Clara Woltering gewann 2011 mit ZRK Buducnost Podgorica die Champions League © imago

Die deutsche Nationaltorfrau braucht nach dem Champions-League-Sieg Kaffee und Ei. Ihr Wechsel nach Montenegro zahlt sich aus.

Podgorica - Am Tag nach dem größten Triumph ihrer Karriere stand Clara Woltering am Flughafen von Podgorica.

"Ich habe meine Freunde zum Flieger gebracht, das ist doch selbstverständlich", sagte Deutschlands Handball-Nationaltorhüterin.

Typisch Woltering eben, die 29-Jährige hat auch in der Stunde des Erfolges nicht vergessen, wo sie herkommt.

Dabei hätte die diplomierte Agrartechnologin zumindest kurzfristig allen Grund gehabt abzuheben: Als vierte Deutsche nach Rekordnationalspielerin Grit Jurack, Anja Althaus und Nora Reiche hat Clara Woltering die Champions League gewonnen.

"Ich kann das noch gar nicht begreifen"

In einem an Dramatik nicht zu überbietenden Spiel setzte sich ihr Klub Buducnost Podgorica nach der 27:29-Hinspielniederlage beim ungarischen Champion Györ ETO 27:25 durch.

Nur dank der mehr erzielten Auswärtstore konnte Woltering am Ende jubeln. "Hammer, einfach nur der Hammer. Ich kann das noch gar nicht begreifen", war ihr erster Kommentar nach einer kurzen Nacht.

Gerade mal eine Stunde Schlaf fand die 135-fache Nationalspielerin, mit "einem ordentlichen Kaffee und einem Ei" hat Woltering aber auch dieses Problem in den Griff bekommen.

Das Gänsehaut-Feeling war auch am Tag danach immer noch da: "Das sind Momente, die du in deinem Leben nicht vergisst. Dafür bin ich Handballerin geworden!"

Auf einer Stufe mit den Weltstars

Woltering muss sich vorkommen wie in einem Traum. Im vergangenen Sommer hatte sie Rekordmeister Bayer Leverkusen nach elf Jahren auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung verlassen.

Gefunden hat die ehrgeizige Torfrau in Montenegro nicht nur ein "phänomenales Team", mit dem Gewinn des wichtigsten europäischen Klubwettbewerbs ist Clara Woltering auch endgültig in die Phalanx der Superstars ihres Sports aufgestiegen.

Sie steht jetzt auf einer Stufe mit Weltstars wie Teamkollegin Bojana Popovic, Gro Hammerseng oder Welthandballerin Heidi Like.

Überragende Leistung

Woltering hat in ihrer Premierensaison in der Königsklasse nicht nur den Titel gewonnen, die 29-Jährige war die unumstrittene Nummer eins im Starensemble der halben montenegrinischen Nationalmannschaft.

Mit 17 teilweise spektakulären Paraden zeigt Deutschlands Handballerin des Jahres 2009 auch im Finale ihre Klasse.

Erster deutscher Profi in Montenegro

Dass sich der Wechsel ins Unbekannte, 1800 Kilometer fernab der Heimat, nicht nur sportlich gelohnt hat, daraus macht Woltering keinen Hehl: "Wenn ich etwas anderes behaupten würde, würde ich lügen."

In Montenegro ist sie Profi, als erste deutsche Spielerin überhaupt, und kann es sich von ihrem Gehalt leisten, für den elterlichen Hof im Münsterland eine Arbeitskraft anzustellen.

Ein positiver Nebeneffekt in einem handballverrückten Land, in dem die deutsche Nationaltorhüterin nach dem CL-Triumph ein noch größerer Star werden wird.

"Diese Fans, dieses Land, einfach fantastisch. Dieser Titel war für das ganze Land ein großer Sieg", erklärte Woltering.

Woltering bleibt auf dem Boden

Trotz aller Superlative bleibt sie aber auch "nach der Erfüllung ihres großen Traums" auf dem Teppich.

Ihren Urlaub verbringt Clara Woltering auf dem heimischen Hof bei ihren 250 Bullen: "Ich habe mit meinem Papa schon Pläne geschmiedet und freue mich auf die Arbeit auf dem Hof."

Bis dahin will die Torfrau aber vor allem eins: Genießen!

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