Trainer Ljubomir Vranjes von der SG Flensburg-Handewitt macht den Luftgrabscher
Ljubomir Vranjes übernahm im November 2010 das Traineramt bei der SG Flensburg-Handewitt © getty

Im SPORT1-Interview spricht Flensburg-Coach Ljubomir Vranjes über die Taktik gegen Titelfavorit FC Barcelona und zieht Bilanz.

Von Julian Meißner

München - Am Wochenende steigt mit dem Final Four der Champions League in Köln der Saison-Höhepunkt. In Meister THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt kämpfen noch zwei deutsche Teams um die Nachfolge des HSV Hamburg.

Der Tabellen-Dritte der DKB HBL hat dabei mit Titelfavorit FC Barcelona (Sa., ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) das schwerstmögliche Los erwischt.

Dennoch glaubt SG-Coach Ljubomir Vranjes im SPORT1-Interview an die Sensation und verspricht eine gute Taktik gegen die Katalanen mit Superstar Nikola Karabatic. (DATENCENTER: Die Champions League)

Der Titelträger von 2011 setzte sich im Viertelfinale nur dank der Auswärtstorregel gegen die Rhein-Neckar Löwen durch. Gerade im Hinspiel zeigten die Löwen, wie Barcelona zu knacken ist.

Im SPORT1-Interview spricht Ljubomir Vranjes über die Taktik gegen die Spanier und Psychologie im Trainerjob.

SPORT1: Herr Vranjes, wie ist Ihre Gemütslage vor der Premiere der SG beim größten Event im Klub-Handball: Geballte Vorfreude oder ist bei aller Erfahrung eine Portion Nervosität dabei?

Ljubomir Vranjes: Ich bin nie nervös vor einem Spiel. Ich bereite mich und meine Mannschaft immer hundertprozentig auf das nächste Spiel vor. Demnach habe ich einfach nur Vorfreude auf ein tolles Event, an dem wir das erste Mal teilnehmen dürfen.

SPORT1: Wie sehen Sie die Chancen, den Titel zu holen?

Vranjes: Wir werden unsere Teilnahme beim Final-Four einfach genießen. Wir spielen im Halbfinale gegen den Titel-Favoriten. Barcelona war schon vor der Saison Favorit auf den Champions-League-Sieg. Ich und auch die Mannschaft denken immer nur von Spiel zu Spiel. In unseren Köpfen ist derzeit nur die Vorbereitung auf unser Halbfinale gegen Barcelona. Nichtsdestotrotz fahren wir selbstverständlich nach Köln mit der Einstellung und dem Willen, zwei Handballspiele zu gewinnen.

SPORT1: Sie werden Barcelonas Viertelfinals gegen die Rhein-Neckar Löwen analysiert haben - welche Lehren konnten Sie ziehen, wo muss man taktisch gegen diese Weltauswahl ansetzen?

Vranjes: Ja, ich habe mir das Spiel angeschaut. Natürlich braucht man eine gute Taktik gegen diesen Kader mit den ganzen Weltstars. Die werden wir auch haben. Am Ende wird jedoch die Tagesform am Samstag sehr, sehr wichtig sein, wenn nicht sogar über Sieg oder Niederlage entscheiden.

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SPORT1: Sie haben Barca zum klaren Favoriten erklärt. Besteht nicht auch eine Gefahr darin, den Spielern mit so einer Aussage vorab quasi ein Alibi für ein mögliches Scheitern zu liefern?

Vranjes: Wir sind der größte Underdog, keine Frage. Jedoch haben wir auch schon vorher gegen Favoriten gespielt und auch gewonnen. Nicht nur ich habe diese Äußerung getroffen, fast die ganze Handballwelt hat Barcelona zum Favoriten erklärt. Mein Team weiß genau, wie es mit einer solchen Situation umgehen soll bzw. muss. Da habe ich überhaupt keine Bedenken.

SPORT1: Ganz allgemein: Wie viel Ihrer Arbeit ist Psychologie, wie viel Handwerk?

Vranjes: Für mich als Trainer gehört auch Psychologie zu meinem Handwerk. Beides ist wichtig für einen Trainer bei der Arbeit mit den Spielern. In meinem Fall als Trainer der SG mit auch vielen jungen Spielern würde ich daher sagen: 50/50.

SPORT1: Und wie erklären Sie Ihren Abwehrspielern, wie sie sich verhalten sollen, wenn ein Nikola Karabatic mit Ball auf sie zustürmt?

Vranjes: Über die Frage bin ich ein wenig verwundert. Wir haben in unserem Video-Studium nicht nur Niko analysiert, sondern das gesamte spanische Team. Wir müssen am Samstag in der Abwehr allgemein die jeweiligen Stärken der einzelnen Spieler verhindern. Unsere Abwehr im Zusammenspiel mit unserem Torhüter funktioniert in der Regel immer gut und nebenbei haben wir auch mit Tobias Karlsson den im Januar bei der Europameisterschaft gewählten besten Abwehrspieler in unseren Reihen.

SPORT1: Wie lautet Ihr Saisonfazit, unabhängig vom Abschneiden in Köln?

Vranjes: Ich bin zufrieden mit unserer Saison. Ich denke, in Anbetracht unserer erneuten Verletzungssorgen auf Halblinks und der Breite unserer Kaders ist die Saison optimal gelaufen. Wir sind in allen drei Wettbewerben immer bis zum Ende oben mit dabei gewesen und werden in der kommenden Saison wieder Champions League spielen. Die Teilnahme beim VELUX EHF Final Four in Köln ist unser Saison-Highlight und ein toller Abschluss. Wir werden diesen bis zum Schluss genießen.

SPORT1: Die Löwen hätten Dauermeister Kiel um ein Haar den Meistertitel abgejagt. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass die SG in den kommenden Jahren mal wieder in der Bundesliga ganz oben steht?

Vranjes: Die SG Flensburg-Handewitt zeichnet sich durch Kontinuität aus. Wir werden immer ganz oben um den Titel mitspielen. Wir spielen seit vielen Jahren Handball auf einem sehr hohen Niveau. Auch wenn unser Kader immer dünner besetzt sein wird, so werden wir nie aufhören, die anderen Vereine zu jagen.

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