Rene Toft Hansen bestritt bisher 70 Länderspiele für Dänemark © getty

Titelverteidiger THW Kiel hat im Spitzenspiel der DKB Handball-Bundesliga ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason gewann nach einer meisterlichen Vorstellung bei den Füchsen Berlin mit 33:29 (18:12) und hat nun beste Chancen auf die Herbstmeisterschaft.

"Das war insgesamt ein super Spiel von uns und ein klares Signal an die Konkurrenz", sagte Gislason, und fand trotz der Gala noch ein Haar in der Suppe: "Bei unserer Acht-Tore-Führung hätten wir besser mit unseren Chancen umgehen müssen."

Bester Torschütze der lange Zeit wie aufgedreht spielenden Zebras war der überragende Linkshänder Marko Vujin mit elf Treffern, bei den überforderten Füchsen traf Konstantin Igropulo und Bartlomiej Jaszka am häufigsten (je sechs Tore).

Beim Stand von 27:19 für die Kieler war die Partie in der ausverkauften Schmeling-Halle praktisch entschieden, erst in der Schlussphase gestaltete Berlin das Ergebnis erträglich.

Tabellenführer bleibt jedoch vorerst die SG Flensburg-Handewitt (29:5-Punkte). Der Vizemeister, der eine Partie mehr als Kiel (28:4) absolviert hat, fertigte am Sonntag Liga-Neuling ThSV Eisenach 43:24 (24:11) ab.

Erfolgreichster SG-Werfer war Nationalspieler Holger Glandorf mit neun Treffern. Mit Champions-League-Sieger HSV Hamburg und den Rhein-Neckar Löwen gewannen auch die übrigen Verfolger ihre Spiele souverän und halten Anschluss zur Spitze (beide 25:7-Punkte).

Das Topspiel der drittplazierten Berliner gegen den zweitplatzierten Kieler Serienmeister sorgte in der Hauptstadt für eine bis dato nicht gekannte Handball-Euphorie. Bereits vor Wochen war die Partie in der Max-Schmeling-Halle trotz Zusatztribüne mit 10.000 Zuschauern restlos ausverkauft.

"Für das Spiel hätten wir auch das Olympiastadion vollbekommen", sagte Füchse-Macher Bob Hanning, der seinen Vertrag als Geschäftsführer der Berliner unmittelbar vor dem Anpfiff um vier Jahre bis 2018 verlängert hatte.

Was die Zuschauer - unter ihnen auch Bundestrainer Martin Heuberger und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit - in der Anfangsphase zu sehen bekamen, war allerdings überhaupt nicht nach Hannings Geschmack. Angeführt vom überragenden Filip Jicha ließ sich der THW von der Kulisse keineswegs beeindrucken und spielte seine vielleicht beste erste Halbzeit der Saison.

Vor allem die Rückraumschützen der Gäste waren im ersten Abschnitt kaum zu stoppen. Beim 13:7 durch Jicha (22.) hatten der Tscheche, Aron Palmarsson und Marko Vujin zusammen bereits zehn Treffer auf ihrem Konto verbucht. Handball-Ikone und SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar sprach angesichts der Kieler Demonstration sogar vom "perfekten Spiel. Das ist Weltklasse in allen Bereichen. Da ist jede Mannschaft der Welt chancenlos".

Gastgeber Berlin fand kaum statt und bekam hinten wie vorne in keiner Phase Zugriff auf die Partie. Als es Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson am Anfang des zweiten Abschnitts mit einem siebten Feldspieler versuchte, traf Kiel sogar zweimal ins leere Tor.

Beim 24:15 durch THW-Keeper Andreas Palicka drohte den Hausherren zwischenzeitlich ein Debakel mit zweistelliger Differenz.

Der MT Melsungen bleibt hingegen nach dem 34:28 (16:15) gegen den TSV Hannover-Burgdorf auf Platz sechs.

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