Der Supercup-Gewinn entfacht in Flensburg keine Begeisterung. Kiel ist trotz der Pleite zufrieden - und attackiert die Referees.

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Vom Supercup berichtet Annette Bachert

Bremen - Im Konfettiregen lachten die Flensburger, reckten den Pokal in die Höhe und feierten mit lauter Musik in der Kabine - doch echter Jubel kam nach dem Supercup-Sieg (Bericht) nicht auf.

Angesprochen auf den Erfolg über den THW Kiel und den damit verbundenen ersten Titelgewinn seit dem Pokalsieger-Cup 2012 und dem DHB-Pokal 2005 kamen nur zurückhaltende, beinahe entnervte Töne.

"Es war nur ein Sieg"

"Was heißt besonders. Es war nur ein Sieg", erklärte der "Man of the Match" Mattias Andersson im Gespräch mit SPORT1: "Man soll das nicht überwerten, es war nur ein Trainings- und kein Wettkampfspiel."

Und fügte dann aber an: "Es ist schön zu gewinnen. Wir haben auch viele gute Sachen gemacht, aber auch viele schlechte. Wir haben gezeigt, dass wir gut Handball spielen können - und darauf können wir aufbauen."

Auch dass mit Bogdan Radivojevic einer der Neuzugänge Flensburgs bester Scorer war, entlockte niemandem bei der SG ein Sonderlob.

Glandorf zuversichtlich

"Die Neuen haben noch viel zu lernen und müssen noch besser integriert werden. Von daher wird es noch dauern bis alle voll dabei sind. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen", bemühte sich Andersson zumindest um ein positives Fazit.

Rückraum-Shooter Holger Glandorf vermutete, dass der Sieg dem Team "einen Schub für die Saison geben" werde.

"Es war auch schön zu sehen, dass wir wichtige Spiele gewinnen können. Letztes Jahr haben wir noch verloren - jetzt sind wir schon näher dran."

Vranjes mit Leistung zufrieden

So sah das auch SG-Coach Ljubomir Vranjes, der mehr die Leistung als den Titel in den Vordergrund stellen wollte.

"Ich mag das, was ich gesehen habe. Und es macht Spaß zu gewinnen. Ich möchte aber, dass wir uns noch mehr verbessern - und Kiel in einem richtigen Wettkampf schlagen", erklärte der Schwede.

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Jicha "maßlos enttäuscht"

Positiver klang das - zumindest in Ansätzen - dagegen beim Verlierer von der Kieler Förde. "Das war das beste Spiel der Vorbereitung", erklärte THW-Coach Alfred Gislason: "Dennoch haben einige Leute nicht ihre Leistung gebracht."

Einer davon war Neu-Kapitän Filip Jicha, auf den nach dem Abgang von Thierry Omeyer, Daniel Narcisse, Momir Ilic und Ex-Mannschaftsführer Marcus Ahlm noch mehr Verantwortung zukommt, als das ohnehin schon der Fall.

Doch diesmal wurde der Tscheche seiner neuen Rolle kaum gerecht. Und zeigte sich nicht nur wegen der Niederlage, sondern vor allem von seiner eigenen Leistung "maßlos enttäuscht".

"Es wird noch eine längere Periode dauern, bis wir uns so präsentieren, wie wir uns gerne präsentiert hätten", erklärte Jicha bei SPORT1: "Aber ich kann ein positives Fazit ziehen. Ich freue mich richtig auf die Saison - und wir werden richtig kämpfen."

Neuzugänge mit ordentlichem Einstand

Schließlich sei die Niederlage keine "Wachablösung. Ich sehe das eher als Standortbestimmung", wie Kiels Linksaußen Dominik Klein erklärte: "Wir haben Akzente gesetzt und einen Schritt nach vorne gemacht."

Der Rekordmeister präsentierte sich erstmals ohne sein abgewandertes Star-Quartett, dafür mit den drei Neuen Wael Jallouz, Rasmus Lauge und Johann Sjöstrand - die allesamt sehr ansprechende Leistungen zeigten, wenn es auch noch an der Abstimmung fehlte.

"Mit den Neuzugängen war ich zufrieden, mit vielem anderem allerdings nicht", sagte auch Gislason. ( 742898 DIASHOW: Der Transfermarkt der DKB HBL )

Dennoch war dem Meistertrainer die Niederlage anzumerken. Als er auf eine mögliche Wachablösung angesprochen wurde, verlor Gislason für einen Moment seine isländische Contenance. "Was soll ich jetzt sagen? Sie schreiben doch sowieso, was Sie wollen", zischte Gislason dünnhäutig in Richtung der Journalisten.

Vierfache Unterzahl

"Richtig unzufrieden" war der Isländer mit dem Schiedsrichter-Duo Andreas und Marcus Pritschow, das binnen weniger Sekunden gleich vier Kieler vom Feld stellte.

"Die hatten gesehen, dass Flensburg schon sechs Zeitstrafen hat und Kiel nur eine", erklärte der 53-Jährige kurz, aber vielsagend.

Die Flensburger kommentierten diese doch kuriose Szene nüchtern. "Ich habe das schon einmal erlebt", sagten Vranjes und Andersson quasi unisono - mehr allerdings nicht.

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