MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Michael Kraus gewann 2007 Gold mit der Nationalmannschaft im eigenen Land © getty

Vor dem Spiel gegen Flensburg spricht Mimi Kraus mit SPORT1 über seine Lebenseinstellung und eine Rückkehr ins Nationalteam.

Von Patrick Mayer

München - Sechs Jahre ist es her, dass Michael "Mimi" Kraus im eigenen Land Weltmeister wurde - der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere. Das deutsche Handball hatte einen Sunnyboy - smart, attraktiv, hochbegabt.

Doch, was der heute 30-Jährige fortan zeigte, war ein permanenter Kampf mit hohen Erwartungen. Wo er auch spielte, ob in Lemgo, Hamburg oder Göppingen - das Umfeld setzte ihm zu.

Dennoch blieb er nicht erfolglos: Als wichtiger Back-Up in der Rückraummitte holte mit dem HSV Handball in der Vorsaison den Champions-League-Sieg.

Zurück in Göppingen kommt Kraus richtig in Fahrt. Zuletzt überragte er in der DKB Handball-Bundesliga gegen Magdeburg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor dem Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt (20 Uhr LIVE im TV bei SPORT1 u. im LIVESTREAM - ab 19.30 Uhr DHB-Pokal-Auslosung) spricht er mit SPORT1 über den Weltmeister Kraus, seine Lebenseinstellung und Ambitionen auf eine Rückkehr ins Nationalteam.

SPORT1: Herr Kraus, es hieß, Sie erfüllen in Sie gesteckte Erwartungen nicht. Jetzt führen Sie Göppingen von Sieg zu Sieg...

Michael Kraus: Zugegeben, die Hinrunde lief alles andere als optimal für uns, auch für mich nicht! Der schlechte Start, die knappen Niederlagen nagen an einem. Das Umfeld wird unruhig. Man versucht mit allen Mitteln den Abwärtstrend zu stoppen. Ich bin froh, dass uns das jetzt gelungen ist.

SPORT1: Kritik ist Ihr ständiger Begleiter: Weltmeister-Trainer Heiner Brand meint, Sie hätten Ihr Talent vergeudet. Was sagen Sie dazu?

Kraus: Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage noch beantworten muss. Heiner und ich arbeiten seit einiger Zeit nicht mehr zusammen. Ich habe Fehler gemacht, ich habe daraus gelernt. Dass die fehlende Konstanz in der Vergangenheit ein Manko war, weiß ich und daran arbeite ich.

SPORT1: Und wie beschreiben Sie sich selber, wenn Sie auf 2007 zurückblicken und sich mit heute vergleichen?

Kraus: Hm... schwierige Frage! Sicherlich hatten wir damals das Glück, nicht zu den Top-Favoriten zu zählen und nicht jeder hatte uns auf der Liste - auch mich nicht. Heute ist die Erwartungshaltung eine andere. Nichtsdestotrotz setze ich mich heute mehr mit der Materie auseinander.

SPORT1: Sie geben sich nach außen cool und smart. Aber wie sieht es in Ihnen aus - Sie stehen überall enorm unter Druck?

Kraus: Wissen Sie, ein weiser Mann hat einmal gefragt, ob es eine bessere Form gebe, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor. Das ist eines meiner Lieblingszitate und ich finde, es trifft meine Lebenseinstellung ganz gut.

SPORT1: Klingt harmonisch. Weniger schön verlief die Beurlaubung von Velimir Petkovic. Er galt als Ihr Handball-Vater. Wie sehr schmerzt diese Trennung?

Kraus: Es sind sich alle einig, dass er einen solchen Abgang nicht verdient hat. Er hat so viel für den Verein getan. Die Beurlaubung wird seine Verdienste nicht schmälern. Natürlich hätte ich gerne länger unter ihm trainiert, aber das ist eben der Profisport. Und sind wir doch mal ehrlich: Ein Trainer, der zehn Jahre im Amt ist, wo gibt es das heute noch?

SPORT1: Wie ist der Neue, Aleksandar Knezevic?

Kraus: Einen Vergleich schließe ich aus. Ich kenne Kneze aus meiner ersten Zeit in Göppingen und habe ihn immer geschätzt. Er hat sich als Trainer unglaublich entwickelt und ich muss sagen, dass er einfach den richtigen Ton trifft. Er kommuniziert viel, mit der Mannschaft und dem Umfeld. Das ist sehr wichtig.

SPORT1: Er sei schockiert über den Zustand der Mannschaft, sagte er bei Amtsantritt. Jetzt sind sie ungeschlagen.

Kraus: Ich denke, dass Kneze hier mehr unseren psychischen als physischen Zustand meinte. Wir waren angesichts schlechter Ergebnisse verunsichert, was in solch einer Situation normal ist. Er hat die Stimmung gelockert, uns Selbstvertrauen gegeben. Wir sind jetzt seit drei Spielen ungeschlagen und hoffen, dass die Serie anhält, auch, wenn wir wissen, was uns erwartet.

SPORT1: Es lief nicht immer rund nach Ihrer Rückkehr. Was fehlt, um ganz der Alte zu werden?

Kraus: Kneze vertraut mir zu 100% - er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann, das spüre ich und das versuche ich zurück zu geben.

SPORT1: Wie wollem Sie den Flensburgern beikommen?

Kraus: In dieser Saison ist in jedem Spiel gegen jeden Gegner ein Sieg drin. Flensburg spielt zur Zeit sehr guten Handball, aber nicht immer am Limit. Wichtig wird für uns sein, dass wir die Gegenstöße unterbinden.

SPORT1: Sie haben einen großen Wunsch: Kraus wieder für Deutschland. Bundestrainer Martin Heuberger berücksichtigte Sie zuletzt nicht. Warum sollte er nicht auf Ihre Qualitäten verzichten?

Kraus: Ich könnte mich jetzt hinstellen und große Parolen ausgeben - das mache ich nicht. Martin Heuberger ist der Trainer, dem das Vertrauen vom Verband geschenkt wird. Er wird seine Sache schon richtig machen.

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