Dagur Sigurdsson trainiert seit 2009 die Füchse Berlin © getty

Füchse-Coach Sigurdsson stapelt vor dem Topspiel gegen Kiel tief. Doch eine Rekordkulisse und Wowis Besuch sorgen für Euphorie.

Von Pierre Winkler

München - Favorit gegen Kiel? Aber nicht doch, sagt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson vor dem Topspiel in der DKB HBL am Sonntag (14.55 Uhr ):

"Wir sind nicht oft in dieser Außenseiterrolle, aber gegen den THW Kiel ist man das", erklärt der Isländer bei SPORT1.fm.

Dabei trennen Kiel auf Platz zwei und Berlin auf Platz drei nur zwei Verlustpunkte.

Und den Berlinern wird eine Rekordkulisse helfen: 10.000 Zuschauer passen dank einer Zusatztribüne in die Max-Schmeling-Halle - so viele wie noch nie bei einem Füchse-Heimspiel.

Hoher politischer Besuch

Bürgermeister Klaus Wowereit besucht zudem zum ersten Mal ein Spiel der Berliner Handballer.

"Das Olympiastadion hätten wir füllen und einen Weltrekord aufstellen können", sagte Füchse-Manager Bob Hanning.

Womöglich ein wenig übertrieben, doch die Euphorie ist in der Hauptstadt nicht wegzureden. Schließlich könnten die Füchse mit einem Sieg Kiel überholen und den Druck auf Spitzenreiter Flensburg erhöhen, der zeitgleich zu Hause gegen Eisenach spielt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Füchse können gar nicht Favorit sein

Volle Halle, Jubel, Trubel - doch das beeindruckt Sigurdsson nicht. Denn: "So oft waren wir nicht vor Kiel."

Seine Mannschaft könne also gar nicht Favorit sein. "Die Abwehr-Leistung und die Torhüter-Leistung müssen passen, außerdem brauchen wir Gegenstoß-Tore und Disziplin im Angriff, dann ist etwas möglich", so Sigurdsson weiter bei SPORT1.fm.

So wie in der vergangenen Saison: Damals knapsten die Berliner Kiel beim 26:26 einen Punkt ab und beendeten die Serie von 50 Bundesliga-Siegen des THW. Hinzu kam 2010 ein 26:23-Sieg vor eigenem Publikum, mehr war seit dem Aufstieg 2007 für die Füchse in 16 Pflichtspielen im direkten Duell aber nicht zu holen.

Kiel im entscheidenden Moment da

Insofern hat Sigurdsson wohl recht mit seiner Tiefstapelei, schließlich hat Kiel schon oft direkte Konkurrenten im entscheidenden Moment deutlich geschlagen. Selbst nach dem Kieler Umbruch vor der Saison sieht Sigurdsson keine Probleme beim THW, auch nicht im Tor: "Sie haben ein Weltklasse-Duo, schwedische Nationaltorhüter."

Johan Sjöstrand und Andreas Palicka müssen sich oft mit Kiels Torhüter-Legende Thierry Omeyer vergleichen lassen; laut Sigurdsson für beide aber kein Problem.

Die Berliner treten fit und ausgeruht an, alle Spieler stehen zur Verfügung. Bei den Gästen fehlt lediglich Mittelmann Rasmus Lauge wegen eines Kreuzband-Anrisses noch mindestens für den Rest des Jahres.

Erinnerung an 2012

Kiels Rückraum-Schütze Filip Jicha freut sich über die volle Besetzung auf beiden Seiten, vor allem aber auf das Treffen mit seinen tschechischen Kollegen Petr Stochl und Pavel Horak.

"Der schwierigste Moment für mich war, als ich im Halbfinale der Champions League den entscheidenden Siebenmeter gegen Petr Stochl werfen musste, da war ich schon extrem nervös, immerhin ging es um so viel", erinnert sich Jicha im Berliner Hallenheft an das Halbfinale 2012.

Der Rückraum-Linke versenkte damals sicher zum 25:24 und zehrt noch heute davon: "Diese Erfahrung hat mich weiter gebracht, denn ich bin in der Lage zu sagen, dass wir trotzdem Freunde sind, auch wenn wir gegeneinander spielen und jeder seinen Job macht."

Bei diesem Job geht es am Sonntag um die Frage: Stürzt der Außenseiter den Favoriten? Oder vorher noch: Wer ist hier der Favorit?

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