Viktor Szilyagi spielte von 2005 bis 2008 für den THW Kiel © imago

Viktor Szilagyi drückt dem THW Kiel im Titelkampf die Daumen. In Berlin will er mit dem Bergischen HC den Klassenerhalt klarmachen.

Von Adrian Geiler

München - Das Herzschlagfinale im Titelkampf der DKB HBL rückt näher. Nur sieben Tore Vorsprung haben die Rhein-Neckar Löwen auf den Titelverteidiger THW Kiel.

Einer, der drei Jahre das schwarz-weiße Trikot des Verfolgers getragen hat, ist Viktor Szilagyi. Der 35-jährige Österreicher ist bei den Fans immer noch sehr beliebt ? und drückt dem Rekordmeister fest die Daumen.

Im SPORT1-Interview spricht Szilagyi über die verrückte Saison seines Bergischen HCs, der in Berlin den Klassenerhalt perfekt machen kann (ab 19 Uhr LIVESCORES) ? und über seine Zukunft. (SERVICE: Der HBL-Tabellenrechner)

SPORT1: Herr Szilagyi, morgen kann der Aufsteiger eine verrückte Saison krönen. Holt man in Berlin einen Zähler, ist der Klassenerhalt perfekt. Wie schaffen Sie das?

Viktor Szilagyi: Indem wir den einen Punkt holen. Egal, ob das in Berlin ist oder am letzten Spieltag gegen TuS N-Lübbecke. Natürlich ist es so, dass bei den Füchsen eines der schwierigsten Auswärtsspiele der ganzen Saison ist. Wie die Partie ausgeht, liegt nicht nur an uns, sondern auch an Berlin. Wir werden alles reinhauen. Und wenn wir die Möglichkeit haben, einen Punkt mitzunehmen, werden wir zuschlagen.

SPORT1: Nach dem sehr guten Saisonstart gab es in sieben Monaten nur einen einzigen Sieg. Gab es nie Zweifel an Ihnen, am Team, am Trainer Sebastian Hinze?

Szilagyi: Zweifel gab es eigentlich intern nie, die wurden eher von außen reingetragen. Wir haben als Team immer an unseren Weg geglaubt und uns nicht verunsichern lassen. Über die Jahre hat man gelernt, alles richtig einzuschätzen. Genauso überraschend positiv, wie der Saisonstart verlaufen ist, so überraschend war diese negative Phase, die wir uns im Nachhinein aber erlauben konnten aufgrund des Superstarts. Es kamen dann einige Spiele, in denen Punkte leichtfertig und unglücklich hergeschenkt wurden. Daraus müssen wir lernen. Wir haben nicht die übererfahrene Truppe.

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SPORT1: Durch den Lizenzentzug des HSV Hamburg ist der BHC wohl ohnehin gerettet. Wie hat der Verein darauf eigentlich reagiert?

Szilagyi: Eigentlich gar nicht. Wir sind im Vorteil, auf uns schauen zu können. Sollte jetzt wirklich der Worst-Case eintreffen, dann wird das so sein. Das können wir nicht beeinflussen. Außerdem ist es sehr vage, wann diese Entscheidung fallen wird. Nicht nur wir, sondern auch Balingen ist gut beraten, nur auf sich zu schauen. Das ist gar nicht in den Köpfen drin. Wir wollen uns definitiv sportlich retten.

SPORT1: Sie spielen seit nunmehr 14 Jahren in Deutschland. Was würde ein HSV-Aus für den Handball hierzulande bedeuten?

Szilagyi: Ich habe mit einigen HSV-Spielern bereits zusammengespielt. Das ist eine schlimme Situation, in der sich die befinden. Ein fantastischer Verein würde verschwinden, die haben immerhin letztes Jahr die Champions League gewonnen. Spiele gegen Hamburg sind Highlights, nicht nur für die jungen Spieler, auch für mich. Abgesehen von der Außendarstellung für den Handball und die DKB HBL wäre ein Lizenzentzug ein Fiasko.

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SPORT1: Was glauben Sie, wer am Ende im Titelkampf die Nase vorne hat?

Szilagyi: Ganz schwer zu sagen. Rein von der Papierform und der Ausgangsposition her: Die Rhein-Neckar Löwen haben die besseren Aussichten. Sie haben einen Vorsprung und das wahrscheinlich leichtere Spiel gegen Gummersbach - auch wenn es auswärts ist. Aber beim THW hat man schon häufig gesehen, wie die zu Hause aufdrehen können. Ich glaube, dass es sehr, sehr spannend wird. Es ist auch total positiv für die Liga. In den letzten Jahren war die Spannung an den letzten Spieltagen an der Tabellenspitze nicht so groß.

SPORT1: Drei Jahre waren sie selber ein Zebra. Stecken da noch viele Emotionen in Ihnen?

Szilagyi: Natürlich, wenn man sich drei Jahre mit der Stadt und dem Verein identifiziert und zu hundert Prozent alles gibt, dann kann man das nicht einfach durch einen Vereinswechsel und einen Umzug wegwaschen. Ich hatte eine sehr schöne Zeit und heute noch viele Freunde. Ich werde immer irgendwie mit dem THW Kiel verbunden sein und drücke in dieser Hinsicht ihnen die Daumen. Ich habe da viel mehr Sympathien dem THW gegenüber als für die Rhein-Neckar Löwen. (DATENCENTER: DKB HBL).

SPORT1: Nach der perfekten Saison 2011/12 wird man bei Kiel das Gefühl nicht los, dass die fetten Jahre langsam vorbei sind. Stimmen Sie dem zu?

Szilagyi: Ja, aber das liegt ja nicht nur am THW, sondern auch an den anderen Mannschaften. Die Löwen haben aufgeholt. Aus den finanziellen Abspeckungen hat man die richtigen Schlüsse gezogen und irrsinnig was gut gemacht. In Deutschland haben sie auch sehr viele Sympathien gewonnen. Dazu kommen viele ausländische Vereine, die mit Finanzkraft Spieler von Kiel abgeworben haben, ob das französische Klubs oder die Ungarn aus Veszprem waren. Da fällt es dem THW Kiel eher schwer, Weltklassespieler zu holen und zu halten. Das führt dazu, dass sich nicht nur alles innerhalb von Deutschland, sondern auch in Europa zusammen geschoben hat.

SPORT1: Wie sieht Ihre Karriereplanung eigentlich aus?

Szilagyi: In meinem Alter denkt man von Jahr zu Jahr. Ich fühle mich fit und habe viel Freude an allem. Es macht einfach Spaß. Und deswegen habe ich mich zu Saisonbeginn entschlossen, den Vertrag zu verlängern.

SPORT1: Können Sie sich einen Job als Trainer vorstellen?

Szilagyi: Nein. In meinem Kopf ist das weit weg. Das ist ein sehr, sehr kurzfristiges Geschäft. Und aktuell beschäftige ich mich mit dem, was ich hier beim Bergischen HC mache. Wenn es soweit ist, werde ich mir die entsprechenden Gedanken machen. Ich lasse das auf mich zukommen. Ich kann mir kein Leben ohne den Handball vorstellen.

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