Einer der Kieler Matchwinner gegen Berlin: Filip Jicha © getty

Double-Sieger THW gewinnt das deutsche Halbfinal-Duell beim Final Four gegen Berlin. Im Endspiel winkt der totale Triumph.

Aus Köln berichtet Julian Meißner

Köln - Nur noch ein Schritt trennt den THW Kiel vom totalen Triumph, die irre Europareise der Füchse Berlin dagegen ist mit einem weiteren Wahnsinnsspiel zu Ende gegangen.

Der Deutsche Meister und Pokalsieger hat im Halbfinale der Champions League am Samstagnachmittag erwartungsgemäß den Liga-Rivalen aus der Hauptstadt ausgeschaltet und greift nach dem dritten Titel in der Königsklasse nach 2007 und 2010.

Zudem winkt den "Zebras" nach dem furiosen und bis zum Ende spannenden 25:24 (15:12) das zweite Triple der Vereinsgeschichte.

Jicha völlig geschafft

"Ich muss über dieses Spiel erst mal nachdenken", sagte Kiels Matchwinner Filip Jicha: "Ich bin überglücklich, dass wir das geschafft haben. Es war damit zu rechnen, dass dieses Spiel so eng werden würde."

Und THW-Kapitän Marcus Ahlm meinte: "Im Finale stehen die Chancen wieder 50:50. Jetzt gilt es schnell zu regenerieren."

Gegner im Endspiel des Final-Four-Turniers in Köln am Sonntag (18 Uhr LIVESCORES) ist BM Atletico Madrid, das im hitzigen zweiten Halbfinale AG Kopenhagen ausschaltete (News).

"Völlig egal, gegen wen es geht", sagte Ahlm noch vor dem Anpfiff der zweiten Partie: ?Wir sind dem Triple einen Schritt näher gekommen."

THW schon mit sechs Toren weg

In der ersten Halbzeit des deutschen Duells, in der der THW zeitweise mit sechs Toren führte, sah es bereits nach einer deutlichen Angelegenheit aus, doch die Füchse kämpften sich mit großem Einsatz wieder heran. Am Ende mussten sie sich aber nach einem Herzschlagfinish doch dem verdienten Serien-Sieger beugen.

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"Wir hatten das falsche Gefühl, es könnte einfach werden und haben unsere Linie verloren", erklärte Kiels Trainer Alfred Gislason den zwischenzeitlichen Einbruch seines Teams.

Beste Werfer für sein Team waren einmal mehr der überragende Jicha (11/4) sowie Kim Andersson und Ahlm (beide 3).

Omeyer glänzt

Im Tor zeigte Star-Keeper Thierry Omeyer eine starke Leistung, wie man es von ihm in entscheidenden Spielen gewohnt ist.

Für die mit viel Herz und Klasse aufspielenden Berliner trafen Alexander Petersson (7) und Spielmacher Bartlomiej Jaszka (6) am häufigsten.

"Wir sind natürlich ziemlich traurig", sagte der bärenstarke Füchse-Torhüter Petr Stochl, der früh den glücklosen Nationalkeeper Silvio Heinevetter ersetzte: "Wir hatten eine Chance aufs Finale."

Und Petersson meinte: "Wir waren am Anfang nervös, aber wir sind zurückgekommen. Am Ende war es bitter, aber wir haben ein Riesenspiel abgeliefert."

Von Beginn an hellwach

Vor 20.000 Zuschauern in der ausverkauften Lanxess-Arena zeigte sich die Kieler Deckung von Beginn an hellwach, zwang die Berliner in schwierige Wurfsituationen und ließ in der Offensive Dampf ab.

Nach einem Gewaltwurf von Momir Ilic hieß es 8:3 (13.) ? im Angriff zuvor hatte Heinevetter dem serbischen EM-MVP einen Siebenmeter abgekauft.

Beim 11:5 durch Andersson (18.) deutete sich eine schon eine Berliner Blamage an, aber die Füchse um den überragenden Jaszka bissen sich zurück in die Partie. Dank des glänzend aufgelegten polnischen Regisseurs und Stochl hielt sich der Füchse-Rückstand zur Pause mit drei Toren in Grenzen.

Laen schafft Ausgleich

Die Berliner ließen sich auch im zweiten Durchgang einfach nicht abschütteln und erzielten durch das erste Tor von Kapitän Torsten Laen beim 23:23 (54.) zum ersten Mal den Ausgleich.

Doch Jicha legte eine gute Minute vor Schluss das 25:24 vor, Omeyer parierte im Gegenzug gegen Ivan Nincevic ? die Entscheidung.

"Titi muss uns helfen, wenn wir den Titel holen wollen", meinte Gislason lapidar von SPORT1 auf die Matchwinner-Qualitäten des Franzosen angesprochen.

Der deutsche Rekordmeister, in der aktuellen Toyota-HBL-Saison immer noch verlustpunktfrei, kann somit zum zweiten Mal nach 2007 alle drei großen Titel gewinnen.

Doch im Endspiel ist mindestens ähnlich starke Gegenwehr zu erwarten sein wie von den aufopferungsvoll kämpfenden Berlinern.

Kleines Finale gegen Kopenhagen

Die unglücklichen Hauptstädter spielen am Sonntag im kleinen Finale (15.15 Uhr LIVESCORES) gegen Kopenhagen Platz drei aus. Während die Berliner erhobenen Hauptes auflaufen, dürften die Dänen eine gehörige Portion Wut im Bauch haben, fühlten sie sich doch in der Schlussphase ihrer Partie von den Schiedsrichtern benachteiligt.

Doch während für die beiden Königsklassen-Debütanten am Pfingstsonntag nur noch ein Schaulaufen ansteht, geht es für den THW Kiel und Atletico Madrid um Europas Krone.

Im Stenogramm:

Füchse Berlin - THW Kiel 24:25 (12:15)

Tore: Petersson (7), Jaszka (6), Christophersen (3), Romero (3), Pewnow (2), Bult (1/1), Laen (1), Nincevic (1) für Berlin - Jicha (11/4), Andersson (3), Ahlm (3), Lundström (2), Sprenger (2), Narcisse (2), Ilic (2) für Kiel

Zuschauer: 20.000 (ausverkauft)

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