Brack trainierte seit 2004 HBW Balingen-Weilstetten © getty

Balingen-Weilstetten trennt sich nach beinahe zehn Jahren von seinem Coach. Dieser reagiert im SPORT1-Interview professionell.

Von Patrick Mayer

München ? Neuneinhalb Jahre lang trainierte Dr. Rolf Brack den Handball-Bundesligaklub HBW Balingen-Weilstetten. Doch jetzt ist Schluss.

Die Schwaben stehen mit 8:32-Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz der DKB Handball-Bundesliga - der Verein zog die Reißleine (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Angesichts der sportlichen Situation habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, heißt es in einer Pressemitteilung des Klubs. Ab 1. Januar übernimmt Markus Gaugisch das Traineramt beim HBW.

Dass der Lehrer neuer Coach wird, stand schon seit September fest. Ursprünglich sollte er den 60 Jahre alten Sportwissenschaftler aber erst im Sommer beerben - dann tritt dieser den Job als Nationaltrainer der Schweiz an. Böse Worte gab es auf keiner der beiden Seiten.

Im Interview mit SPORT1 erklärt Brack den sportlichen Absturz der Schwaben, seinen realistischen Blick auf Personalentscheidungen im Profisport und warum die Trennung für ihn nicht überraschend kam.

SPORT1: Herr Brack, Sie sind nicht mehr Trainer des HBW Balingen-Weilstetten - und das nach neuneinhalb Jahren?

Rolf Brack: ? ich bin nicht überrascht. Bereits vor vier Wochen haben die Verantwortlichen des HBW mit mir die Ergebniskrise angesprochen. Es gab im Vorfeld drei, vier Gespräche mit dem Hinweis, dass wir zum Jahresende punkten müssen.

SPORT1: Sie haben als Universitätprofessor auf vieles einen rationalen und realistischen Blick - auch, wenn es um den eigenen Job geht?

Brack: Sie können in jedem Buch über Profisport nachlesen, dass sich dieser an Ergebnissen orientiert. Jeder Profitrainer muss sich diesem Siegescode unterwerfen. Nichts ist vergänglicher, als der Erfolg von gestern.

SPORT1: Aber nach solch' einer langen Zeit - wie groß ist der Trennungsschmerz?

Brack: Ich habe sicher persönlichen Frust. Balingen war für mich immer eine Herzensangelegenheit. Ich akzeptiere aber die Entscheidung der Verantwortlichen.

SPORT1: Der Verein erhofft sich von Ihrem Nachfolger Markus Gaugisch, den Sie persönlich gut kennen, dass er neue Impulse setzt. Glauben Sie als Sportwissenschaftler an den viel beschworenen Effekt einer Trainerentlassung?

Brack: Ich bin felsenfest davon überzeugt, auch mit Blick auf das Programm in der Rückrunde, dass ich mit dem Team den Klassenerhalt geschafft hätte. Natürlich hoffen die Vereine auf den Impuls durch einen neuen Trainer. Aber schauen Sie sich doch die Fußball-Bundesliga an, den 1. FC Nürnberg oder Hamburg. Mittelfristig entscheidet vor allem die Qualität der Mannschaft. Ich glaube deshalb, dass Markus Gaugisch mit dem HBW die Liga halten wird.

SPORT1: Im Vereinsumfeld wurde vereinzelt der Vorwurf laut, Sie würden die Mannschaft nicht mehr erreichen.

Brack: Ich habe neun Jahre lang gezeigt, dass ich das Beste aus der Mannschaft herausholen kann. Wir hatten einen Aufwärtstrend. Beim 29:30 in Berlin haben wir neun Tore aufgeholt, bei den Rhein-Neckar Löwen waren wir sechs Minuten vor Schluss bis auf drei Tore dran. Wenn eines dieser Spiele nur unentschieden geendet wäre. Die Resultate waren das Problem.

SPORT1: Balingen ist auf den vorletzten Tabellenplatz abgestürzt. Woran lags konkret?

Brack: Wir konnten kein Spiel in Bestbesetzung bestreiten. Bereits in der Vorbereitung hatte ich angesichts zahlreicher Verletzungen nur acht Mann im Training. Da ging es dann nur noch darum, dass sich keiner mehr verletzt. Und in den Spielen hat am Ende einfach auch das Glück gefehlt.

SPORT1: In Balingen sprachen die Verantwortlichen und Fans nach der Verpflichtung von Nationalspieler Martin Strobel vor der Saison vom besten Team aller Zeiten - jetzt müssen sie froh sein, wenn es bald nicht nach Bad Schwartau statt nach Kiel geht.

Brack: Die Erwartungshaltung der Leute hatte leider umgeschlagen. Dabei ist der Eindruck, dies sei die stärkste Balinger Mannschaft aller Zeiten, nicht unbedingt falsch. Aber wir haben am Tabellenende der Bundesliga eine Konkurrenzsituation wie nie zuvor. Der Bergische HC ist kein gewöhnlicher Aufsteiger, der BHC hat jetzt schon reichlich Punkte.

SPORT1: Sie hatten bereits im September einen Vertrag als Nationaltrainer der Schweiz unterschrieben. Diesen Job sollten Sie ursprünglich erst im kommenden Sommer antreten. Wie geht?s jetzt weiter?

Brack: Daran hat sich nichts geändert. Ich habe an der Uni Stuttgart einen Full-Time-Job und werde diesem weiter nachgehen. Die Schweizer Mannschaft übernehme ich dann parallel ab Sommer, davor noch nicht.

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