Bleibt der HSV in der Bundesliga oder nicht? Für einige Konkurrenten hat die Entscheidung Auswirkungen © SPORT1

Das Hin und Her um die Lizenz des HSV sorgt für allgemeine Verunsicherung. Es ist die Rede von Wettbewerbsverzerrung und zweierlei Maß.

Von Patrick Mayer

München/Hamburg - Das drohende Aus des Champions-League-Siegers HSV Hamburg (News) hält die DKB-HBL auf Trab.

Nachdem die Handball-Bundesliga den Hanseaten im ersten Anlauf als einzigem der 18 Klubs die Lizenz für die kommende Saison verweigert hat, legte der Meister von 2011 Beschwerde ein (BERICHT: HSV gibt nach Lizenz-Aus nicht auf).

Die Sprache wird deutlicher. Das Hin und Her in Bezug auf die Zukunft des HSV trifft die Konkurrenz in ihren Planungen teils erheblich. Bernd Karrer, Geschäftsführer des HBW Balingen-Weilstetten, spricht bei SPORT1 von Wettbewerbsverzerrung und zweierlei Maß.

Das Unverständnis für die wirtschaftliche Schieflage des HSV, der diesen Samstag beim TBV Lemgo antritt (ab 19 Uhr LIVESCORES), wächst. Abstiegskampf, EHF-Cup, Königsklasse - das Ringen der Hamburger um die Ligazugehörigkeit sorgt für unklare Verhältnisse in Handball-Deutschland.

Kampf um Königsklasse

Zum Beispiel in Schleswig-Holstein. Dort sitzt die SG Flensburg-Handewitt. Und die ist Tabellen-Dritter.

Flensburg liegt einen Punkt und einen Rang vor dem HSV (DATENCENTER: DKB HBL). Zwischen beiden Klubs geht es um die Königsklasse, jenen Wettbewerb, den der HSV 2013 im Final Four völlig überraschend für sich entschied.

Die Rhein-Neckar Löwen und der THW Kiel werden sich direkt qualifizieren. Egal, wer am Ende Meister wird.

Flensburg hat den Vorteil

Wie der Europäische Handball-Verband (EHF) auf SPORT1-Nachfrage erklärte, besteht für den Drittplatzierten immerhin die Möglichkeit, einen Antrag für einen zusätzlichen Platz einzureichen.

Das Exekutivkomitee wird auf seiner Sitzung am 20. Juni im kroatischen Umag über die Plätze entscheiden. Sollte der HSV die Flensburger im Saisonendspurt einholen, wüssten diese zum Saisonende nicht, ob sie sich mit der Qualifikation auseinandersetzen dürfen oder nicht.

Mit zwei Siegen gegen Balingen (So., 14.55 Uhr im LIVESTREAM) und beim Absteiger ThSV Eisenach kann die SG aber für klare Verhältnisse sorgen - für sich selbst.

Ohne Lizenz nichts los!

Denn Hamburg würde dann im EHF-Cup starten. Eigentlich. Auch hier heißt es: Ohne Lizenz nichts los! Das hat Folgen - aller Voraussicht nach in Hessen. Die MT Melsungen würde als Sechster nachrücken. Ein Szenario, das dort nicht für Nervosität sorgt.

"Wir wären davon betroffen, wobei uns das nicht vollkommen überraschend trifft. Wir haben uns mit dem Thema intern schon beschäftigt, weil die Möglichkeit besteht, dass die Füchse Berlin den EHF-Cup gewinnen", sagt MT-Manager Axel Geerken im Gespräch mit SPORT1.

In der Tat: Gewänne Berlin das heimische Final-Four, würde bei einem Aus des HSV richtig durchgemischt werden.

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EHF beobachtet HSV

Plötzlich könnte der SC Magdeburg auf Europas Bühne stehen. Klingt kompliziert. Ist es auch. In diesen Tagen bleibt vieles im Unklaren.

Zum Beispiel, ob die EHF Hamburg mit Sanktionen belegen würde, insofern die Bundesliga die Lizenz doch erteilt.

Auf Nachfrage von SPORT1 hieß es in einer offiziellen Stellungnahme, dass der Verband die Situation verfolgen und sich dazu äußern werde, wenn es etwas zu äußern gebe. Vielsagend nichtssagend. Eine zögerliche Haltung, die nach Meinung von Kritikern keine Ausnahme ist.

Balingen hat kein Mitleid

Bernd Karrer, Geschäftsführer des HBW Balingen-Weilstetten, kritisiert den HSV im Gespräch mit SPORT1 scharf.

Er wirft den Hanseaten vor, den Wettbewerb zu verzerren. Zudem moniert er eine ungleiche Behandlung der Klubs durch die Verantwortlichen des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und der Bundesliga.

"Wir hängen von einem Verein ab, der völlig über seinen Verhältnissen lebt und sicher nicht vernünftig wirtschaftet, denn sonst gäbe es solche Probleme nicht", meint der 53-Jährige.

In Verhandlungen mit potentiellen Neuzugängen und Sponsoren sei der HBW, der aktuell auf dem ersten Abstiegsplatz steht, erheblich eingeschränkt, weil die Planungssicherheit im Falle eines Abstieges fehle, schildert Karrer.

Karrer spricht von Wettbewerbsverzerrung

Derzeit haben die Schwaben auf Rang 16 zwei Punkte Rückstand auf den Bergischen HC. Droht beiden doch nicht der Abstieg? Sie wissen es nicht. "Es kann immer noch ein Schiedsgericht angerufen werden. Das kann sich bis Mitte Juni hinauszögern", erzählt Karrer.

Er hat eine klare Meinung: Jemand, der den Spielbetrieb in der Liga nicht finanzieren könne, habe in dieser auch nichts verloren, sagt er: "Egal, wie er heißt."

"Dieser aufgeblähte Kader, diese vielen Spieler. Ich bin durchaus der Meinung, dass man da von Wettbewerbsverzerrung sprechen kann", meint er, "wenn ein Verein sich einen Kader hält, den er sich eigentlich nicht leisten kann."

Seine Reaktion zeigt: Von Schleswig-Holstein bis ins Schwabenland - das drohende Aus des HSV sorgt überall in Handball-Deutschland für Kopfzerbrechen.

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