In der Toyota HBL unterlag der HSV um Pascal Hens (r.) den Kielern mit 25:30 © getty

Der HSV will beim Lufthansa Final Four seine Saison retten, trifft aber auf Gigant Kiel. Kretzschmar macht Hamburg wenig Hoffnung.

Hamburg - Markige Worte gehören vor einem Spitzenspiel dazu. Normalerweise. Vor dem Halbfinal-Showdown beim Lufthansa Final Four ist jedoch alles anders.

Wenn der Ex-Meister HSV Hamburg am Samstag (ab 14.50 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) auf seinen Nachfolger THW Kiel trifft, sind die Rollen klar verteilt.

Nicht nur Handball-Experten wie Heiner Brand und Stefan Kretzschmar sehen den THW vorn.

"Es ist zurzeit schwer, an die eigene Chance zu glauben, was soll denn für uns sprechen? Gar nichts. Die Meistersaison ist vorbei", sagt HSV-Linksaußen Torsten Jansen.

Aber er fügt hinzu: "K.o.-Spiele haben ihre eigenen Gesetze, da können wir für eine Überraschung sorgen. Bei solchen Spielen zählt kein Vorher und kein Nachher."

Bittere Pleite in Melsungen

Die Generalprobe für das Giganten-Duell ist den Hamburgern unter der Woche gründlich missglückt.

Durch die Pleite in Melsungen, der siebten in der laufenden Serie, muss der gestürzte Meister mehr denn je um die Champions League bangen. (BERICHT: Tiefschläge für HSV und Füchse)

Beim Final-Four-Turnier geht es nun darum, eine völlig misslungene Saison noch halbwegs zu retten. Es ist nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League die letzte Chance auf einen Titel.

"Wir wollen kein Mitleid. Sterbende Löwen sind die gefährlichsten. Wir können wieder auferstehen, das traue ich der Mannschaft zu", sagt Hamburgs Spielmacher Michael Kraus kämpferisch: "Unschlagbar sind die Kieler nicht, sie machen auch Fehler. Die Chancen stehen 50:50."

THW unersättlich

Während der HSV wie ein angeschlagener Boxer durch die Saison taumelt, eilt der THW von einem Superlativ zum nächsten.

In der Bundesliga steht das Team vor einem verlustpunktfreien Durchmarsch, in der Champions League im Halbfinale. (EXKLUSIV: Kiels Marcus Ahlm im SPORT1-Interview)

Der neue deutsche Meister und Pokalsieger von 2011 zeigt sich unersättlich, der Traum vom zweiten Triple der Vereinsgeschichte nach 2007 beflügelt das Team.

Gislason warnt

THW-Coach Alfred Gislason warnt jedoch davor, den HSV zu unterschätzen. "Für Hamburg ist es das erste Spiel, in dem sie überhaupt keinen Druck haben. Sie können eine verkorkste Saison mit einem Pokalgewinn wieder in Ordnung bringen."

Und Kiels Rückraumspieler Momir Ilic ergänzt: "Der HSV ist unser großer Gegner, dazu ist das Spiel ein Derby. Wir sind alle heiß auf die Partie."

Dass der HSV mit dem THW auch in dieser Saison durchaus auf Augenhöhe spielen kann, bewies er vor knapp fünf Monaten beim Gastspiel in Kiel. Bis siebeneinhalb Minuten vor Schluss hielt das Team von Trainer Martin Schwalb die Partie offen (25:25), ehe es am Ende noch mit fünf Toren verlor.

Kretzschmar: "Kiel nicht zu schlagen"

Bei den Experten ist die Favoritenrolle klar verteilt. "Alles andere als ein Sieg des THW wäre eine Überraschung. Im Normalfall ist Kiel nicht zu schlagen. Die Mannschaft ist in diesem Jahr einfach zu dominant, zu souverän", sagte SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar.

Ähnlich beurteilt auch Heiner Brand die Ausgangslage. "Die THW-Spieler sind zurzeit allesamt in Top-Form. Der HSV hat dagegen den Heimvorteil", so der Weltmeister-Trainer und DHB-Manager.

Baurs positive Pokal-Erfahrung

Im zweiten Semifinale treffen am Samstagabend (ab 17.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) ) die SG Flensburg-Handewitt und der TuS N-Lübbecke aufeinander.

Flensburg ist als Bundesliga-Zweiter favorisiert.

Zudem hat die SG die letzten fünf Duelle gegen Nettelstedt allesamt für sich entschieden. Die Überraschungsmannschaft setzt jedoch auf seine Außenseiterchance - und auf Trainer Markus Baur.

Der hat das Final-Four nämlich schon einmal gewonnen. Vor exakt zehn Jahren als Spieler mit dem TBV Lemgo.

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