Rückraum-Akteur Michael Kraus spielt seit 2010 beim HSV Handball in der DKB HBL © imago

Im Wildcard-Turnier geht es für den um mehr als nur zwei Siege. Spielmacher Kraus verrät SPORT1 die Kniffe für den Rückraum.

Von Annette Bachert

München - "Es zählt nur der Sieg!" Das zumindest sagt Hamburgs Michael Kraus zu SPORT1 und meint die Teilnahme am Wildcard-Turnier für die Champions League im französischen St. Raphael: "Dafür müssen wir aber auch zwei schwere Spiele bestreiten und gewinnen."

Dass die Königsklasse nicht nur sportlich, sondern auch finanziell für den HSV Hamburg sehr lukrativ wäre, blenden die Hanseaten aus.

"Wir haben nur sportlichen Druck. Die Champions League ist das höchste Gut im Vereinshandball, aber sie würde uns finanziell nicht auf eine andere Ebene heben", erklärt Cheftrainer Martin Schwalb.

Und Spielmacher Kraus sagt: "Wir haben jetzt die Chance auf die Königsklasse und wollen sie ergreifen, alles andere ist erst einmal zweitrangig. Aber wir wissen auch sonst, dass wir alle in einem Boot sitzen und es so gut wie möglich segeln lassen wollen."

Zwei Siege in der Liga

Sportlich zumindest ist der Deutsche Meister von 2011 wieder auf Kurs.

Auf den enttäuschenden Auftakt in der DKB Handball-Bundesliga gegen die HSG Wetzlar folgten zwei Siege gegen den TV Großwallstadt und den SC Magdeburg (Bericht), aus denen die Hamburger "viel mitnehmen".

Defensive muss sich finden

Gegen den polnischen Vizemeister Wisla Plock, auf den der HSV im ersten Halbfinale (Sa., 16.30 Uhr) trifft, setzt Kraus vor allem auf die neu-formierte Defensive, die sich nach dem Abgang der Gille-Brüder Guillaume und Bertrand erst langsam finden muss.

"Gegen den TVG und in Magdeburg haben wir gut in der Abwehr gestanden, darauf wird es auch gegen die starken Polen ankommen", erklärt Kraus und fügt an: "Im Angriff können wir sicherlich noch mehr Durchschlagskraft entwickeln."

Hens-Ausfall: "Herber Rückschlag"

Das wird jedoch nicht einfach, da mit Kapitän Pascal Hens einer der wurfstärksten Rückraum-Akteure wohl passen muss.

Der 2,03-Meter-Schlaks zog sich gegen Magdeburg einen Kapseleinriss im linken Schultereckgelenk zu, trat aber zumindest den Weg nach Frankreich an.

"Es ist natürlich ein herber Rückschlag, wenn er ausfällt. Wir müssen umstellen und die Aufgaben im Rückraum auf weniger Schultern verteilen", erzählt Kraus.

Kraus als X-Faktor

Er erläutert: "In Magdeburg hat das schon geklappt. Wir haben im Training aber zusätzlich noch etwas versucht - mit Fredrik (Anm. d. Red.: Petersen) im Rückraum - um da variabel zu bleiben."

Doch neben Petersen, den etatmäßigen Rückraum-Akteuren Marcin Lijewski, Blazenko Lackovic und Domagoj Duvnjak, ist vor allem Kraus selbst als X-Faktor gefragt.

Als eines der größten deutschen Talente auf der Spielmacher-Position gefeiert, durchlebte der 28-Jährige seit seinem Wechsel zum HSV im Sommer 2010 eine schwierige Zeit.

Im ersten Jahr wurde der gebürtige Göppinger zwar Deutscher Meister, schaffte es im neuen Team aber nur selten, sein Potential abzurufen.

Kraus auf "gutem Weg"

In der vergangenen Spielzeit, die er selbst als "Seuchen-Saison" bezeichnet, warfen ihn ein Innenbandriss, eine Meniskusquetschung und ein Nasenbeinbruch immer wieder zurück.

"Jetzt ist jeder Einzelne gefordert. Und da nehme ich mich auch nicht aus. Ich sehe mich wieder auf einem guten Weg, weiß aber auch, dass ich noch viel arbeiten muss", erklärt Kraus.

Das müssen natürlich auch die Neuzugänge um Andreas Nilsson und Petersen, die sich bereits "super integriert haben und super Verstärkungen sind", wie Kraus versichert. "Auch Enid Tahirovic und Fredrik Petersen haben bereits ihre Klasse unterstrichen. Mit Stefan Terzic und mit Max-Henri Herrmann haben wir außerdem zwei ganz starke Talente in der Hinterhand."

Gegen Plock und einem möglichen Finale sind neben den Arrivierten auch die Neu-Hamburger gefragt.

Nur ein Team kommt weiter

Denn nur der Sieger des Turniers, an dem neben den Gastgebern noch RK Cimos Koper aus Slowenien teilnimmt, qualifiziert sich für die Champions League.

Sollte der HSV die am 26. September beginnende Gruppenphase der Königsklasse nicht erreichen, müsste er sich mit dem EHF-Pokal zufrieden geben.

Weiterlesen