Momir Ilic war im Halbfinale mit sechs Treffern beser Werfer der Kieler © imago

Der Meister erwischt im Pokal-Halbfinale einen schwachen Start, zieht nach hartem Fight gegen den HSV aber ins Finale ein.

Aus Hamburg berichten Julian Meißner und Annette Bachert

Hamburg - Die Übermannschaft des THW Kiel ist nur noch einen Schritt vom Double-Gewinn entfernt.

Der frisch gebackene Meister besiegte im Pokal-Halbfinale den entthronten Champion HSV Hamburg in dessen eigener Halle mit 27:25 (15:13).

Kiel greift damit nach seinem achten Titel im DHB-Pokal sowie dem siebten Double der Vereinsgeschichte, Hamburg muss seine letzte Titelhoffnung der Saison begraben.

Im Finale des Lufthansa Final Four am Sonntag (ab 15.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) werden sich dann der THW und die SG Flensburg-Handewitt gegenüberstehen, die erwartungsgemäß gegen den TuS N-Lübbecke (Bericht) gewonnen hat.

Ganz schwacher Start

Im Duell der Nordgiganten erwischte der THW einen ganz schwachen Start, steigerte sich jedoch und hatte in der Schlussphase eines Duells auf Augenhöhe den besseren Punch.

Beste Werfer für Kiel waren Momir Ilic (6/4) und Filip Jicha (5/1) sowie Kim Andersson und Daniel Narcisse (beide 4). Sieggarant war am Ende aber einmal mehr der über weite Strecken enttäuschende Keeper Thierry Omeyer.

Auf Seiten des HSV trafen Hans Lindberg (10/6) Pascal Hens (4) am häufigsten.

Hitziges Spitzenspiel

Vor 13.000 Zuschauern in der ausverkauften Hamburger Arena entwickelte sich das erwartet hitzige Spitzenspiel. Kiel kam anfangs überhaupt nicht mit der offensiven Deckung der Hamburger zurecht und fand bei guten Wurfgelegenheiten immer wieder in HSV-Keeper Dan Beutler seinen Meister.

Auf Seiten der Hausherren in der O2-World überzeugte in der Anfangsphase vor allem Pascal Hens: Beim 4:1 aus Hamburger Sicht (7.) hatte der ehemalige DHB-Kapitän schon drei Treffer auf dem Konto.

Bis zum 7:4 (14.) hielt der HSV seinen Vorsprung, dann biss sich Kiel ins Spiel. Narcisse erzielte aus der zweiten Welle mit einem unwiderstehlichen Sprungwurf beim 7:7 (16.) den Ausgleich.

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THW Express kommt ins Rollen

Und der THW-Express kam langsam ins Rollen. Nach einer doppelten Zeitstrafe gegen HSV-Kreisläufer Igor Vori, der erst Narcisse foulte und sich dann lautstark beim Schiedsrichter beschwerte, besorgte Henrik Lundström vom linken Flügel in Überzahl die erste Kieler Führung.

Auch ein Timeout von HSV-Coach Martin Schwalb verhinderte nicht, dass nun der THW das Ruder übernahm und sich auf drei Treffer absetzte.

Beutler brachte plötzlich keine Hand mehr an den Ball, beim 12:8 durch den gewohnt kraftvoll auftretenden Vize-Europameister Ilic (23.) wuchs der Vorsprung erstmals auf vier Treffer.

Beutler glänzt mit Doppel-Parade

Der Kieler Rückraum strahlte nun mehr Gefahr aus, auch das Spiel über den Kreis und Kapitän Marcus Ahlm funktionierte wesentlich besser als zu Beginn.

Einige Leichtsinnsfehler und ein Omeyer in eher unterdurchschnittlicher Form sorgten jedoch dafür, dass der HSV beim Pausenpfiff nur zwei Treffer zurücklag.

Nach dem Seitenwechsel schickte Schwalb Domagoj Duvnjak auf die vorgezogene Deckungsposition, den erneuten Führungswechsel ermöglichten jedoch die HSV-Keeper. Erst parierte Oldie Zoran Djordjic einen Siebenmeter gegen Ilic, dann glänzte Beutler mit einer Doppel-Parade.

[kaltura id="0_subq7saq" class="full_size" title="Omeyer Haben die Nerven behalten "]

Gislason zieht Grüne Karte

Beim 19:17 (38.) für den HSV war es an THW-Coach Alfred Gislason, die Grüne Karte zu ziehen - und natürlich kam sein Team noch einmal zurück. Zehn Minuten vor dem Ende hieß es 24:24.

In der entscheidenden Phase blieb die bisweilen hochklassige Partie eng, kein Team konnte sich mehr absetzen. Dafür drehte Omeyer auf und hielt zwei entscheidende freie Bälle in den letzten zwei Minuten.

Blütenreine Weste

Ahlms Treffer zum 27:25 für Kiel in der Schlussminute machte schließlich den Sieg und den verdienten Finaleinzug perfekt.

In der Toyota HBL hatte sich Kiel am Dienstag mit einem Sieg gegen den SC Magdeburg vorzeitig den Titel gesichert - die Norddeutschen stehen mit blütenreiner Weste ohne Verlustpunkt uneinholbar an der Spitze und peilen die perfekte Saison an .

Nach dem Auftritt gegen Hamburg ist nur schwer vorstellbar, dass sich der THW am Sonntag seinen achten Pokalgewinn noch nehmen lassen wird.

HSV Hamburg - THW Kiel 25:27 (13:15)

Tore: Lindberg (10/6), Hens (4), Duvnjak (3), Kraus (2), Vori (2), Jansen (1), Lackovic (1), Flohr (1), Lijewski (1) für Hamburg Ilic (6/3), Jicha (5/1), Narcisse (4), Andersson (4), Lundström (3), Ahlm (3), Sprenger (2) für KielZuschauer: 13.000 (ausverkauft)

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