Thorsten Storm ist seit 2007 Geschäftsführer der Rhein-Neckar LöwenZUM DURCHKLICKEN: Das irre Meisterschaftsfinale © getty

Nach dem Meister-Drama geht Löwen-Manager Storm in die Offensive. Er glaubt aber, dass die Spieler noch lange darüber nachdenken.

Von Michael Spandern

München - Die Trauer weicht dem Stolz. Zumindest beim Manager der Rhein-Neckar Löwen, zumindest mit zwei Tagen Abstand zum dramatisch verlorenen Titelrennen in der DKB-HBL.

Aber was heißt hier verloren? "Wir haben die Saison aber nicht verloren, sondern großes Kino gezeigt", stellt Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm bei SPORT1 klar.

20 Siege in Folge genügten am Ende nicht, zwei Tore fehlten gegenüber dem Abo-Meister THW Kiel, der im Schlussakt Pokalsieger Füchse Berlin mit 37:23 auseinandergenommen hatte. ( 897073 DIASHOW: Das irre Saisonfinale 2014 )

Storms Rechnung bewahrheitet sich

Storm wehrt sich gegen die Behauptung, er habe sich darüber ereifert, dass die Füchse dabei auch zwei Nachwuchsspielern Einsatzzeiten gewährten.

"Zu dem Spiel habe ich nichts gesagt, das ist auch gar nicht mein Thema", betont er. "Will man selbst etwas Großes erreichen, kann man sich auch nur auf sich selbst verlassen." (SHOP: Jetzt Handball-Artikel kaufen)

Schon vor der Partie beim VfL Gummersbach habe er den Löwen vorgerechnet, dass ein Sieg mit zehn Toren nötig sei.

Mit Wut in die Kabine

"Und das wäre auch möglich gewesen, aber wir haben nicht unsere Leistung gebracht, sondern ab und an zu sehr in den Rückspiegel geschaut", gibt er zu. "Dann wird der Arm schwerer."

Auch Rechtsaußen Patrick Groetzki, am Montagmorgen schon wieder unterwegs zum Lehrgang des Nationalteams, schaut inzwischen mehr auf die eigenen Fehler. (DKB HBL: Ergebnisse und Tabelle)

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Nach der Schlusssirene aber sei da schon eine gehörige Wut in der Löwen-Kabine gewesen: "Wir hätten uns sicher ein bisschen mehr von den Füchsen gewünscht", sagte er SPORT1.

Während Mannheims Gastgeber Gummersbach alles gegeben habe, hätten die Löwen bei Berlin "nicht den Eindruck gehabt. Aber wir wollen denen nichts unterstellen."

Gummersbach "jubelt bei jedem Tor"

Storm wundert sich dagegen mehr über den überaus motivierten Auftritt der Gummerbacher: "Das hatte ich nicht erwartet. Sie haben gespielt, als wenn es für sie selbst um den Titel gegangen wäre."

Und auch gestisch so agiert: "Es ist schon erstaunlich, dass die in der Schlussphase bei jedem Tor gejubelt haben und aufgesprungen sind." (SERVICE: Die Stenogramme des 34. Spieltages)

Kieler Meistertitel werden Gewohnheit

Storm unterstreicht aber, dass Kiel ein verdienter Meister sei - und nennt den Vorteil der "Zebras":

"Bei uns ist noch kein einziger Spieler Deutscher Meister geworden, das hat man gemerkt. Bei Kiel dagegen kennen das fast alle. Dieser Erfahrungswert hat uns gefehlt, nicht etwa das Sieger-Gen - das haben die Löwen auch."

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Gerade deshalb, weil das Titelsammeln für den THW zur Gewohnheit geworden sei, hebt Storm zum Lamento an: "Das Schlimme für uns ist: Für uns wäre es der erste Meistertitel gewesen, und er hätte dem Verein und den Fans hier Kraft für zehn Jahre gegeben."

Etat nochmals leicht gekürzt

Und er befürchtet, dass das Entreißen der Schale Spuren hinterlässt: "Wir haben einige Spieler, die viel nachdenken. Die werden daran zu knapsen haben."

Doch wirklich bange ist Storm vor der Zukunft nicht: "Wir können hier sehr stolz auf viele richtige Entscheidungen in den letzten zwei Jahren und eine großartige Entwicklung. Das ging hier alles sehr schnell. Das bleibt für mich stehen nach dieser Saison."

Trotz einer erneuten, geringen Etatkürzung und bisher nur einer namhaften Verstärkung - Stefan Kneer - werde sich die Mannschaft weiterentwickeln. Und die erste Sieben, die komplett zusammenbleibt, sei schon jetzt auf Augenhöhe mit Kiel.

Signal von Leitwolf Gensheimer

Vom neuen Coach Nikolaj Jacobsen, der den Trainer des Jahres Gudmundur Gudmundsson beerbt, verspricht sich Storm neuen Schwung. Dafür bleibt neben dem Spieler des Jahres Andy Schmid auch der Torhüter des Jahres Niklas Landin - trotz angeblicher Lockrufe des FC Barcelona.

Schon Kapitän Uwe Gensheimer hatte sich ja gegen Barca entschieden, auch wenn der Weg zu Titeln mit den Löwen härter ist.

Für Storm eine Entscheidung mit Signalwirkung, und auch eine richtige: "Klar, er ist hier der Leitwolf. Uwe hat hier nicht nur einen Topverein, und in einen solchen gehört er, sondern auch Heimat. Und die hat man nur einmal."

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