Stefan Kretzschmar schaut auf die Frauen-WM und ist von der Leipzigerin beeindruckt. Kiel werde erst 2014/15 wieder dominieren.

Hallo Handball-Fans,

mein Blick richtet sich bereits auf die anstehende WM der Frauen (ab Sa. LIVE im TV auf SPORT1). Seitdem ich nach Leipzig gezogen bin, habe ich einige Spiele des HC Leipzig angeschaut.

Der Ausfall von Spielmacherin Kerstin Wohlbold ist natürlich ein harter Schlag ins Gesicht des deutschen Teams. Ich habe sie bei Leipzigs Spiel gegen den Thüringer HC gesehen. Da hat sie überragend gespielt, sowohl im Angriff als auch in der Abwehr. Der Ausfall wird schwer zu kompensieren sein.

Mit Susann Müller haben wir aber eine tolle Linkshänderin. Sie könnte auch problemlos im Männerhandball mitspielen. Sie spielt mit ihren herausragenden athletischen und technischen Fähigkeiten fast wie ein Mann.

Gut, dass die Turnierfavoriten nicht in unserer Gruppe sind: Ich weiß natürlich, dass Gastgeber Serbien und Montenegro starke Teams haben. Und Norwegen sowie Dänemark spielen traditionell im Frauenhandball eine gute Rolle.

Die Vorrunde müssten wir daher überstehen und ins Achtelfinale einziehen. Dort muss man dann schauen, was passiert. Ich hoffe, dass wir weit kommen, weil das für das Renommee des deutschen Handballs unheimlich wichtig wäre.

Hoffentlich wird das Turnier ähnlich spannend wie die Saison in der DKB Handball-Bundesliga. Ich glaube, dass der Titelkampf diese Saison bis zum Ende eng bleibt.

Bei den fünf Teams an der Spitze sind kaum Aussetzer erkennbar und allen fünf räume ich die Chance ein, den Titel zu gewinnen.

Es ist das Gegenteil von dem, was wir in den letzten Jahren gesehen haben, als der THW seine große Dominanz hatte.

Das müssen wir schlicht und einfach genießen, denn im nächsten Jahr sieht es wieder anders aus, wenn man sich die Neueinkäufe der Kieler anschaut.

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Am Sonntag empfangen die Füchse Berlin den THW Kiel. Beim Serienmeister aus Kiel standen die Torhüter zuletzt in der Kritik. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Es ist schon internationale Klasse, was die beiden Torhüter Andreas Palicka und Johan Sjöstrand halten können.

Es kann natürlich sein, dass der Torwartvorteil in diesem speziellen Spiel bei Heinevetter/Stochl, also bei Berlin liegt. Dafür haben die Kieler andere Waffen, mit denen sie dieses vermeintliche Defizit ausgleichen können.

Sie haben eine kompakte Abwehr, die aggressiver als in den Jahren zuvor anpackt. Sie haben den vielleicht besten Spieler der Welt mit Filip Jicha, der im Angriff eine Waffe ist.

Mit Marco Vujin besitzt der THW einen der erfolgreichsten Torschützen der Liga, der auch in der Champions League in sehr guter Verfassung ist.

Kiel ist auf allen Positionen mit internationaler Klasse besetzt. Allerdings haben sie nicht so viele Wechselmöglichkeiten wie in den Jahren zuvor und müssen mit ihrer ersten Sieben oder Acht durchspielen.

Solange alle an Bord sind, kann man das machen, und dann ist das auch erfolgreich, aber die Breite ist nicht so gut, weil auch die Neueinkäufe, speziell Wael Jallouz, nicht so eingeschlagen haben, wie man sich das erhofft hat.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 40, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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