sich über ein "super-hochklassiges Spiel". Er sagte: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Sie hat es sich heute verdient zu feiern."

Für die Kieler ist es der achte Erfolg im DHB-Pokal, die Flensburger verpassten ihren vierten Triumph.

"Meine Spieler haben alles gegeben", sagte SG-Coach Ljubomir Vranjes: "Es ist schwer zu sagen, warum es heute nicht gereicht hat."

Vorentscheidung in der 40. Minute

Eine Vorentscheidung in der hochklassigen Begegnung des frisch gekürten Meisters mit dem Liga-Zweiten fiel nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit um die 40. Minute, als der THW sich mit einem Zwischenspurt auf drei Tore absetzte.

Diesen Vorsprung baute Kiel zunächst aus, geriet jedoch noch einmal in Bedrängnis. "Am Ende haben wir es fast noch verschenkt. Aber meine Mannschaft hat dann Charakter gezeigt und taktisch überragend gespielt", sagte Gislason.

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Beste THW-Werfer in der Neuauflage des Vorjahresfinals waren der überragende Filip Jicha (11/7), Andersson und Daniel Narcisse (beide 7).Für Flensburg trafen Anders Eggert (9/2)und Michael Knudsen (5) am häufigsten.

Finale auf höchstem Niveau

Vor 13.056 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften O2-World entwickelte sich ein spannendes Finale auf höchstem Niveau - die Flensburger ließen von Anfang an keinen Zweifel aufkommen, dass sie gegen das Überteam der Gegenwart an ihre Chance glaubten.

Wie schon am Samstag gegen Hamburg erwischte der THW einen Fehlstart und geriet mit 1:4 (7.) ins Hintertreffen. (Bericht)

Und als sein Team auch nach einer Viertelstunde nicht recht im Spiel war (5:7/14.) reagierte Gislason. Der Isländer brachte Narcisse für Aron Palmarsson und verschärfte damit das Tempospiel.

Beim 10:9 (22.) eroberte der THW seine erste Führung, aber die top eingestellten Flensburger blieben im Spiel, so dass es mit einem leistungsgerechten Unentschieden (15:15) in die Halbzeitpause ging.

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Gislason formiert Abwehr um

Nach dem Seitenwechsel formierte Gislason die bis dato offensive THW-Abwehr zur 6:0 mit Ahlm und dem serbischen Hünen Momir Ilic im Innenblock um und stellte Andreas Palicka für den allenfalls solide agierenden Thierry Omeyer zwischen die Pfosten.

Das Konzept hatte Erfolg: Die SG tat sich im aufgebauten Angriff zunehmend schwer und rannte sich immer wieder fest. Ein Konter-Doppelschlag durch Andersson und Narcisse brachte die Kieler beim 22:19 (41.) erstmals mit drei Toren in Front.

Und auch nach der fälligen Auszeit von Vranjes, der mit Youngster Petar Djordjic und Routinier Viktor Szilagyi nun frische Kräfte für den Rückraum brachte, blieb der THW am Drücker.

Gestützt auf einen starken Palicka setzte sich Kiel zehn Minuten vor Schluss bis auf fünf Tore ab (27:22) - die Entscheidung.

Flensburg kam noch einmal auf ein Tor heran (28:29/56.), aber nach einer entsprechenden Auszeit-Ansprache von Gislason drei Minuten vor Schluss ließ sich der THW-Express auf dem Weg zum Double nicht mehr aufhalten, auch dank zweier wichtiger Paraden Omeyers.

THW mit weiteren Zielen

Nach den verdienten Feierlichkeiten richtet sich der Blick der Kieler auf die zwei verbliebenen Ziele in dieser Saison. Zum einen winkt die perfekte Saison in der Toyota HBL ohne Minuspunkt. Und zum anderen steht am 26./27. Mai das Final Four der Champions League in Köln auf dem Plan.

Zunächst aber dürfen die Spieler das Double gebührend begießen. "Ich werde mich nicht einmischen", sagte Gislason und kündigte schmunzelnd für den Montag "individuelles Auslaufen" an.

Er selbst wolle sich von der offiziellen Feier "schnell aus dem Staub machen", so Gislason: "Wenn mir das gelingt, werde ich zu Hause eine Flasche Rotwein aufmachen."

Das Spiel im Stenogramm

THW Kiel - SG Flensburg 33:31 (15:15)

Tore: Jicha (11/7), Andersson (7), Narcisse (7), Klein (5), Ilic (2), Ahlm (1) für Kiel.Eggert (9/2), Knudsen (5), Mogensen (4), Svan Hansen (3), Djordjic (3), Szilagyi (3), Kaufmann (3), Mocsai (1) für Flensburg.Zuschauer: 13.056 (ausverkauft)

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