Johannes Bitter fällt wegen einer Oberschenkelverletzung länger aus
Nationaltorhüter Johannes Bitter spielt seit 2007 beim HSV © imago

Dem HSV Hamburg wird die Lizenz verwehrt. Der angeschlagene Champions-League-Sieger kündigt Beschwerde an und will kämpfen.

Hamburg - Um 12.07 Uhr gab es Gewissheit. Der finanziell schwer angeschlagene Champions-League-Sieger HSV Hamburg erhält für die kommende Saison in der Handball-Bundesliga DKB HBL keine Lizenz. 347 Tage nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte.

Dies gab die Handball-Bundesliga (HBL) am Donnerstag bekannt und begründete die Verweigerung der Spielgenehmigung damit, dass der Klub seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht nachweisen konnte.

Der HSV will aber weiter kämpfen. "Wir werden Beschwerde einlegen und umgehend innerhalb der von der HBL gesetzten Frist handeln. Wir sind nach wie vor in Gesprächen und geben nicht auf", erklärte HSV-Geschäftsführer Holger Liekefett. Für eine endgültige Verbesserung der Unterlagen sei dem HSV die Zeit davon gelaufen.

Nur "belastbare Unterlagen" helfen

Gegen den Beschluss der unabhängigen Lizenzierungskommission kann der HSV innerhalb einer Woche Beschwerde einlegen.

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"Der HSV ist ein Klub mit unheimlicher Strahlkraft und ein wichtiges Mitglied der Bundesliga. Aber am Ende des Tages sind die Regeln für alle gleich", sagte HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser.

Die Liga stehe zwar in ständigem Kontakt zur Klubspitze der Hamburger. "Doch Gespräche helfen nicht, nur belastbare Unterlagen. Der Verein muss nachweisen, dass er den letzten Spieltag der kommenden Saison sportlich und wirtschaftlich erreichen kann", sagte der für die Lizenzen zuständige Chef-Funktionär. Zurzeit fehle der Liquiditätsnachweis sowohl für das Ende der aktuellen Spielzeit als auch für die kommende Serie.

Rudolph Rettung nicht ausgeschlossen

SPORT1-Moderatorin Anett Sattler erklärt zur Lage in Hamburg bei SPORT1.fm: "Andreas Rudolph ist jemand, der den HSV abgöttisch liebt. Er hat den HSV immer als sein Baby bezeichnet. Er hat es unheimlich genossen, mit den Spieler zusammen zu sein und gemeinsam mit ihnen zu feiern. Dieses Konstrukt hat Risse bekommen in den letzten Monaten."

Sattler glaubt aber durchaus noch an eine Rettung aus der verfahrenen Situation: "Es gibt Hinweise, dass ein Rücktritt vom Rücktritt nicht ausgeschlossen ist. Nach MDR-Informationen gab es ein Geheimtreffen am Flughafen zwischen Geschäftsführer Holger Liekefett, Kapitän Pascal Hens und Rudolph. Dort wurden Gespräche geführt. Rudolph soll gesagt haben: Wenn die Spieler bereits sind, auf ein Monatsgehalt zu verzichten, dann stehe ich wieder zur Verfügung und unterstütze den HSV."

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Ausverkauf droht

"Wir versuchen, uns jetzt voll auf das Sportliche zu konzentrieren, und werden die Saison mit aller Kraft, die noch da ist, zu Ende spielen. Alles andere liegt nicht in unserer Hand", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb.

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Von Hoffnung allein könne man jedoch nicht leben. Der Coach und seine Spieler warten noch immer auf ihre April-Gehälter.

Es droht der Ausverkauf. So werden zum Beidpsiel Nationaltorhüter Johannes Bitter und der Spanier Joan Canellas mit dem THW Kiel in Verbindung gebracht.

DHB-Boss Bauer hofft

Sollten die Hamburger den Weg durch alle Instanzen gehen, würde eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Klubs spätestens bis zum 15. Juni fallen.

Zunächst muss allerdings der schriftliche Einspruch an das HBL-Präsidium erfolgen. Sollte auch das höchste Verbandsgremium die Lizenz verweigern, bliebe dem Meister von 2011 noch der Gang vor das Schiedsgericht.

"Es wäre schade, wenn der Klub aus dem Handball verschwinden sollte", sagte Präsident Bernhard Bauer vom Deutschen Handballbund (DHB): "Hamburg hat sportlich immer wieder gezeigt, dass man ein Aushängeschild ist, ein wichtiger Standort, ein wichtiger sportlicher Faktor in der Liga. Deshalb hoffe ich ja auch, dass die Wege geebnet werden können, damit Hamburg uns weiterhin als Spielort erhalten bleibt."

Auch die Liga reagierte geschockt. "Wenn es dabei bleibt, tut es mir für Mannschaft und Fans des HSV leid", sagte Manager Thorsten Storm von den Rhein-Neckar Löwen: "Der HSV ist ein wichtiger Klub in Deutschland. Wir hoffen, dass sie noch die Kurve hinbekommen."

Dem HSV fehlen allein im aktuellen Etat rund 2,7 Millionen Euro, die bis zum 30. Juni aufgetrieben werden müssen. Nach dem Rücktritt von Präsident und Mäzen Andreas Rudolph hofft nun ganz Hamburg, dass der Medizintechnik-Unternehmer einen Rückzieher macht und dem Verein mit seinen Millionen noch mal aus der Patsche hilft. Rudolph hatte in den letzten zehn Jahren bereits rund 25 Millionen Euro seines Privatvermögens in den Klub gepumpt.

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