Nationalspielerin Anja Althaus spielt in der Bundesliga für den Thüringer HC © getty

Wenige Tage vor der EM deklassieren die deutschen Handballerinnen Rumänien. Bundestrainer Heine Jensen hat aber noch Baustellen.

Hamm - Die EM kann kommen, das Team mit den zwei Gesichtern ist bereit:

Mit einer grandiosen Leistungssteigerung und einem in dieser Höhe sensationellen 30:9 (16:4) gegen Rumänien in Hamm rehabilitierten sich die deutschen Handballerinnen am Sonntag für die 25:28-Niederlage gegen denselben Gegner tags zuvor in Münster.

Das Team von Bundestrainer Heine Jensen zeigte die seit Jahren beste Leistung einer deutschen Frauen-Nationalmannnschaft und hatte in der sechsfachen Torschützin Anja Althaus, die vor der Partie für ihr 200. Länderspiel geehrt worden war, ihre beste Werferin.

Deckung passt Jensen nicht

Dabei hatte Jensen nach der Niederlage in Münster noch die eine oder andere Sorgenfalte auf der Stirn gehabt.

"Das war phasenweise sehr ordentlich", sagte der 35-jährige Däne, schränkte allerdings ein:

"Wir haben in Deutschland großartige Torhüterinnen, aber wenn die Deckung nicht gut arbeitet, ist es schwer, im Tor zu stehen."

Das war am Sonntag anders: Sowohl Katja Schülke in der ersten Halbzeit als auch Clara Woltering nach der Pause waren ein sicherer und stabiler Rückhalt einer Abwehr, die im Vergleich zum Vortag jederzeit Ball und Gegner unter Kontrolle hatte.

Keine Konstanz

Dennoch gibt es für Jensen bis zum ersten EM-Spiel am 4. Dezember in Novi Sad gegen den Olympiadritten Spanien noch einiges an Arbeit.

"Wir haben eine gute Mischung aus Alt und Jung, und wir haben große Lust, eine gute EM zu spielen", sagte Jensen.

Was noch fehlt, ist permanente Stabilität in der Abwehr und die Fähigkeit, 60 Minuten lang voll konzentriert zu bleiben:

"Wir fallen immer wieder in kleine Löcher und brauchen dann zu lange, um wieder rauszukommen."

Müller mit starkem Comeback

Im Angriff lief es im Vergleich zur katastrophalen WM 2011 in Brasilien in beiden Spielen gut, vor allem das Comeback der torgefährlichen Susann Müller zahlte sich in der ersten Partie aus.

Nicht ganz ohne Nebengeräusche war die 24-jährige Linkshänderin vor zwei Jahren vom damaligen Bundestrainer Rainer Osmann aus dem Kader gestrichen worden.

"Susann war sehr, sehr stark", sagte Jensen: "Aber wir haben auch andere Spielerinnen, auf die wir zählen können."

Wohlbold überzeugt

Kerstin Wohlbold zum Beispiel. Die Spielmacherin des deutschen Meisters Thüringer HC zeigte nicht immer alles, was sie kann, ließ phasenweise aber erkennen, dass sie zurzeit die Beste im mittleren Rückraum ist.

Selbst stets torgefährlich, hat die 28-Jährige ein glänzendes Auge für ihre Nebenleute und verwirrt die gegnerische Abwehr durch trickreiche Anspiele.

Am Sonntag zeigte außerdem Laura Steinbach vom deutschen Rekordmeister Bayer Leverkusen ihr bestes Saisonspiel, überzeugte sowohl in der Kombination mit Wohlbold im Aufbau als auch mit ihrem Zug zum Tor.

Auf Nadja Nadgornaja vom THC musste Jensen in beiden Spielen verzichten. Er hofft, dass die Torjägerin ihren Muskelfaserriss bis zum EM-Beginn auskuriert hat.

Naidzinavicius empfiehlt sich

Unter Druck sieht Jensen sich und die Mannschaft in Serbien jedenfalls nicht, obwohl eine Wiedergutmachung für die die WM 2011 mit der verpassten Olympia-Qualifikation durchaus ein Ansporn sein könnte.

Viele junge Spielerinnen sind in den vergangenen zwölf Monaten dazugekommen.

Eine von ihnen, die 21-jährige Kim Naidzinavicius von Bayer Leverkusen, deutete in den beiden Spielen gegen Rumänien an, dass ihr in der Abwehrmitte durchaus die Zukunft gehören kann.

Gelassenheit bei Jensen

Jensen selbst sieht der EM mit großer Gelassenheit entgegen, er ist sehr entspannt und möchte das auch auf die Mannschaft übertragen:

"Wenn wir gut drauf sind, reicht das auch gegen die Großen mal für einen Sieg."

Ob es gegen die EM-Gruppengegner Spanien, Kroatien und Ungarn reicht, wird Jensen spätestens in zwei Wochen wissen.

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