Beim Supercup rangen Holger Glandorfs Flensburger Kiel (r. Filip Jicha) nieder © getty

Kretzsche sagt, dass der Meister den Aderlass nicht verkraftet - und wer ihn beerbt. Der Liga-Boss freut sich auf Überraschungen.

München - Bundestrainer Martin Heuberger und Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar trauen der SG Flensburg-Handewitt den großen Wurf zu, doch freiwillig will sich der THW Kiel nicht von der Spitze der DKB HBL verdrängen lassen.

"Wir sind nicht der Hecht im Karpfenteich, wir sind in dieser Saison mal die graue Maus", sagte THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt vor der am heutigen Samstag (ab 19 Uhr LIVESCORES) beginnenden Saison, "aber es wäre nicht Kiel-like, wenn wir sagen würden, dass wir Fünfter oder Sechster werden wollen."

Acht der vergangenen neun deutschen Meisterschaften heimste der Rekordchampion ein. In diese Phalanx brach nur der HSV Hamburg (2011) ein.

Kretzsche glaubt an Flensburg

Nach dem Abgang der Stars Marcus Ahlm, Daniel Narcisse, Thierry Omeyer und Momir Ilic steht der THW vor einem Jahr des Umbruchs und die Konkurrenten wittern ihre Chance.

"Flensburg hat den Vorteil einer komplett eingespielten Mannschaft. Kiel und Hamburg müssen erst einmal ihren Umbruch verkraften", sagte Heuberger.

Auch Kretzschmar legt sich fest: "Flensburg ist in diesem Jahr der Favorit. Sie haben eine sehr homogene Mannschaft. Kiel hatte nach der vergangenen Saison dagegen einen großen Aderlass zu verkraften."

Bohmann freut sich auf Überraschung

Für Spannung ist in der Bundesliga also gesorgt. Denn neben Flensburg und Kiel wollen auch Champions-League-Sieger Hamburg, die Füchse Berlin und EHF-Cup-Gewinner Rhein-Neckar Löwen ganz oben mitmischen.

"Zuletzt stand der Meister praktisch schon nach der Hinrunde fest. Das hat der Zuschauerresonanz in der Halle und auch der am Fernseher nicht gut getan. Eine solche Entwicklung tut keiner Sportart auf Dauer gut", sagte DKB-HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

"Wir haben in diesem Jahr eine Ausgeglichenheit wie lange nicht mehr. Da kann der Neunte auch mal den Ersten schlagen", behauptet Bohmann. "Es wird keine Alleingänge an der Spitze mehr geben. Das freut uns und den Handball-Fan."

Jicha spricht von Unsterblichkeit

Einen Vorgeschmack bekamen die Kieler bereits bei der Supercup-Niederlage am vergangenen Dienstag gegen Flensburg (26:29).

Trainer Alfred Gislason räumt jedenfalls ein: "Sicherlich wird es bei uns auch mal Leistungsschwankungen geben, aber ich hoffe, dass die Zuschauer das akzeptieren."

Topstar Filip Jicha formuliert trotz des Umbruchs hohe Ziele: "Wir müssen das Ziel haben, den THW mit der neuen Mannschaft wieder unsterblich zu machen."

HSV will "um alle Titel mitkämpfen"

Die selbstbewussten Flensburger blasen aber zur Titeljagd. "Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, ist diese Saison alles drin", sagte Trainer Ljubomir Vranjes.

Nordrivale Hamburg stößt in das gleiche Horn. "Wir wollen um alle Titel mitkämpfen. Der Champions-League-Sieg ist auch eine Bürde. Alle wollen uns schlagen, aber das kann auch für Selbstvertrauen sorgen", meinte Trainer Martin Schwalb.

Gesamtetat etwas niedriger

Die 18 Klubs gehen erneut mit einem leicht verringerten Gesamtetat in die Spielzeit. Nach 73,2 Millionen Euro im Vorjahr plant die Liga mit 72,8 Millionen Euro.

Nach den Abgängen der Kieler Stars landete ausgerechnet die HSG Wetzlar den größten Transfer-Coup mit der Verpflichtung des zweimaligen kroatischen Welthandballers Ivano Balic.

"Nach wie vor sind wir die stärkste Liga der Welt, die Größen des Handballs spielen in Deutschland. Das zeigt auch die Verpflichtung von Ivano Balic, dem besten Handballer der letzten zehn Jahre. Ein echter Coup der HSG Wetzlar", sagte Bohmann voller Vorfreude.

Weiterlesen