Holger Glandorf spielt seit 2011 für die SG Flensburg-Handewitt © getty

Nationalspieler Holger Glandorf spricht bei SPORT1 über verschenkte Tage, Derby-Siege und Mittel, um den THW Kiel zu schlagen.

Von Adrian Geiler

München/Flensburg - Meister? Daran glauben sie bei der SG Flensburg-Handewitt drei Spieltage vor Saisonende in der DKB HBL nicht mehr.

Drei Punkte beträgt der Rückstand auf die Rhein-Neckar Löwen und Spitzenreiter THW Kiel (DATENCENTER: DKB HBL).

Zweimal schlug Flensburg den Rekordmeister in dieser Saison bereits im Nord-Knaller - im Supercup und im Liga-Hinspiel. Nationalspieler Holger Glandorf war jeweils mit dabei.

Der 31-Jährige spielt eine starke Saison, nachdem er seine hartnäckige Verletzung an der Achillessehne auskuriert hat, die ihn beinahe seine Karriere gekostet hätte. Er kann mit seiner SG den Kielern an diesem Sonntag (ab 15.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im STREAM) im irren Meister-Endspurt (SERVICE: Der HBL-Tabellenrechner) ein Bein stellen.

Vor dem Nord-Derby spricht Glandorf bei SPORT1 über den Titelkampf, verschenkte Tage und Mittel, um den THW Kiel zu schlagen.

SPORT1: Herr Glandorf, eigentlich müsste ihnen ja Angst und Bange sein vor dem nächsten Spiel?

Holger Glandorf: Warum denn?

SPORT1: Sie spielen gegen den THW Kiel, der Lemgo mit 22 Toren Unterschied besiegt hat?

Glandorf: Ja, aber deswegen ist uns nicht Angst und Bange. Das ist ein ganz neues Spiel. Klar ist Kiel zurzeit gut drauf, aber das Ergebnis vom letzten Spiel ist uninteressant.

SPORT1: Sie haben selbst zwei Jahre für Lemgo gespielt. Können Sie sich so eine Klatsche zu Hause erklären? Mancher sprach schon von Wettbewerbsverzerrung im Meisterkampf.

Glandorf: So etwas macht keiner absichtlich. Wenn man die Statements der Spieler nach dem Spiel gesehen hat, dann merkt man auch, dass sie es sich selber nicht erklären können. Ich glaube, dass sie in den letzten Partien absolut Vollgas geben werden, um dieses Ergebnis wieder aus den Köpfen zu bekommen. Manchmal gibt es so Tage, da kann man machen, was man will, da klappt einfach gar nichts.

SPORT1: Dennoch: Wie wollen Sie diesen Kielern die Stirn bieten?

Glandorf: Das Hinspiel haben wir ja auch gewonnen, insofern verfügen wir schon über Mittel, um gegen Kiel zu bestehen. Wir wollen natürlich aus einer guten Abwehr mit guten Torhütern unsere Gegenstöße laufen - eigentlich unser bekanntes Spiel. Also, Handball brauchen wir alle nicht neu erfinden. Ich denke, es wird ein offener Schlagabtausch, und die Fans können sich auf ein schönes Spiel freuen.

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SPORT1: Mit einem Sieg würden Sie vielleicht sogar noch einmal an der Meisterschaft schnuppern. Ist das ein Thema in Flensburg?

Glandorf: Nein, wenn man sich das Restprogramm der beiden Mannschaften anschaut, wird es sich eines der beiden Teams nicht nehmen lassen, Deutscher Meister zu werden. Wir schauen sowieso die ganze Saison nur auf uns, und uns ist wichtig, nächstes Jahr wieder Champions League zu spielen. Aber: Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen, und es ist umso schöner, ein Derby zu gewinnen.

SPORT1: Auch, wenn man beim Erzrivalen der Spielverderber wäre?

Glandorf: Das ist mir eigentlich egal. Wer Deutscher Meister wird, ist für mich nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir unsere Ziele erreichen.

SPORT1: Ein Ziel war das Final Four der Champions League. Bei diesem geht es Ende Mai gegen den FC Barcelona. Ist das schon in den Köpfen drin?

Glandorf: Rein sportlich geht es momentan nur um die Bundesliga. Aber für uns ist es natürlich schon ein besonderes Thema, weil wir beim Final Four noch nie dabei waren - daraus sollten wir Motivation für den Bundesliga-Endspurt ziehen.

SPORT1: Zwei Wochen danach geht es mit der Nationalmannschaft in den WM-Playoffs gegen Polen. SPORT1-Kolumnist Stefan Kretzschmar sagt: "Es ist die wichtigste Situation, in der der Verband steckt".

Glandorf: Ja, natürlich hängt da viel dran. Zum einen die Weltmeisterschaft, und da wollen wir natürlich alle hin. Es ist wichtig, dass Deutschland bei so einem Turnier vertreten ist. Ob es das wichtigste Spiel aller Zeiten ist, weiß ich nicht. Aber es ist natürlich absolut wichtig, dass da alle 100 Prozent geben und wir die Spiele gewinnen.

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