Der Rekordmeister dominiert noch immer: Kiel siegt nach perfektem Spiel beim Verfolger und greift nach der Herbstmeisterschaft.

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München/Berlin - Titelverteidiger THW Kiel hat im Spitzenspiel der DKB HBL ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz gesendet.

Die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason gewann nach einer Top-Vorstellung bei den Füchsen Berlin mit 33:29 (18:12) und hat beste Chancen auf die Herbstmeisterschaft.

"Das war insgesamt ein super Spiel von uns und ein klares Signal an die Konkurrenz", sagte Gislason bei SPORT1 und war trotz der Gala um Kritik nicht verlegen: "Bei unserer Acht-Tore-Führung hätten wir besser mit unseren Chancen umgehen müssen. Petr Stochl hat in dieser Phase gut gehalten und wir zu locker geworfen."

Überragender Vujin

Das wars dann aber auch schon mit kritischen Kommentaren zum Spiel, er sei "ohnehin mit Abstand der lockerste Trainer der Liga", sagte der 54-Jährige schelmisch. Seine Mannschaft habe in der ersten Halbzeit überragend angegriffen, "die Deckung stand auch sehr gut."

Der Isländer richtete im Moment des Triumphs den Blick bereits nach vorne auf den verschärften Kampf um die Meisterschaft. "Wir haben im Vergleich zu den Vorjahren Probleme in der Breite", meinte er. Es sei ein harter Fünfkampf an der Spitze, jeder Punkt zähle.

Damit es nach der Partie in Berlin zwei mehr waren, war vor allem der Verdienst von Marko Vujin: Der überragende Linkshänder traf elfmal und zeigte sich im Gespräch mit SPORT1 erleichtert, dass "wir alles viel besser gemacht haben als in Flensburg."

Flensburg bleibt Erster

Beim Stand von 27:19 für die Kieler war die Partie in der ausverkauften Schmeling-Halle praktisch entschieden, erst in der Schlussphase gestaltete Berlin das Ergebnis erträglich. Tabellenführer bleibt jedoch vorerst die SG Flensburg-Handewitt (29:5-Punkte).

Der Vizemeister, der eine Partie mehr als Kiel (28:4) absolviert hat, fertigte am Sonntag Aufsteiger ThSV Eisenach 43:24 (24:11) ab (STENOGRAMME: Der 17. Spieltag). Erfolgreichster SG-Werfer war Nationalspieler Holger Glandorf mit neun Treffern.

Mit Champions-League-Sieger HSV Hamburg (Bericht) und den Rhein-Neckar Löwen (Bericht) gewannen die weiteren Verfolger ihre Spiele souverän und halten Anschluss zur Spitze (beide 25:7-Punkte).

Handball-Euphorie in Berlin

Das Topspiel der drittplazierten Berliner gegen den zweitplatzierten Rekordmeister sorgte in der Hauptstadt für eine bis dato nicht gekannte Handball-Euphorie.

Bereits vor Wochen war die Partie in der Max-Schmeling-Halle trotz Zusatztribüne mit 10.000 Zuschauern restlos ausverkauft.

"Für das Spiel hätten wir auch das Olympiastadion vollbekommen", sagte Füchse-Macher Bob Hanning, der seinen Vertrag als Geschäftsführer der Berliner unmittelbar vor dem Anpfiff um vier Jahre bis 2018 verlängert hatte.

"Perfektes Spiel"

Was die Zuschauer - unter ihnen auch Bundestrainer Martin Heuberger und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit - in der Anfangsphase zu sehen bekamen, war allerdings überhaupt nicht nach Hannings Geschmack.

Angeführt vom überragenden Filip Jicha spielte der THW seine beste erste Halbzeit der Saison. Vor allem die Rückraumschützen der Gäste waren im ersten Abschnitt kaum zu stoppen.

Beim 13:7 durch Jicha (22.) hatten der Tscheche, Aron Palmarsson und Marko Vujin zusammen bereits zehn Treffer erzielt. SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar sprach angesichts der Kieler Demonstration von einem "perfekten Spiel. Das ist Weltklasse in allen Bereichen. Da ist jede Mannschaft der Welt chancenlos".

Zweimal ins leere Tor

Gastgeber Berlin fand kaum statt und bekam hinten wie vorne in keiner Phase Zugriff auf die Partie.

Als es Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson am Anfang des zweiten Abschnitts mit einem siebten Feldspieler versuchte, traf Kiel sogar zweimal ins leere Tor. Beim 24:15 durch THW-Keeper Andreas Palicka drohte den Füchsen zwischenzeitlich ein Debakel.

Nach der Niederlage stehen die Berliner in der Tabelle weiter auf Rang drei (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

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