Der THW Kiel feierte bisher 17 Meisterschaften und acht Pokalsiege © getty

Das Ausnahmeteam des THW bejubelt den Sieg in der Champions League und damit das Triple. Die Spieler gehen auf Party-Tour.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln - Als auch der letzte Kieler Spieler den sperrigen Pokal in die Höhe gereckt hatte, kam der Vater des Erfolges dran.

Die THW-Profis packten den doch sehr zögerlichen Alfred Gislason kurzerhand am Kragen und zwangen ihm die wichtigste Trophäe auf, die es für Vereinsmannschaften im Welthandball zu gewinnen gibt.

Und der Isländer, sonst kein Mann für große Gesten, reckte tatsächlich auf dem Siegerpodest inmitten der Kölner Arena stolz und unter tosendem Applaus den Cup in die Höhe, auf dem Kopf die herumgedrehte schwarze Baseball-Kappe mit dem Aufdruck: Triple Zwanzig Zwölf.

Großes Lob für Omeyer

Mit dem dominanten 26:21 (13:10)-Finalsieg über Atletico Madrid hatte der Deutsche Meister und Pokalsieger zuvor zum dritten Mal die Champions League gewonnen und zum zweiten Mal das Triple perfekt gemacht.

"Das wir das geschafft haben, ist etwas Außergewöhnliches", sagte Gislason wenig später: "Ich bin stolz auf mein Team."

Einer seiner Schützlinge hatte sich ein Sonderlob verdient. Torhüter Thierry Omeyer trieb den Gegner mit einer Weltklasseleistung und Paraden am Fließband zur Verzweiflung.

"Der Trainer kam zu mir und hat gesagt: Das war dein Spiel", meinte der Franzose, der insgesamt 18 von 39 Würfen abwehrte, darunter zahllose freie Bälle.

"Fantastisch" sei Omeyers Leistung gewesen, lobte Gislason: "Titi ist eben ein Finaltyp."

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Zeitz schwärmt vom Team

Der Keeper selbst stellte das Kollektiv in den Vordergrund: "Mal macht ein Spieler den Unterschied, mal ein anderer. Und dann wieder alle zusammen."

Christian Zeitz, der sich kurz vor Schluss am Knöchel verletzte und dennoch freudestrahlend durch die Tiefen der Arena humpelte, meinte: "Das ist die beste Mannschaft, in der ich je gespielt habe."

Sieggarant gegen den unbequemen und mit Stars gespickten Gegner aus Madrid war neben dem alles überstrahlenden Omeyer vor allem Kim Andersson.

Andersson-Wechsel im Sommer

Der Linkshänder, der nach 19 Minuten schon fünf Tore bei fünf Versuchen erzielt hatte und mit sieben Treffern insgesamt bester Werfer des Finales war, bewies mit unglaublicher Übersicht und Kaltschnäuzigkeit seine Ausnahmestellung im rechten Rückraum.

Auf die Dienste des Schweden, der seit sieben Jahren in Kiel spielt, wird der THW in der nächsten Saison jedoch verzichten müssen. Wie am Rande des Final Four in Köln durchsickerte, wechselt er schon in diesem Sommer zum dänischen Top-Klub AG Kopenhagen.

Gislason will "wenig" feiern

Doch allzu weit in die Zukunft wollte noch niemand schauen an diesem ruhmreichen Abend. Auch Gislason bekannte, eher grobe Ideen als ausgefeilte Pläne für den THW der Zukunft zu haben, zumal die Frage im Raum steht: Welche Ziele kann man sich nach solch einem Triumphzug noch setzen?

"Das ist eine Saison, die man kaum wiederholen kann", sagte Gislason nachdenklich.

Während der THW-Trainer, kein Freund öffentlicher Anlässe, ankündigte, "möglichst wenig" zu feiern, hatten seine Spieler abweichende Pläne.

Spieler "versessen" auf die Null

Die Stippvisite des Teams auf der offiziellen Players Night nahe der Kölner Arena war nur der Startschuss in eine rauschende Nacht. Und auch wenn am Donnerstag der Liga-Betrieb weitergeht, steht für die Triple-Sieger ab Montag ein Mallorca-Kurztrip an.

Allerdings ohne den Trainer. Der gab den Spielern zwei Tage frei und erklärte voller Ernst: "Dann kann ich wieder Druck auf die Mannschaft aufbauen."

Um Motivationsprobleme muss er sich bei seinen Profis kaum Sorgen machen.

Immerhin bleibt das allerletzte Ziel, als erstes Team eine Saison verlustpunktfrei zu beenden. Spieler wie Omeyer, das sagt Gislason, "sind versessen darauf", genau das zu schaffen.

Und für ihn selbst begann die Vorbereitung auf Hildesheim wahrscheinlich schon in dem Moment, in dem er den Champions-League-Pokal in die Höhe reckte.

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