Die Trainer des THW Kiel und der Rhein-Neckar Löwen: Alfred Gislason (l.) und Gudmundur Gudmundsson © getty

Gislason und Gudmundsson: Zwei alte Zimmerkollegen kämpfen in der Schlacht um die Handball-Krone. Bei SPORT1 sprechen beide.

Von Piet Krebs

München - Sie kennen sich seit Jahrzehnten. Sie sind auf der gleichen Vulkan-Insel aufgewachsen. Sie haben auf Reisen viele Jahre brüderlich das Hotelzimmer geteilt.

Aber dieses Wochenende wünschen sie sich gegenseitig nur das denkbar Schlechteste: die Vize-Meisterschaft.

Die Schlacht um die Handball-Krone geht in die letzte Runde. Und zwei Trainer aus Island tüfteln seit Tagen an der richtigen Taktik, um am Samstag gegen 17.40 Uhr die erträumte Meisterschaft zu erreichen.

Das Fernduell zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen - es ist das Duell zwischen Alfred Gislason und Gudmundur Gudmundsson.

Tor-Differenz entscheidet

Nach der erfolgreichen Tor-Jagd der vergangenen Wochen zweifelt kein Experte ernsthaft an einem Auswärtssieg der Löwen beim VfL Gummersbach.

Und auch nicht an einem Heimsieg der "Zebras" gegen die Füchse Berlin (beide Spiele ab 15.45 Uhr im Einzel-LIVESTREAM und im LIVE-TICKER und ab 16 Uhr LIVE als Konferenz im TV auf SPORT1).

Die Tor-Differenz wird entscheiden - und da haben die Jungs von Coach Gudmundsson sieben Treffer Vorsprung. Noch. (DKB HBL: Ergebnisse und Tabelle)

"Ganz Island vor dem Fernseher"

"Wer am Ende auf Platz 1 steht, ist verdienter Meister", bilanziert der ehemalige halblinke Weltklassespieler Gislason im Gespräch mit SPORT1.

Seine Vita als Trainer spricht schon dafür, dass er diesen Platz an der Sonne nicht freiwillig jemand anders überlassen will.

Auch nicht einem Landsmann.

Titel en masse

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Seine Lebensmotto lässt keine Zweifel an seinem aktuellen Ziel: "Gewinnen macht immer mehr Spaß als gratulieren! Und am Samstag wird uns wieder ganz Island vor dem Fernseher zuschauen. Da kann ich keine Rücksicht auf meinen Ex-Zimmerkollegen nehmen."

Gudmundsson lobt Gislason

Der um wenige Monate jüngere Löwen-Coach Gudmundsson (53) spricht voller Respekt von seinem Ex-Mitspieler.

"Alfred war schon in jungen Jahren hochprofessionell und die Zuverlässigkeit in Person. Seine Profi-Jahre in Deutschland und Spanien haben ihn geprägt", sagt er zu SPORT1: "Aber in unserer Handball-Philosophie ähneln wir uns. Kein Wunder, wir hatten ja die gleichen Trainer."

Olympia-Silber in Peking

Der ehemalige Linksaußen "Gummi" entschied sich schon mit 28 Jahren für die Laufbahn als Trainer.

Eine gute Entscheidung: Nach ersten Erfahrungen als Vereinstrainer gewann Island unter seiner Führung die Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking.

85 Prozent aller Isländer drückten damals vor den Fernsehern die Daumen. Nicht erst seit diesem Sensations-Erfolg ist er ein gefragter Mann im Ausland.

Sportdirektor bei AG Kopenhagen, Sportlicher Leiter und Trainer bei den Löwen - und ab Juli 2014 übernimmt er die dänische Nationalmannschaft.

HIER DAS FINALE DURCHRECHNEN:

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Als Meister-Trainer nach Dänemark?

Der Meister-Titel mit den Löwen - es wäre der erste für die Badener - soll sein tränenreiches Abschiedsgeschenk werden: "Wir sind in den letzten zwei Jahren als Mannschaft gereift. Wir spielen mit Herz und Leidenschaft. Und wir kämpfen in jedem Spiel bis zum Abpfiff. Diese Mannschaft hat den Titel verdient!"

Auch der studierte Historiker Gislason attestiert den Mannheimer Löwen eine bemerkenswerte Saison. Und seinem Kontrahenten ein erstklassiges Arbeitszeugnis: "Gudmundur ist ein unglaublich gewissenhafter Arbeiter und extrem diszipliniert! Seine Erfolge sprechen für sich."

"Vertragen mehr Alkohol"

Gleiche Herkunft, gleiche Mentalität, gleiche Wünsche.

Aber bei allen Parallelen bestehen beide Isländer dann doch - augenzwinkernd - auf einen wesentlichen Unterschied in ihrer Vita.

THW-Coach Gislason stammt aus der zweitgrößten Stadt Akureyri und ist stolzer Nord-Isländer: "Wir können viel mehr Alkohol vertragen als die aus dem Süden!"

"Alles Besserwisser"

Löwen-Trainer Gudmundsson ist in der südlichen Hauptstadt Reykjavik daheim und kennt selbstverständlich auch die Schwächen seiner Nachbarn: "Die Jungs aus dem Norden sind alles Besserwisser!"

Die Uhr tickt. Der Countdown für den Kampf um die Meister-Krone läuft.

Und erst am Samstag wird geklärt sein, ob die Meisterschale 2014 in den Norden oder in den Süden geht.

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