Mannheim 2014 ist nicht Schalke 2001 - in mehr als einer Hinsicht. Die Folgen könnten dennoch ähnlich sein. Kiel schüchtert ein.

Eine unglaubliche Schlacht um die Meisterschaft mündete in einem noch unglaublicheren letzten Spieltag. ( 897073 DIASHOW: Das irre Saisonfinale 2014 )

Die Rhein-Neckar Löwen hatten im Wettballern mit dem THW Kiel eine Viertelstunde vor Schluss mindestens eine Hand an der Schale - und mussten diese dann doch den punktgleichen Kielern überlassen (Bericht).

Ein famos aufspielendes Team, das sich sehr viele Sympathien erkämpft, um dann doch in dramatischer Weise im Fernduell vom Abo-Meister abgefangen zu werden? das gab es doch schon mal.

2001 nämlich, als die Fußballer des FC Schalke 04 sich für vier Minuten als Meister fühlen durften, bevor der FC Bayern München das letzte Wort hatte.

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Die Schalker wurden zum Meister der Herzen erhoben. Aber halt: Der Vergleich zwischen den Vizemeistern Schalke 2001 und Mannheim 2014 hinkt in mehr als einer Hinsicht.

Die Rhein-Neckar Löwen hatten alle Trümpfe in der Hand. Und auch wenn sie durch das 40:35 beim VfL Gummersbach ihren 20. Sieg in Folge einfuhren, warfen sie den Titel durch haarsträubende Fehlpässe und unkonzentrierte Abschlüsse selbst weg.

Schalke dagegen tat vor 13 Jahren am letzten Spieltag mit einem 5:3 gegen Unterhaching das seinige, der Titel ging mangels eines Punktes nach München - und durch eine umstrittene Freistoß-Entscheidung von Markus Merk.

Die Schiedsrichter - das sei lobend erwähnt - fielen an diesem Samstag sowohl Kiel als in Gummersbach höchstens durch Souveränität auf. (SHOP: Jetzt Handball-Artikel kaufen)

Die Rhein-Neckar Löwen tun gut daran, hier nicht die Schuldigen zu suchen. Zumal sie in der Hinrunde sowohl in Magdeburg als auch in Berlin von diskutablen Ausgleichstoren in letzter Sekunde durch Patrick Groetzki profitierten.

Stattdessen wettert Mannheims scheidender Trainer Gudmundur Gudmundsson nun - da die Titel-Entscheidung gegen sein Team gefallen ist - scharf gegen den Modus der DKB HBL (News).

Ein Meister der Herzen spricht anders, aber als solcher sollten sich die Löwen ohnehin besser nicht fühlen.

Sonst drohen den Badenern Folgen wie bei den Schalkern, welche die Spielzeiten nach dem Vize-Trauma auf den Plätzen fünf, sieben und sieben abschlossen und damit die Champions League verpassten.

Es gilt nun bei den Löwen und für den neuen Trainer Nikolaj Jacobsen, sorgfältig zu schauen, welche Transfers nötig sind, um den letzten Schritt nach vorne zu machen.

Schon das Viertelfinal-Aus in der Champions League beim FC Barcelona, als die Rhein-Neckar Löwen einen Acht-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel verspielten, hat gezeigt, dass im Auge eines großen Triumphs außer Kapitän Uwe Gensheimer kaum einer seine Nerven vollends im Griff hat.

Eben diese Qualität hat den Kielern am Ende doch noch ihre 19. Meisterschaft gebracht. Und einen Mythos gefestigt: Hat der THW auch nur einen Finger an einer Trophäe, schiebt er die anderen neun nach.

Nach dem Desaster in Mannheim, wo Kiel eigentlich mit mehr als drei Toren hätte verlieren müssen, lamentierte das Team von Alfred Gislason nicht etwa oder beschwor einen Patzer des neuen Spitzenreiters Mannheim.

Nein, Patrick Wiencek kündigt bei SPORT1 an, dass Kiel 23 Tore Rückstand in den verbleibenden fünf Spielen aufholen könne.

Das gelang tatsächlich - in nachhaltig einschüchternder Weise: Der THW deklassierte den Tabellenneunten TBV Lemgo mit 22 Toren, besiegte den Champions-League-Halbfinalisten SG Flensburg-Handewitt trotz einer Verletzung von Leitfigur Filip Jicha mit acht Toren und blamierte zum Abschluss den Pokalsieger Füchse Berlin 37:23. (DKB HBL: Ergebnisse und Tabelle)

Und da einige im Meisterkader - sei es Kreisläufer Wiencek, Spielmacher Aron Palmarsson oder Trainingsweltmeister Wael Jallouz - ihren Zenit noch vor sich haben und der Welthandballer Domagoj Duvnjak zum THW kommt, kann der Konkurrenz durchaus angst und bange werden.

Die fetten Kieler Jahre sind noch lange nicht vorbei.

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