Nationalspieler Dominik Klein spielt seit 2006 für den THW Kiel © imago

Im SPORT1-Interview spricht Dominik Klein über das perfekte Spiel, Lieblingsfußballer Thomas Müller und angebliche Schwäche.

Von Patrick Mayer

München ? Handball-Profi Dominik Klein lebt die Mentalität des THW Kiel. Siebenmal feierte der Nationalspieler in acht Jahren DKB Handball-Bundesliga die Meisterschaft, dreimal den Champions-League-Sieg.

Beinahe legendär sind seine Jubelläufe nach einem Tempogegenstoßtor - der 30-Jährige dreht mit weit von sich gespreizten Armen ab, als wolle er gleich abheben.

Dabei ist er immer bescheiden geblieben. Profisport ist für ihn ein absolutes Privileg, erzählt er.

Nach dem Abgang zahlreiche Leistungsträger wie Thierry Omeyer und Marcus Ahlm steht er beim Rekordmeister mehr denn je in der Verantwortung. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vertrag nun bis 2017

Sein Klub traut es ihm zu - und verlängerte den Vertrag mit dem gebürtigen Unterfranken jüngst um weitere zwei Jahre bis 2017.

Vor der Partie gegen Champions-League-Sieger HSV Hamburg (Do., ab 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1u. im GRATIS-LIVESTREAM) spricht Klein im SPORT1-Interview über das perfekte Spiel, Parallelen zu seinem Lieblingsfußballer Thomas Müller und eine angebliche Krise.

SPORT1: Herr Klein, schätzen Sie doch mal bitte, was Fußballstar Thomas Müller verdient.

Dominik Klein: Ich habe keine Ahnung. Weil Thomas Müller aber mein absoluter Lieblingsspieler ist, darf er so viel verdienen, wie ihm der Verein nur bieten kann.

SPORT1: Fußballprofis bekommen deutlich mehr Geld und Aufmerksamkeit. Der Handball-Hype nach dem WM-Sieg 2007 ist längst verflogen. Macht Ihre Branche etwas falsch?

Klein: Dass wir wieder diesen Hype wie 2007 erreichen wollen, wissen wir alle. Aber wir machen auch einiges richtig, sonst wären wir nicht Mannschaftssportart Nummer zwei in Deutschland. Mit Präsident Bernhard Bauer und Bob Hanning haben wir im Deutschen Handball-Bund eine neue Führungsriege, die für Aufwind sorgen wird.

SPORT1: Was muss passieren?

Klein: Handball muss für den Fan einfacher gestaltet sein, zum Beispiel durch einheitliche Spieltage. Von Freitag bis Sonntag werden im Fußball alle Bundesligaspiele abgefrühstückt. So ist es nachvollziehbar, wer tatsächlich oben steht. In der aktuellen Saison wurde unser Hinspiel gegen Lemgo in die Rückrunde verlegt, und man wusste nicht einmal, wer der wirkliche Herbstmeister ist.

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SPORT1: Müssten Handballer nicht viel mehr die Eigenschaften ihres Sports transportieren - Dynamik, Tempo und Aggressivität?

Klein: Ja, und dass Handball Leidenschaft ist. Jedes Spiel bietet so viele Geschichten. Es sind nicht nur 22 Mann auf dem Platz wie im Fußball. Selbst jeder von der Bank hat die Chance reinzukommen und seine eigene Geschichte zu erzählen. Handballer sind super Typen, richtige Charaktere. Das kann der Fan live in der Halle aufsaugen.

SPORT1: Als Typ gilt auch Müller. Es gibt Parallelen zwischen Ihnen und Ihrem Lieblingsfußballer - ihre Verträge datieren jeweils bis 2017. Müller sagte einmal, dass er am liebsten zehn Jahre für die Bayern spielen würde ?

Klein: ...da kann ich mitziehen. Im Sommer 2016 werde ich genau zehn Jahre beim THW sein. Ein absoluter Traum wird in Erfüllung gehen. Als ich als junger Spieler nach Kiel wechselte, wollte ich mich einfach nur durchsetzen. Falls dann noch mein Trikot unters Hallendach gehängt wird, wäre ich in der Hall of Fame des Klubs angekommen.

SPORT1: Dort hängen die Trikots von Spielern, die einst eine Ära prägten. Der THW offenbart Ende 2013 aber Schwächen, ist raus aus dem Pokal. Was ist los?

Klein: Ich muss ja immer schmunzeln, wie die Leute uns eine Krise einreden wollen. Wir stehen in der Bundesliga mit vier Minuspunkten ganz oben. Diese Mannschaft lebt die Merkmale des THW Kiel, die voll auf Erfolg ausgerichtet sind. Unser Ansporn ist, der vorherrschenden Meinung jedes Mal mit unserer Leistung auf der Platte entgegenzutreten.

SPORT1: Dennoch wittert die Konkurrenz ihre Chance. Woher nehmen Sie nach all den Siegen die Motivation?

Klein: Der spannende Konkurrenzkampf kann nur von Vorteil für unsere Sportart sein. Du musst deinen Status jedes Mal von Neuem bestätigen ? egal, ob du nach Emsdetten fährst oder es gegen Hamburg geht. Das gelingt dir nur, wenn du zum richtigen Zeitpunkt ein Feuerwerk abbrennst.

SPORT1: Klingt nach einer Menge Adrenalin - mit dem Sie schon morgens vor einem Spiel mit der Zahnbürste im Mund vor dem Spiegel stehen?

Klein: Wenn ich aufwache, denke ich mir: Super, heute darfst du dich wieder vor zehntausend Zuschauern beweisen. Die Anspannung kommt mittags. Es ist immer dasselbe Prozedere: Mittagessen, sich hinlegen, die Konzentration steigern und los geht's.

SPORT1: Bis Sie irgendwann das perfekte Spiel beherrschen? Die Bayern arbeiten mit Pep Guardiola im Fußball an nicht weniger.

Klein: Das ist bei uns nichts anders. Unser Trainer möchte den perfekten Handball spielen. Die Bayern sind noch lange nicht da, wo sie hinwollen. Dasselbe gilt für uns. Als Alfred Gislason 2008 unser Trainer wurde, brachte er ein neues System mit.

SPORT1: Welches?

Klein: Wir spielen einen spanisch geprägten Stil. Das heißt, dass bei unseren Angriffen die Kreisläufer im Fokus stehen. Mit einer flexiblen Abwehr wollen wir umgekehrt auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

SPORT1: Der Hamburger Domagoj Duvnjak und Flensburgs Steffen Weinhold passen offenbar bestens ins Schema. Sie stehen schon jetzt als Neuzugänge fest.

Klein: Unser System soll zur Perfektion reifen. Und mit den beiden Weltklasse-Spielern wird es sehr gut ergänzt.

SPORT1: Weltklasse möchte die Nationalmannschaft wieder sein. Sind Siege in den Qualifikationsspielen für die WM 2015 Ihr wichtigster Vorsatz für 2014?

Klein: Zuerst stehen die Vorsätze für die Meisterschaft und Champions League mit dem THW im Fokus, dann kommt der Juni mit den Qualifikationsspielen. Allerdings wird mein Herz schon im Januar bluten, wenn ich die EM in Dänemark vorm Fernseher verfolgen muss. Wir werden beim Lehrgang Anfang des Jahres weitere Länderspiele haben, um uns zu verbessern. Jeder weiß, wo wir hinwollen. Deutschland gehört zur WM nach Katar.

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