Die Pleite gegen Magdeburgs Rumpftruppe erzürnt Kiel-Coach Gislason. Filip Jicha verpasst dem Torhüter-Duo einen Seitenhieb.

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Magdeburg/München - Nur wenige Stunden nach der vollkommen unerwarteten Niederlage beim SC Magdeburg in der DKB-Handball-Bundesliga postete Filip Jicha bei Facebook ein Foto, das ihn in inniger Umarmung mit Thierry Omeyer zeigt.

Das Bild stammt noch aus den glorreichen Zeiten des THW Kiel, der französische Weltklasse-Torhüter ist beim Rekordmeister inzwischen Vergangenheit.

Kiels Torhüter-Duo ohne Glanz

Branchenprimus Kiel befindet sich nun in einer Saison des Umbruchs.

Und anders als in den Partien zuvor hatten Omeyers Nachfolger Andreas Palicka und Johan Sjöstrand nicht die herausragenden Leistungen gezeigt, um das Team mit einer starken Torhüterleistung vor der ersten Saisonniederlage zu bewahren.

Das Kieler Duo kam über 60 Minuten auf die gleiche Anzahl Paraden wie Magdeburgs Dario Quenstedt alleine über nur 49 Minuten.

Leidenschaft als Schlüssel zum Sieg

Rückschläge sind eingeplant, doch die 31:34 (13:16)-Pleite bei den stark ersatzgeschwächten Magdeburgern (Bericht) ärgerte Spieler und Verantwortliche maßlos.

"Wir haben heute nicht das gespielt, was wir spielen wollten, und haben verdient verloren. Das ist ja oft so im Handball: Die Mannschaft, die mehr fightet, gewinnt das Spiel - und das war heute Magdeburg", räumte Nationalspieler Patrick Wiencek nach der ersten Bundesliganiederlage nach zuvor saisonübergreifend 17 Siegen selbstkritisch ein.

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar ergänzte: "Leidenschaft schlägt Individualität."

Magdeburgs Coach Frank Carstens im SPORT1.fm-Interview:

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Das Wunder von Magdeburg

Dabei hatte "Kretzsche" seinem ehemaligen Team vor der Partie keinerlei Chancen auf einen Sieg ausgrechnet.

"In der Besetzung ein Ding der Unmöglichkeit", hatte der ehemalige Nationalspieler gesagt.

Und auch Magdeburgs Coach Frank Carstens hatte nicht an einen Sieg geglaubt: "Nur ein Wunder kann helfen."

Gislason enttäuscht

Doch besonders in der Abwehr bot der THW eine ganz schwache Vorstellung, was Trainer Alfred Gislason schon in der Halbzeitpause zu einer deftigen Ansprache veranlasste. Auch in der zweiten Halbzeit ließen sich die Gäste den Schneid abkaufen.

"Ich bin enttäuscht, aber die Niederlage war verdient", sagte Gislason, der angesichts der Abgänge von Omeyer, dem langjährigen Kapitän Marcus Ahlm, Welthandballer Daniel Narcisse und Vize-Europameister Momir Ilic schon vor der Saison angekündigt hatte, dass es auch mal Leistungsschwankungen geben werde.

THW-Abwehr steht nicht

Schon bei den knappen Heimsiegen gegen den VfL Gummersbach (31:30) und die HSG Wetzlar (26:25) stand der THW vor der ersten Saisonniederlage, am neunten Spieltag hat es den Tabellenführer nun erwischt.

"Niederlagen gehören bei einem Lernprozess dazu", sagte Jicha.

Der ehemalige Welthandballer war mit zehn Toren zwar bester Werfer seiner Mannschaft, doch die großen Lücken in der Deckung schloss auch der Tscheche nicht (STENOGRAMME: Der 9. Spieltag).

"Da waren wir eindeutig zu brav", gab Rene Toft Hansen zu.

Wiencek schaut nach vorne

Lange aufhalten kann sich der THW mit der Niederlage nicht.

Am Samstag steht schon das Champions-League-Duell bei Portugals Meister FC Porto Vitalis an.

"Da müssen wir anders auftreten. In der Bundesliga kann man sich nicht erlauben, lange dem Spiel hinterherzuschauen, wir müssen nach vorne gucken", sagte Kreisläufer Wiencek.

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