Nach 16 Jahren Profikarriere wirft Oliver Roggisch mit einem Abschiedsschiedsspiel das Handtuch © imago

Das Abschiedsspiel von Nationalmannschaft-Kapitän Oliver Roggisch wurde zur großen "Trostrunde" für die tragischen Helden des deutschen Handball-Vizemeisters Rhein-Neckar Löwen. Die Profis, die am Samstag im Kampf um den Titel gegen den THW Kiel nur um zwei Tore den Kürzeren gezogen hatten, wurden am Sonntag von 13.200 Zuschauern in der ausverkauften Mannheimer Arena frenetisch gefeiert.

In der Partie standen sich die Löwen und die Nationalmannschaft gegenüber. Das lockere Spielchen, bei dem die Regeln mehrfach gebeugt wurden (Maskottchen im Tor, unberechtigte Siebenmeter, Ex-Profis und Spielerkinder als Torschützen, usw.) gewann die deutsche Auswahl mit 39:34 (24:22). Passend zu seiner Karriere sah Roggisch in der 60 Minute die "Rote Karte". Das war der Schlusspunkt der Partie.

"Wir grüßen unsere Meister der Herzen", stand auf einem großen Plakat der Fans, die nach dem Spiel ihren Frust bei der Saison-Abschlussparty mit Freibier ertränken konnten. Schon zum Aufwärmen wurde die Mannschaft des scheidenden Trainers Gudmundur Gudmundsson, der künftig die dänische Auswahl betreuen wird, begeistert empfangen.

Der 35 Jahre alte Roggisch wird die deutsche Mannschaft in den WM-Play-offs gegen Polen im Juni noch einmal aufs Parkett führen. Aufgrund seiner vielen Verletzungen wird 202-malige Nationalspieler und Weltmeister von 2007 aber wohl nicht mehr zum Einsatz kommen. Ab der nächsten Saison wird Roggisch die Fronten wechseln - und sowohl dem DHB als auch den Löwen als eine Art Handball-Bierhoff im Teammanagement erhalten bleiben.

Roggisch wird als kompromissloser Abwehrchef auf dem Feld und charmanter Gesprächspartner außerhalb in Erinnerung bleiben. "The Rogg" ist längst zu einer der großen Marken seines Sports geworden, vertreibt eigene Fan-Artikel und hat bei Facebook eine offizielle Fanseite.

Roggisch hat in seiner 16 Jahre dauernden aktiven Karriere dreimal den EHF-Pokal (2005 mit TuSEM Essen, 2007 mit dem SC Magdeburg, 2013 mit den Löwen) gewonnen. Der nationale Titel blieb dem gebürtigen Schwarzwälder, für den als nächstes eine Nasen-Operation bevorsteht (viermal gebrochen), aber versagt.

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