SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar hält nichts von einem Entscheidungsspiel um den Titel und würde sich über Playoffs freuen.

Hallo Handball-Fans,

es passiert wohl nur alle hundert Jahre, dass eine Meisterschaft durch ein Torverhältnis entschieden wird.

Die Regularien sind klar - bei Gleichstand zwischen den Rhein-Neckar Löwen und dem THW Kiel entscheiden Entscheidungsspiele (BERICHT: Siebenmeter-Werfen um den Titel?).

Kein Mensch weiß aber, wann die bei dem engen Terminplan stattfinden sollen. Ich will darüber gar nicht nachdenken.

Die Nationalmannschaft hat ein paar Wochen später ein Qualifikationsspiel.

Das Champions League-Final Four findet am Wochenende danach statt.

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Äußerst skurril, dass die Meisterschaft dann durch so einen Wahnsinn entschieden werden könnte.

Das wäre spannend, sicherlich auch ein Zuschauermagnet - aber ich glaube, die Spieler haben die Schnauze endgültig voll und der Akku ist langsam leer.

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Ich bin ehrlich gesagt ein Befürworter und ein Fan des Playoff-Systems.

Das würde erst einmal mehr Spiele bedeuten und man müsste sich angucken, wie man dann die Spielpläne gestaltet.

Aber: Wenn ich das jetzt im Basketball oder im Eishockey anschaue - das ist schon etwas ziemlich Geiles.

Ich glaube trotz des Lemgo-Wahnsinns, dass die Rhein-Neckar Löwen noch Chancen auf den Titel haben. Sie haben ein Programm, bei dem man was für das Torverhältnis tun könnte (DATENCENTER: Die DKB HBL).

Die Kieler haben noch Flensburg am Wochenende. Ohne Jicha, bei dem dünnen Kader - den muss man erst einmal ersetzen. Dann kommen noch die Füchse in den hohen Norden. Das sind starke Gegner für den THW.

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Es ist also durchaus möglich, dass das Team von Trainer Gudmundsson das nochmal drehen kann. Die Wut der Löwen ist für mich komplett verständlich.

Es ist die entscheidende Phase der Saison, und die Kieler feiern in Lemgo den höchsten Auswärtssieg in der Geschichte der Handball-Bundesliga - und das ausgerechnet, wenn es um jedes Tor geht.

Der TBV Lemgo muss sich fragen: Wo ist die Kampfkraft, der Kampfgeist? Vor großem Publikum, bei SPORT1 übertragen und sich dann so zu präsentieren...

Und: Mit welcher Notwendigkeit geht man über 60 Minuten so ein riesen Tempo gegen Kiel und lädt sie im Prinzip zu einem Gegenstoß und einem Tor nach dem anderen ein. Wenn man merkt, dass es nicht funktioniert, muss man doch überlegen, ob die Taktik und die Ausrichtung so richtig war (BERICHT).

Andererseits muss man auch die Leistung vom THW respektieren. Die haben innerhalb von zwei Spieltagen 30 Tore gutgemacht.

Die sind natürlich auf den Punkt motiviert und scheinen sich gefangen und gesteigert zu haben. Diese Ergebnisse erzielt man ja nicht nebenbei.

Es gibt halt Tage, da geht alles. Und es gibt Tage, da geht gar nichts.

Wir haben mit Magdeburg in Kiel auch mal ganz hoch verloren. Du willst dann einfach nur, dass dieses Spiel endlich vorbei ist.

Im aktuellen Fall ist es eben sehr schade, dass es mitten im Titelrennen passiert. Und das Lemgo sich so abschlachten lässt, war absolut nicht zu erwarten.

Natürlich gucken die Rhein-Neckar Löwen jetzt genau hin, was Lemgo macht - ein paar Stunden später haben sie ja gegen den HSV gespielt und gewonnen.

Die Enttäuschung über den TBV ist also komplett verständlich, schließlich hat Lemgo bislang keine schlechte Saison gespielt.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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