Nur Andreas Rudolph kann den HSV Hamburg noch retten. Gut gehen kann die Rückkehr aber nur, wenn Klub und Ex-Präsident sich ändern.

Liquiditätsprobleme? Persönliche Animositäten? Oder einfach keine Lust mehr?

Den wahren Beweggrund für den Rückzug von Andreas Rudolph kennt der einstige Präsident und Geldgeber des HSV Hamburg wohl nur selbst.

Eine Geschichte geht so: Über Ostern hatte Rudolph die HSV-Handballer wieder nach Mallorca eingeladen. Das war so etwas wie ein liebgewonnenes Ritual. Ein Hofhalten des Patrons auf seiner Balearen-Finca.

Nur: Diesmal kam niemand.

[image id="e8f6349f-63ac-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Ob sich Rudolph persönlich beleidigt gefühlt hat wie ein schmollendes Kind nach Liebesentzug, ist Spekulation.

Harter und bitterer Fakt für den HSV ist: Seitdem hat er seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Der Champions-League-Sieger sitzt auf seinen gut 2,5 Millionen Euro Schulden, die Lizenz für die kommende Saison wurde am Donnerstag verweigert.

Bewusst hat Rudolph den Karren gegen die Wand gesetzt. Seine Forderung soll lauten: Bei einem Verzicht der Spieler auf ihre April-Gehälter steigt er wieder ein. Eine Retourkutsche wegen der Sache an Ostern?

Was den Handball betrifft, ist Rudolph so etwas wie der König von Hamburg. Zumindest sieht er sich selbst so.

2005 stieg er beim HSV ein mit der Parole, der FC Bayern des Handballs werden zu wollen.

Dank horrender Gehälter kamen große Spieler, und mit ihnen auch die Erfolge. 2006 und 2010 gewann der HSV den nationalen Pokal, 2011 die Deutsche Meisterschaft. Im Vorjahr triumphierten sie in der Champions League.

Wie das Vorbild FC Bayern eben.

Doch es gibt einen gravierenden Unterschied. Die Hamburger haben es verpasst, Strukturen zu schaffen, die den sportlichen Erfolg untermauern. Ein gesundes wirtschaftliches Fundament eben.

Das ist die Crux mit einem Mäzen.

Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen.

Und, das ist das Verrückte oder Traurige: Wohl nur Rudolph kann es - als gefeierter Retter - in den nächsten Tagen wieder herausziehen.

Einige Spieler kamen ja dann doch nach Mallorca geflogen. Als Bittsteller diesmal.

Ohne seine Millionen ist der HSV zum Zwangsabstieg verdammt und dürfte über Jahre von der Handball-Weltkarte verschwunden sein.

Und mit Rudolph? Kann das überhaupt noch gut gehen?

Nur wenn beide aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Der Klub, der sich breiter aufstellen muss. Und der Geldgeber, der andere Götter neben sich dulden muss.

Weiterlesen