Kim Andersson wechselte im Jahr 2005 von IK Sävehof zum THW Kiel © getty

Kim Andersson zeigte in seinem letzten großen Spiel für Kiel all seine Klasse. Bei SPORT1 spricht er über Triumph und Wechsel.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln - Es war sein letztes großes Spiel für den THW Kiel, und Kim Andersson zeigte darin noch einmal überdeutlich, warum er ab dem Sommer schmerzlich vermisst werden wird.

Der schwedische Linkshänder war mit sieben Treffern der beste Werfer beim Sieg der Kieler im Champions-League-Finale (Bericht), mit dem sein Klub zum zweiten Mal nach 2007 das Triple perfekt machte. (EINWURF: Die Besten aller Zeiten)

"Ich werde den THW immer in meinem Herzen tragen", sagte Andersson, nachdem der Deutsche Meister und Pokalsieger Atletico Madrid völlig verdient mit 26:21 (13:10) bezwungen und seinen dritten Triumph in der Königsklasse eingefahren hatte.

Im Interview mit SPORT1 spricht Andersson über die unglaubliche Saison seiner Mannschaft und seinen Wechsel nach Kopenhagen (News).

SPORT1: Herr Andersson, wie fühlt es sich an, wenn man unbesiegbar ist?

Kim Andersson: Unbesiegbar würde ich nicht sagen. Immerhin haben wir ein Spiel in dieser Saison verloren (23:24 in der Champions-League-Vorrunde gegen Montpellier, Anm., d. Red.). Aber wir haben einen unglaublichen Lauf gehabt. Wir sind eine Mannschaft, die nie satt wird, daher kommt der Erfolg. Was wir heute geschafft haben, ist unglaublich.

SPORT1: Nach knapp 20 Minuten hatten Sie bereits fünf Tore bei fünf Versuchen erzielt. War das eines Ihrer besten Spiele für den THW?

Andersson: Ich weiß nicht. Ich finde, ich habe generell in dieser Saison super geliefert. Das spielt für mich auch keine Rolle. Ich genieße jetzt einfach. Ich hatte in der ersten Halbzeit Glück, in der zweiten ein paar technische Fehler. Mit dem Spiel bin ich insgesamt natürlich zufrieden.

SPORT1: Nach dem knappen Sieg im Halbfinale gegen die Füchse wirkte der THW im Endspiel gegen Atletico sehr souverän und hat das Spiel am Ende fast locker nach Hause gefahren. Wie haben Sie es auf dem Feld erlebt?

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Andersson: Locker war es bestimmt nicht. Wenn die Presse das sagt, ist das eine Beleidigung für unsere Arbeit. Wir kämpfen jeden Tag und tun alles, um die Besten zu sein. Ich gebe mein Leben für diesen Verein, für diese Sportart. Locker ist da nichts.

SPORT1: Locker war tatsächlich das falsche Wort, souverän trifft es wohl eher. Was sagen Sie zur Leistung von Thierry Omeyer? (SPIELBERICHT: Triple! Omeyer hext THW zum totalen Triumph)

Andersson: Wer Titi kennt, weiß, dass Spiele wie diese sein Garten sind. Da zeigt er, was für ein Torhüter er ist. Er ist ein Mann, der alles gewinnen möchte. Ich bin stolz auf ihn, aber auch auf die ganze Mannschaft. Es war nicht nur Titi, es waren alle, die dieses Spiel unbedingt gewinnen wollten.

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SPORT1: Ist dies die beste Mannschaft, in der Sie je gespielt haben?

Andersson: Der Erfolg dieser Mannschaft in diesem Jahr ist natürlich der Hammer. Das werden nur wenige schaffen, wenn überhaupt jemand. Die Ergebnisse zeigen ja, dass wir eine super Truppe sind. Vielleicht ist es tatsächlich die beste Mannschaft, in der ich je spielen durfte. Darauf kann ich stolz sein.

SPORT1: Wie geht es jetzt weiter für das Team, wenn die Feiern vorüber sind?

Andersson: Wir haben noch Spiele zu spielen, die müssen wir auch gewinnen. Dann können wir ein paar Tage genießen, Urlaub machen, und dann geht es für mich zu Olympia.

SPORT1: Besteht die Gefahr, dass die Mannschaft die verbleibenden Spiele auf die leichte Schulter nimmt?

Andersson: Nein. Es ist unser Erfolgsrezept, dass wir nie zu locker sind. Wir geben keine Punkte einfach ab, wie es vielleicht andere Mannschaften machen. Ich bin jetzt sieben Jahre in Kiel, die ersten fünf davon waren wir Meister. Eben weil wir immer gekämpft haben. Das ist unsere Mentalität.

SPORT1: Ist die Null, die perfekte Saison, nun das letzte verbliebene Ziel, dass Sie unbedingt erreichen wollen?

Andersson: Hoffentlich kommt es so, aber für mich spielt das keine so große Rolle. Wir haben alle Titel gewonnen, die wir gewinnen konnten.

SPORT1: Ihr Wechsel nach Kopenhagen steht nun fest. Mikkel Hansen sagte eben bei der Ehrung zum Torschützenkönig der Champions League, er wolle nächstes Jahr hier in Köln ganz oben stehen. Für Sie hieße das, dass man wohl an Kiel vorbei muss. Wäre das nicht ein komisches Gefühl, gegen den THW aufzulaufen?

Andersson: Natürlich wird das etwas Besonderes, wenn wir irgendwann gegen Kiel spielen. Aber ich bin ein professioneller Sportler. Nach dem Spiel können wir über Gefühle sprechen, aber während der 60 Minuten auf dem Feld tue ich das Beste für meinen Arbeitgeber.

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