Isabell Klein (l.) spielt seit 2007 beim Buxtehuder SV auf der Rechtsaußen-Position © getty

Mit dem Verletzungs-Aus der Kapitänin fehlt Deutschland die Leitfigur im Team. Sportlich soll ein Duo ihren Ausfall kompensieren.

Hamburg - Auch am Tag nach der schweren Verletzung von Isabell Klein saß der Schock im Lager der deutschen Handballerinnen tief.

Wegen eines Mittelhandbruchs in der Wurfhand fällt die 28 Jahre alte Kapitänin für die Europameisterschaft in Serbien (4. bis 16. Dezember) aus.

Auch wenn der Ausfall der Ehefrau des Kieler Nationalspielers Dominik Klein sportlich zu kompensieren sein dürfte, reißt er eine Woche vor Turnierbeginn eine große Lücke ins Teamgefüge von Bundestrainer Heine Jensen.

"Das ist ein Schock für uns", sagte Jensen am Dienstag: "Isi war unser Ruhepol auf dem Spielfeld und hatte vor allem in der Abwehr sehr wichtige Aufgaben. Jetzt müssen wir die Dinge anders lösen."

"Nicht wieder bei 100 Prozent"

Jensen machte aber auch deutlich, dass Klein, die sich die schwere Verletzung am Montagabend bei einer Abwehraktion während des Trainings in Coesfeld zugezogen hatte, nach gerade erst auskuriertem Kreuzbrandriss "noch nicht wieder bei 100 Prozent" gewesen sei.

Auch Melbeck fehlt

Wer in Serbien die Kapitänsbinde tragen wird, ließ der Däne zunächst offen.

Die etatmäßige Klein-Vertreterin Stefanie Melbeck steht der Auswahl des deutschen Handballbundes (DHB) bei der EM aufgrund eines Muskelfaserrisses ebenfalls nicht zur Verfügung. Eine Nachnominierung wird es aber nicht geben.

Zweite Verletzung binnen acht Monate

Klein ist zurzeit vom Pech verfolgt. Der Handbruch ist für die ehrgeizige Sportlerin die zweite schwere Verletzung binnen acht Monaten.

Erst vor sieben Wochen war sie nach mehrmonatigem Reha-Training bei ihrem Verein Buxtehuder SV auf das Handballfeld zurückgekehrt. In ihrem letzten Tagebucheintrag bei "handball-world.com" hatte sich Klein zuletzt noch über ihre ersten Einsätze in der Liga und der Champions League gefreut.

"Es ist soweit - mein Weg zurück auf das Spielfeld ist vollbracht", hatte Klein damals geschrieben. Es folgten die Nominierung für das Nationalteam und die beiden Testspiele am vergangenen Wochenende gegen Rumänien.

Leun: "Eine Katastrophe"

Am Montag folgte der nächste Schock. "Auch für uns ist die erneute Verletzung eine Katastrophe", sagte Kleins Vereinstrainer Dirk Leun.

Mit einer Rückkehr seiner Spielführerin rechnet er im "günstigsten Fall" im Februar.

Müller und Hubinger sind gefragt

Den sportlichen Verlust für die Nationalmannschaft sieht er aber nicht ganz so gravierend. Natürlich spiele sie als Kapitänin eine wichtige Rolle, "vor allem als Persönlichkeit innerhalb des Teams. Aber in den letzten Spielen hat man auch gemerkt, dass sie noch nicht wieder bei 100 Prozent war", sagte Leun.

Nun seien auf der halbrechten Rückraumposition Spielerinnen wie Susann Müller und Anne Hubinger gefragt. "Susann ist zurzeit ohnehin die beste Spielerin auf der Position in Deutschland. Sie muss und wird bei der EM eine dominante Rolle einnehmen", so Leun.

Das bestätigte auch die Generalprobe für die EM am vergangenen Wochenende.

Sportliche Kompensation

Während Klein ihr Team in den beiden Spielen gegen Rumänien zwar als Kapitänin aufs Feld führte, bestach Müller vor allem im ersten Test (25:28) mit einer starken Leistung. Zusammen mit Hubinger könnte sie den Ausfall Kleins in Serbien kompensieren - zumindest sportlich.

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