Anna Loerper (29) ist nach dem verletzungsbedingten Aus von Wohlbold in der Mitte noch mehr gefordert © getty

Die Deutschen klopfen bei der WM oben an, der Bundestrainer traut dem Team trotz Rückschlägen viel zu. Nur der Präsident bremst.

München - Die Bedeutung der Weltmeisterschaft in Serbien (ab Sa., 14.40 Uhr LIVE im TV bei SPORT1)?

Bei dieser Frage muss SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar nicht lange überlegen.

"Ich hoffe, dass wir weit kommen, weil das für das Renommee des deutschen Handballs unheimlich wichtig wäre", sagte Kretzschmar vor dem WM-Auftakt der deutschen Mannschaft am Samstag gegen Australien (Sa., 16.45 Uhr LIVE im TV bei SPORT1).

Nach den Enttäuschungen bei den Männern sollen die Frauen nun die Kohlen aus dem Feuer holen - die Chancen dafür stehen gut.

"Wir wollen aus der Gruppenphase rauskommen und dann von Spiel zu Spiel denken. Wir sind in der Lage zu sagen: Wenn wir unsere Top-Leistung bringen, dann haben wir gegen viele Mannschaften eine gute Chance", sagte Bundestrainer Heine Jensen vor dem Abflug nach Belgrad.

Bauer erklärt Medaillen zum Tabu

Minimalziel ist das Erreichen des Achtelfinales, doch insgeheim hofft der Däne auf mehr - trotz der vielen Verletzungen im Vorfeld des Turniers. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Bernhard Bauer, der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), wünscht der Mannschaft, "dass sie sich selbst belohnt und trotz des Alles-Oder-Nichts-Modus so lange wie möglich im Turnier bleiben wird".

Das Team sei "nicht zu weit von der Weltspitze entfernt", sagte der Verbandsboss der "Handballwoche". Allerdings will Bauer auch nicht zu viel Druck ausüben. "Über Medaillen reden wir nicht", sagte er im Gespräch mit den "Stuttgarter Nachrichten".

Auch Deutschland auf Jenses Liste

Favoriten auf die WM-Krone sind mal wieder die üblichen Verdächtigen. Titelverteidiger Norwegen, Europameister Montenegro, Dänemark und Serbien.

Aber auch Rumänien und die Niederlande hat Jensen auf der Rechnung: "Und natürlich uns."

An einem guten Tag, das weiß der 36-Jährige nur zu gut, kann sein Team selbst den ganz Großen ein Bein stellen. So geschehen kürzlich beim 32:27 gegen Rekord-Weltmeister Russland in der EM-Qualifikation.

Absturz von 2011 nicht vergessen

Das neue Selbstbewusstsein im deutschen Frauenhandball ist erstaunlich. Noch vor nicht allzu langer Zeit sah sich jener Jensen, der sein Team mit akribischer Detailarbeit wieder auf Kurs gebracht hat, heftiger Kritik ausgesetzt, von allen Seiten wurde an seinem Stuhl gesägt.

Doch der siebte Platz bei der EM und auch die jüngsten Auftritte zeigen: Der Weltmeister von 1993 klopft nach Jahren in der sportlichen Diaspora wieder an die Tür zur Spitze.

Von Ergebnissen wie den beiden Siegen in der Generalprobe gegen Schweden am vergangenen Wochenende lässt sich Jensen, der vor seiner Zeit als Nationalcoach die Frauen des HC Leipzig 2009 und 2010 zum deutschen Meistertitel geführt hatte, nicht blenden.

Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die WM 2011, sein erstes Turnier als Auswahltrainer, als seine Mannschaft böse abstürzte.

Wohlbold-Schock verkraftet

Dem sensationellen Sieg im Auftaktspiel gegen den späteren Weltmeister und Olympiasieger Norwegen folgte ein Desaster. Am Ende stand Platz 17, Olympia in London fand ohne die deutschen Frauen statt.

Mittlerweile sind die Tiefpunkte bei Weitem nicht mehr so tief.

Das Team hat sich entwickelt und lässt sich selbst von der schweren Verletzung seiner Spielmacherin Kerstin Wohlbold (Kreuzbandriss) nicht entmutigen. "Wir müssen als Mannschaft noch enger zusammenrücken", sagte Jensen nach dem Schock des vergangenen Wochenendes.

Die Jüngeren stehen in der Verantwortung

Dabei ist Wohlbold nicht die einzige Stammkraft, die in Serbien passen muss. Mit Spielführerin Isabell Klein und Torfrau Katja Schülke, die beide im kommenden Jahr ihr erstes Kind erwarten, sowie Anne Müller (Knieverletzung) fallen gleich drei weitere Leistungsträgerinnen aus.

"Diesen Weg zu gehen, wird gerade für die jüngeren Spielerinnen, die plötzlich mehr in der Verantwortung stehen, eine spannende Aufgabe werden", sagt Jensen.

Die WM in Serbien betrachtet er ohnehin als eine Zwischenetappe. Spätestens bei der Heim-WM 2017 wollen die deutschen Frauen wieder die Weltspitze aufmischen. Ob mit oder ohne Jensen, steht bisher noch in den Sternen.

Der Vertrag des Dänen mit dem DHB läuft Ende 2014 aus, doch Bauer hat bereits signalisiert, dass er ihn gerne halten würde. "Ich bin von Heine Jensen überzeugt", sagte der DHB-Boss den "Stuttgarter Nachrichten": "Einzelheiten müssen wir noch besprechen."

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