Sven-Sören Christophersen kam 2010 von der HSG Wetzlar zu den Füchsen Berlin © getty

Trotz Platz 4 beim Final Four: Berlin ist die Überraschung der Saison. Christophersen ordnet bei SPORT1 die Entwicklung ein.

Von Julian Meißner

Köln/München - Auch wenn die Füchse mit zwei Niederlagen im Gepäck aus Köln abreisten, so richtig niedergeschlagen waren sie nicht.

Im Halbfinale des Final Four schnupperten die Berliner gegen das Überteam des THW Kiel an der Sensation, und auch im Spiel um Platz drei gegen Kopenhagens Star-Ensemble (News) verkaufte sich das Team aus der Hauptstadt mehr als achtbar.

Bester Füchse-Werfer in der bärenstarken Debütsaison in der Königsklasse war Sven-Sören Christophersen. Mit insgesamt 81 Treffern brachte er es bis auf Rang sieben der europäischen Rangliste und reihte sich damit ein in den Kreis der ganz Großen.

Der Nationalspieler spricht im SPORT1-Interview über die Tage von Köln, die Entwicklung in Berlin und zwei verbliebene wichtige Ziele am Ende einer langen Saison.

SPORT1: Herr Christophersen, Platz vier ist es am Ende einer aufregenden Debütsaison geworden. Überwiegt die Enttäuschung über die beiden verlorenen Spiele, oder der Stolz, überhaupt in Köln dabei gewesen zu sein?

Sven-Sören Christophersen: Mit etwas Abstand muss man stolz darauf sein, in der ersten Champions-League-Saison unter die besten vier Teams gekommen zu sein. Ich glaube, da gibt es keine zwei Meinungen. Aber natürlich ist man enttäuscht, wenn dann doch nicht mehr dabei herumkommt.

SPORT1: Woran hat es gelegen?

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Christophersen: Wir haben an beiden Tage ganz gute Abwehrleistungen mit guten Torhütern hingestellt, aber sind im Angriff nicht so klar gekommen. Da sieht man dann auch noch, was uns bis ganz oben fehlt.

SPORT1: Was ist das genau?

Christophersen: Es gehören immer viele Dinge dazu. Teils war es der Spielfluss, der ein bisschen fehlte, teils auch ein bisschen mangelnde Cleverness. Das sind Sachen, die Mannschaften wie den THW und auch Atletico Madrid ausmachen. Sie sind diese engen Situationen gewohnt und haben die Spieler, die dann auch immer funktionieren. Das kann man schon deutlich sehen.

SPORT1: Aber das Fazit der Champions-League-Saison fällt dennoch positiv aus?

Christophersen: Klar. Wer vorher prognostiziert hätte, dass wir es nach Köln schaffen, dem hätte man einen Vogel gezeigt.

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SPORT1: Wie ist die Spielzeit, in der Sie gerade international einen großen Schritt gemacht haben, für Sie persönlich zu Ende gegangen?

Christophersen: Sie war insgesamt sicherlich in Ordnung. Aber wenn dann hier zwei Spiele verloren gehen, fange ich zuerst bei mir selber an. Ich beanspruche für mich Führungsspieler zu sein, dann muss ich auch vorweg gehen. Ich habe meine Assists gemacht, aber in beiden Spielen sicher nicht so die Tore geworfen, wie ich das eigentlich kann und auch auf dem Weg hierher gezeigt habe. Eine Quote von 50 Prozent ist immer noch in Ordnung für einen Rückraumspieler, aber auch nichts Weltbewegendes. Da will ich nichts schönreden.

SPORT1: Wie haben die Füchse das Event Final Four erlebt?

Christophersen: Man spielt als Handballer selten vor 20.000 Leuten. Bei der EM in Serbien hatte ich das, aber in Deutschland ist es noch einmal was anderes. Nur schade, dass wir im Halbfinale die Kieler hatten, die hatten ein paar mehr Fans in der Halle als wir (lacht). Nichtsdestotrotz war es eine unglaublich sympathische und faire Atmosphäre. Das Turnier ist natürlich top organisiert, mit zig Pressekonferenzen und viel Drumherum. Das war schon neu für uns, eine gute Erfahrung und auch großer Ansporn, das wieder erreichen zu wollen. Aber wir wissen, wie lang und beschwerlich der Weg hierher war.

SPORT1: Berlin hat eine unglaubliche schnelle Entwicklung genommen. Kann das so weitergehen?

Christophersen: Schon nach der letzten Saison hat man ja gedacht, wir würden einbrechen. Es wird nicht einfach sein, das zu bestätigen. Wir spielen nun einmal in einer Liga, in der man an entsprechenden Tagen auch gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel verlieren kann. Um sich für die Champions League zu qualifizieren musst du über ein Jahr konstant gut spielen. Was uns diese Saison wieder gelungen ist.

SPORT1: Nach dem Ende der Bundesliga-Saison stehen noch mit der Nationalmannschaft die WM-Playoffs an. Haben Sie sich damit schon eingehend beschäftigt?

Christophersen: Wir haben gerade die Einladung bekommen, insofern wandern die Gedanken da schon langsam hin. Aber zunächst will ich meine Ziele mit der Mannschaft erreichen. Wenn ich mich dann eine Woche fokussiere, reicht das dicke. Klar ist, dass das ungemein wichtige Begegnungen sind. Es muss Ziel einer deutschen Nationalmannschaft, bei jeder WM dabei zu sein. Dementsprechend müssen wir das gegen Bosnien erreichen.

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