Löwen-Trainer Gudmundsson und Kreisläufer Myrhol: Zwei Tore fehlten zum Meistertitel © imago

Beinahe-Meister Mannheim ist bedient, Trainer Gudmundsson ärgert sich über Berlin. Kiel ist stolz, Gislason bremst die Party.

Kiel/Gummersbach - Nach dem irren Wettwerfen um den Titel und der spannendsten Entscheidung in der Geschichte der Handball-Bundesliga war wieder alles beim Alten.

Die Spieler des erfolgsverwöhnten THW Kiel hüpften völlig losgelöst durch die Halle, übergossen sich mit Sektduschen und starteten siegestrunken in die kurze Party-Nacht.

Gut 400 Kilometer entfernt hockten in Gummersbach die Akteure der Rhein-Neckar Löwen mit Handtüchern über dem Kopf auf dem Boden und vergossen bittere Tränen der Enttäuschung. ( 897073 DIASHOW: Das irre Saisonfinale 2014 ).

Der Traum von der ersten deutschen Meisterschaft war zerplatzt wie eine Seifenblase.

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Zwei Tore zwischen Gut und Böse

"Ich bin total leer, am Boden zerstört, traurig. Wir haben eine tolle Saison gespielt und hätten es verdient gehabt", sagte der mit 15 Toren überragende Nationalspieler Uwe Gensheimer nach dem 40:35-Erfolg der Löwen in Gummersbach - der am Ende dieser verrückten Saison einer fürchterlichen Pleite gleichkam.

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Denn nach 34 Spielen wies der punktgleiche Rekordmeister THW Kiel, der Pokalsieger Füchse Berlin beim 37:23 förmlich überrollte, die um zwei Treffer bessere Tordifferenz auf.

Die Sektkorken knallten mal wieder in Kiel, wie schon neunmal in den vergangenen zehn Jahren. (SHOP: Jetzt Handball-Artikel kaufen).

Frenetischer Empfang in Mannheim

Dennoch wurden die Löwen am Sonntag in Mannheim beim Abschiedsspiel des Nationalmannschafts-Kapitäns Oliver Roggisch frenetisch gefeiert.

13.200 Fans in der ausverkauften Arena bereiteten dem Team einen überwältigenden Empfang. "Wir grüßen unsere Meister der Herzen", stand auf einem Plakat der Anhänger.

15.000 Fans unter dem Kieler Rathausbalkon

Die Übergabe der Kopie der Meistertrophäe - das Original hatte die DKB-HBL-Spitze nach Gummersbach geschickt - war der Startschuss Party an der Förde.

"Ich kann es noch gar nicht glauben. Ich bin so stolz", sagte Führungsspieler Filip Jicha beim Empfang auf dem Rathausbalkon nach dem insgesamt 19. Meistertitel des Rekord-Champions.

Rund 15.000 Anhänger jubelten dem THW zu, der auch in einem Jahr des Umbruchs wieder die Nummer eins war.

Die meisten Profis trugen bei der Roggisch-Show bereits wieder ein Lachen im Gesicht. "Zwei Tore haben gefehlt, aber wir sind auf Augenhöhe Zweiter geworden", sagte Manager Thorsten Storm: "Diese Mannschaft ist eine Einheit."

Gislason dankt dem VfL

"Ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft, auf den Willen, wie sie gekämpft hat", sagte ein sichtlich gerührter Trainer Alfred Gislason.

Dann trat er mit Blick aufs Final Four in der Champions League in typischer Weise auf die Partybremse: "Wenn wir jetzt groß feiern, haben wir am Wochenende in Köln keine Chancen", sagte der Isländer und ordnete für den Sonntagvormittag ein Training an.

Sich selbst genehmigte er zwei Bierchen auf den Meistertitel und vergaß nicht, "einen großen Dank an Gummersbach" auszusprechen.

Bei Füchsen ist schnell die Luft raus

Der VfL hatte gegen die Löwen alles gegeben, sich immer wieder herangekämpft und am Ende nur mit fünf Toren verloren.

Die ersatzgeschwächten Berliner waren im Kieler Hexenkessel zwar bemüht, doch man merkte den Füchsen spätestens nach 20 Minuten an, dass die Luft raus war. Kiel zog immer weiter davon und hatte am Ende oft genug getroffen.

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"Das war unglaublich. Jetzt wird richtig gefeiert", sagte Ex-Nationalspieler Christian Zeitz.

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Der Trainer des Jahres schäumt

Der scheidende Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson war hingegen restlos bedient und haderte mit dem Modus. (DKB HBL: Ergebnisse und Tabelle).

"Das ist totaler Schwachsinn, dass die stärkste Liga der Welt über die Tordifferenz entschieden wird. Da muss man sich Gedanken machen", sagte der Isländer, der Dänemarks Nationaltrainer wird: "Man hat in den letzten Wochen gesehen, dass einige Mannschaften alles geben und andere nicht."

Auf seine Ehrung als "Trainer der Saison" hätte Gundmundsson gerne verzichtet. Auch Löwen-Regisseur Andy Schmid konnte sich über die Auszeichnung als bester Spieler nicht freuen. (SERVICE: Die Stenogramme des 34. Spieltages)

Storm wie im falschen Film

Allerdings mussten sich die mit sieben Toren Vorsprung ins Saisonfinale gegangenen Löwen auch an die eigene Nase fassen.

Sie spielten in Gummersbach verkrampft, die Abwehr stand schlecht. Am Ende zählte das Torverhältnis: 1114:878 (Kiel) gegenüber 1126:892 (Löwen).

"Die Cleverness und die Leichtigkeit haben gefehlt", sagte Gensheimer niedergeschlagen. Manager Storm fühlte sich wie im falschen Film: "Es ist komisch. Wir gewinnen ein Bundesligaspiel mit fünf Toren und stehen als Verlierer da."

Gemeinsame Frustbewältigung statt Meistersause hieß daher das Löwen-Motto. "Wir fühlen uns besser, wenn wir zusammen sind", sagte Patrick Groetzki.

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