Markus Baur trainiert derzeit den Bundesligisten TVB 1898 Stuttgart
Markus Baur ist seit Dezember 2010 Trainer beim TuS N-Lübbecke © getty

Lübbeckes Trainer Markus Baur verrät bei SPORT1, auf wen er im Pokal-Halbfinale gegen Flensburg große Hoffnungen setzt.

Von Tobias Wiltschek

München - Sie sind der krasse Außenseiter im Lufthansa Final Four.

Dennoch reist der TuS N-Lübbecke zuversichtlich nach Hamburg, wo schon im Halbfinale mit der SG Flensburg-Handewitt (Sa., ab 17.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) ein schwerer Brocken wartet.

Im anderen Halbfinale ermmitteln schon der als Deutsche Meister feststehende THW Kiel und Gastgeber HSV Hamburg den anderen Finalisten um den Pokalsieg (DATENCENTER: Spielplan Lufthansa Final Four).

Baur sieht Chancen

Lübbeckes Trainer Markus Baur sieht gegen Flensburg durchaus Chancen, die Überraschung zu schaffen. Im Interview mit SPORT1 erklärt er, wie er dem Favoriten ein Bein stellen will und von wem er sich dabei eine große Unterstützung erhofft.

Außerdem spricht der Weltmeister-Kapitän von 2007 über die "Übermannschaft" Kiel und seine Zukunft als Junioren-Nationaltrainer.

SPORT1: Sie befinden sich gerade mit der Mannschaft im Bus auf der Fahrt nach Hamburg. Wie ist denn die Stimmung?

Markus Baur: Ich schau gerade mal nach hinten. Alle entspannt, alle gut gelaunt.

SPORT1: Sie fahren allerdings als Außenseiter zum Final Four. Wie gehen Sie mit dieser Rolle um?

Baur: Wir nehmen sie gerne an. Die Außenseiterrolle ist nicht unbedingt die schlechteste. Das heißt ja nicht, dass man chancenlos ist; ganz im Gegenteil. Jeder erwartet von Flensburg, dass sie gegen uns gewinnen. Das ist genau die Chance, die wir nutzen wollen. Wir wollen ein gutes Spiel machen und Flensburg so lange wie möglich ärgern.

SPORT1: Als Spieler durften Sie zweimal den Pokal in Händen halten. Wie groß ist die Aufregung, nun als Trainer erneut dabei zu sein?

Baur: Wenn die anderen drei den Pott nicht gewinnen wollen und wir können es machen, dann machen wir das. Allerdings sind wir der absolute Außenseiter.

SPORT1: Was muss passieren, dass sie gegen die favorisierten Flensburger ins Finale einziehen können?

Baur: Voraussetzung ist, dass wir über die gesamte Spielzeit hinweg eine Top-Leistung abrufen und am oberen Limit spielen. Und wir müssen Flensburg daran hindern, eines ihrer besseren Spiele zu machen. Wenn wir ein super Spiel machen und Flensburg macht ein super Spiel, dann gewinnt Flensburg.

SPORT1: Mitte April wurde die Verpflichtung von Johan Petersson bekannt. Wie kam es dazu?

Baur: Kristian Svensson hatte sich die Hand gebrochen. Da wir sowieso nur drei Linkshänder haben und auch noch Malte Schröder verletzungsbedingt ausgefallen ist, hatten wir dann nur noch einen. Da haben wir uns überlegt, was wir tun können, um eine gewisse Qualität zu bekommen und für Entlastung der anderen Spieler zu sorgen. Mit Johan Petersson haben wir einen guten Fang gemacht.

SPORT1: Was kann er als 39-Jähriger dieser Mannschaft noch geben?

Baur: Er ist 39, wirkt aber von seiner Art und von seiner Fitness her wesentlich jünger. Und er bringt einen Riesen-Erfahrungsschatz mit. Er hat schon oft das Final Four gespielt, er weiß als Ex-Kieler auch, wie die Spiele gegen Flensburg zu gewinnen sind. Ich freue mich, dass er dabei ist. Davon werden wir alle profitieren.

SPORT1: Von allen Teams hatten sie die längste Pause vor dem Turnier. Haben Sie ihre Mannschaft speziell auf das Ereignis vorbereitet?

Baur: Da ändert sich gar nichts. Wir haben den Rhythmus, den wir über das ganze Jahr haben, weil wir keinen Europapokal spielen. Alle drei anderen waren noch im Europapokal und haben dementsprechend am Dienstag beziehungsweise am Mittwoch noch ein Spiel gehabt. Das ist deren Rhythmus. Insofern haben wir auch ganz normal trainiert, und ich sehe da auch keinen Vorteil für uns.

SPORT1: Sollte der Finaleinzug klappen; wen hätten Sie lieber als Finalgegner?

Baur: Das weiß ich ja noch gar nicht. Also brauche ich mich damit auch noch nicht auseinanderzusetzen. Das ist kein Wunschkonzert.

SPORT1: Der THW Kiel ist ebenfalls in Hamburg vertreten und hat in dieser Saison noch kein Bundesliga-Spiel verloren. Was macht die Kieler so stark?

Baur: Die Qualität in der Truppe. Sie haben einen riesen Kader zusammen, sind auf jeder Position doppelt besetzt. Sie sind im Rückraum sechs-, siebenfach Weltklasse besetzt. Sie haben auf höchstem Niveau zwei unterschiedliche Deckungsvarianten. Dazu kommt noch, dass man nach 29 Siegen in Folge ein Selbstvertrauen hat, was weiß ich wie hoch.

SPORT1: Noch zu Ihrer Person: Mit Genadij Chalepo ist kürzlich Ihr Nachfolger beim TuS vorgestellt worden. Was geben Sie ihm mit auf den Weg?

Baur: Genadij ist ein erfahrener Spieler gewesen. Er ist auch schon lange im Trainergeschäft dabei. Ich werde einen Teufel tun und ihm da irgendetwas vorgeben. Was er bekommt, ist eine gute Mannschaft, mit der man sehr gut arbeiten kann. Und alles Weitere wird er schon wissen.

SPORT1: Ihre eigene Zukunft liegt beim DHB als Junioren-Nationaltrainer Wie wollen Sie die Aufgabe angehen, den jungen Spielern den Sprung zu den Profis zu erleichtern?

Baur: Indem wir gut arbeiten und versuchen, bei den Junioren im individuellen Bereich den Abstand zu den Erwachsenen zu verringern.

SPORT1: Als Nachfolger von Martin Heuberger, der mit den Junioren zwei WM-Titel gewann, treten Sie in große Fußstapfen. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Baur: Ich mache das nicht, um Junioren-Europameister oder ?Weltmeister zu werden. Es geht darum, dass die Jungs besser werden, an Qualität gewinnen. Mit 20 Jahren geht es nicht nur um das Ziel, Junioren-Weltmeister zu werden. Es geht um die individuelle Ausbildung und nicht um Titel, für den man sich nichts kaufen kann.

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