Steffen Weinhold und seine SG Flensburg-Handewitt treffen im Finale auf Kiel © imago

THW Kiel ist nur noch einen Schritt von Europas Handball-Krone entfernt. Der Herzschlag-Meister bezwingt Veszprem 29:26.

Vom Final Four berichten Julian Meißner und Ann-Kristin Wottge

Köln ? Die Titeljäger des THW Kiel greifen zum vierten Mal nach Europas Krone, die SG Flensburg hat nach einer sensationellen Aufholjagd ebenfalls den ganz großen Coup vor Augen (DATENCENTER: Die Champions League).

Im ersten Halbfinale des Final Four der Champions League in Köln setzte sich der Deutsche Meister Kiel mit 29:26 (13:13) gegen die Ungarn von MKB Veszprem durch und steht damit im Endspiel am Sonntag (17.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Siebenmeter bringen Entscheidung

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Gegner der "Zebras" ist dort überraschend nicht der FC Barcelona, sondern Lokalrivale Flensburg. Die SG schlug überraschend den spanischen Rekordsieger (7 Titel) mit 41:39 (36:36; 33:35; 32:32; 18:17) in einem hochdramatischen Spiel nach Siebenmeterwerfen(SHOP: Jetzt Handball-Artikel kaufen).

Die Flensburger, deren beste Werfer Holger Glandorf (8) und Steffen Weinhold (7) waren, hatten schon vorab angekündigt, sich nicht von der Klasse der Katalanen um die Superstars Nikola Karabatic, Kiril Lazarov und Siarhei Rutenka beeindrucken zu lassen.

Glandorf rettet Flensburg

Barca sah dann zwischenzeitlich schon wie der sichere Sieger aus, doch Glandorf krönte eine Flensburger Aufholjagd mit einem Treffer Sekundenbruchteile vor der Schlusssirene, der die Verlängerung erzwang.

Auch dort schienen Karabatic und Co. den längeren Atem zu haben, doch nach zwei Toren Rückstand kämpfte sich die SG abermals zurück, rettete sich ins Siebenmeterwerfen und stürzte den Top-Favoriten letztlich sensationell.

Karabatic vergibt

Mattias Andersson parierte gegen Karabatic und wurde so zum Helden eines denkwürdigen Spiels, Linksaußen Hampus Wanne verwandelte den entscheidenden Strafwurf zum 41:39.

Überhaupt sahen 20.000 Zuschauer in der ausverkauften Kölner Arena zwei kampfbetonte und temporeiche Partien mit zahlreichen spielerischen Highlights ? also dem Anlass angemessene Matches vierer europäischer Spitzenteams.

[kaltura id="0_ka3vr9lf" class="full_size" title="Video Flensburgs Weg ins Final Four"]

Kiel kontert gefährlich

Im ersten Semifinale zwischen Kiel und Veszprem fiel die Entscheidung Mitte des zweiten Durchgangs, als Kiel gestützt auf einen starken Andreas Palicka im Tor einen Gang zulegte und sein gefürchtetes Konterspiel aufzog.

Beste Werfer für den THW waren die Isländer Aron Palmarsson (7) und Gudjon Valur Sigurdsson (6). Für Veszprem traf der ehemalige Kieler Momir Ilic (5/3) am häufigsten.

Nach ausgeglichener Anfangsphase nutzten die Ungarn bei ihrer ersten Teilnahme in Köln einige THW-Fehler clever aus und markierten mit dem 8:6 (14.) die erste Zwei-Tore-Führung. Vor allem Wirbelwind Chema Rodriguez auf der Spielmacherposition machte dem Kieler Innenblock schwer zu schaffen, zudem zeigte der Kroate Mirko Alilovic im Tor eine starke Leistung.

Palicka als großer Rückhalt

Trainer Alfed Gislason bat wenig später zur Auszeit und stellte Palicka für Johan Sjöstrand zwischen die Pfosten. Veszprem zog in der Folge zwar zunächst weiter auf 11:8 (21.) davon, doch der Schwede im Kieler Kasten biss sich ins Spiel und ermöglichte mit seinen Paraden leichte Tore über den Gegenstoß (Video: Kiels Weg ins Final Four).

Beim 11:11 (25.) war der THW wieder voll da, allerdings auch begünstigt von einigen unglücklichen Pfiffen des slowenischen Schiedsrichtergespannes Nenad Krstic und Petar Ljubic.

Gislason vertraute auch im zweiten Durchgang weitgehend auf seine erste Sieben um die angeschlagenen Rückraum-Stars Filip Jicha und Palmarsson und wechselte wenig durch.

Das Konzept ging auf: Christian Zeitz versenkte einen Konter gegen seinen neuen Klub mit aller Gewalt zum 18:16 (40.). Palicka parierte anschließend gegen den völlig freien Rodriguez, vorne knallte der äußerst treffsichere Sigurdsson den Ball an den Innenpfosten und erhöhte auf drei Tore.

Rote Karte für Sulic

Das Momentum kippte endgültig in Richtung der Kieler, als MKB-Kreisläufer Renato Sulic zwei Minuten später wegen einen Ellbogenstoßes gegen Patrick Wiencek glatt Rot sah. Palicka parierte weiter wie der Teufel, die Kieler bauten ihren Vorsprung auf 19:16 (41.) aus.

Beim 25:21 (51.) war eine Vorentscheidung gefallen, der THW brachte den Sieg mit Geduld und Routine über die Ziellinie.

Erst am vergangenen Wochenende hatten sich die Kieler in einem dramatischen Finish und nur aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber den Rhein-Neckar Löwen den 19. deutschen Meistertitel der Klubgeschichte gesichert.

In der Königsklasse geht es nun am Sonntag ausgerechnet gegen den Erzrivalen in der Neuauflage des viel diskutierten Finals von 2007 um den vierten Titel in der Königsklasse.

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