Am TBV bleibt nach der Rekord-Heimpleite gegen Kiel, die das Titelrennen wendet, etwas haften. 46 Gegentore sind unwürdig.

Zweimaliger Meister. TBV Deutschland. Das war einmal. Vor rund zehn Jahren.

Die Ostwestfalen müssen den Gürtel seit diesen Zeiten enger schnallen.

Doch in Lemgo herrschte Zufriedenheit, dass Kapitän Florian Kehrmann und seine deutlich jüngeren Mitspieler fern aller Abstiegssorgen eine ruhige Saison spielen.

Bis zum Sonntagnachmittag. Da kehrte der TBV zurück in die Schlagzeilen.

Weil er mit einem "rabenschwarzen Tag", wie die Vereins-Homepage das 24:46 gegen Kiel einordnete, das Titelrennen zugunsten des Abo-Meisters THW wendete.

Nun hat jedes Team mal einen schlechten Tag, zumal wenn es als Tabellenneunter um nichts mehr geht.

[image id="872ff5ba-63ae-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Doch diese Entschuldigung darf hier nicht gelten. Lemgo wusste genau, dass es zwischen den punktgleichen Kielern und Rhein-Neckar Löwen um jedes Tor geht.

Aber das merkten ihnen die Handball-Fans im Gerry-Weber-Stadion und vor den TV-Bildschirmen bei der SPORT1-Übertragung nicht an.

Ein Ballverlust reihte sich an den nächsten, und mit der Hereinnahme eines zusätzlichen Feldspielers in Unterzahl führte TBV-Trainer Niels Pfannenschmidt das haarsträubende 6:18 ins leere Lemgoer Tor herbei.

Es war nur ein, wenn auch das augenfälligste Symptom für den blamablen Auftritt der Gastgeber, der ihren guten Ruf beschädigt. Nachhaltig, falls Kiel tatsächlich aufgrund des Torverhältnisses vor Mannheim die Schale holt.

Mit Bedacht stufte der "Mannheimer Morgen" den Kantersieg des THW, der zuvor noch kein Bundesliga-Spiel beim TBV mit mehr als sieben Toren gewonnen hatte, als "erstaunlich" ein.

Denn nach all dem, was der Handball in diesem Jahrhundert an Skandalen erlebt hat, werden nicht wenige sogar Verschwörungstheorien aufstellen.

Diese Tragweite des Debakels ist den Lemgoern offenbar nicht bewusst.

"Lassen wir das Ergebnis mal außen vor", schlug Kehrmann in seiner Analyse am SPORT1-Mikrofon allen Ernstes vor.

Und Pfannenschmidt nannte es eine "Erfahrungssache", dass seine Mannen "nach den ersten verlorenen Bällen immer mutloser geworden" seien.

Immerhin versprach er, dass das nächste Spiel besser werde. Das ist dringend geboten, schließlich geht es auch für den nächsten Gegner - den abstiegsbedrohten Bergischen HC - um viel.

Die Rhein-Neckar Löwen wird dieses Versprechen aber nicht mehr trösten.

Weiterlesen