Nach der Demontage in Kiel sehen die Hamburger keine Meister-Chancen mehr. Kretzschmar stellt ein vernichtendes Zeugnis aus.

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Kiel - "Katastrophal", "Scheiße", "unterirdisch" - die Analyse nach der Klatsche beim THW Kiel fiel drastisch aus.

Sie traf die Stimmungslage der HSV-Handball-Profis am Ende eines turbulenten Jahres aber auf den Punkt.

Keine sieben Monate nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte, dem Triumph in der Champions League, macht sich beim HSV Hamburg Ernüchterung breit.

Nach dem peinlichen Pokal-Aus sind nach der der 24:35 (12:19)-Schlappe in Kiel (Bericht) nun auch in der DKB Handball-Bundesliga die Titel-Aussichten dahin (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Hoffnung nur noch in der Königsklasse

"Wir haben drei, vier Punkte zu viel liegen gelassen, um noch Meister werden zu können", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb mit leerem Blick.

Angesichts von mittlerweile fünf Punkten Rückstand auf die Spitze bleibt für Schwalb und seine HSV-Stars in dieser Saison wohl nur noch die Chance auf die Titelverteidigung in der Königsklasse.

Im DHB-Pokal waren die Hamburger bereits in der zweiten Runde zu Hause an Frisch Auf Göppingen (31:33) gescheitert.

Verärgerte Klubführung

Auch deswegen reagierte die Klubführung ziemlich verärgert auf die höchste Saisonniederlage in Kiel und den damit verbundenen frühzeitigen Meisterschafts-K.o.

Geschäftsführer Christoph Wendt beim Blick auf die Tabelle fest: "Es sieht nach einem Zweikampf um den Titel aus und nach einem Dreikampf um Platz drei."

Präsident Andreas Rudolph wollte die 60-minütige Demütigung seiner Mannschaft nicht öffentlich kommentieren.

Schwalb relativiert

Schwalb versuchte die Gemüter etwas zu beruhigen.

"Natürlich darf uns solch ein Spiel nicht passieren. Aber mit neun Minuspunkten stehen wir gar nicht so schlecht da, wie man es nach dem Saisonstart mit zwei Niederlagen hätte befürchten können", sagte der Coach.

Seine Jahresbilanz fiel trotz des trüben Abschlusses positiv aus: "Alles in allem war es ein gutes Jahr. Spiele wie hier in Kiel passieren jeder Mannschaft mal. Zudem hatten wir im Sommer einen großen Umbruch."

Kretzsche: Verfrühter Weihnachtsurlaub

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar, der bei den Hamburgern erneut als Sportdirektor im Gespräch ist, nahm bei seiner Analyse dagegen kein Blatt vor den Mund und kritisierte die Einstellung des Meisters von 2011.

"Es gehört sich nicht, so aufzugeben. Es sieht fast so aus, als wäre der HSV schon vor Weihnachten in den Urlaub gegangen", sagte Kretzschmar.

Gislason voll des Lobes

Die Kieler können dagegen ohne schlechtes Gewissen in die Pause gehen. "Das ist Wahnsinn, was wir heute abgeliefert haben", befand bei SPORT1 Dominik Klein.

Auch Trainer Alfred Gislason lobte seine Spieler für ihre "beste Saisonleistung" in den höchsten Tönen.

"Wir stehen mit Platz eins viel besser da, als ich es vor der Serie erwartet hatte. Aber die momentane Situation ist nur eine Art Herbstmeisterschaft", sagte Gislason.

Im Titelkampf sei weiterhin alles offen.

EM-Pause macht Sorgen

Die größten Sorgen auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung bereitet dem isländischen Coach die nun anstehende fünfwöchige EM-Unterbrechung.

"Das ist für mich die schwierigste Phase der Saison. Ich hoffe, dass meine Spieler ohne Verletzungen zurückkommen", sagte Gislason und verwies auf den schmalen Kader.

Doch zumindest der Spielplan spricht für den Rekordmeister, denn von den Top Fünf der Liga müssen die Kieler (36:4-Punkte) nur noch bei den Rhein-Neckar Löwen (31:9) auswärts ran.

Gegen die SG Flensburg-Handewitt (34:6) und die Füchse Berlin (30:10) hat der THW jeweils Heimrecht.

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