Flensburg gewinnt die Saison-Generalprobe und den ersten Titel. Kiel trotzt einer Vierfach-Unterzahl, doch die Frische fehlt.

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Aus Bremen berichtet Annette Bachert

Bremen - Die SG Flensburg hat großen Worten Taten folgen lassen und den ersten Titel der Saison gewonnen.

Vier Tage vor Beginn der 37. Bundesliga-Spielzeit bezwang das Team von Trainerfuchs Ljubomir Vranjes Branchenprimus und Titelverteidiger THW Kiel souverän mit 29:26 (15:12).

Die Nordlichter sicherten sich damit zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den Supercup und erfüllten damit die leisen Hoffnungen der Fans:

Der Rekordmeister wird nach dem großen Umbruch im Sommer in dieser Saison nicht abermals alle Titel auf nationaler Ebene abräumen.

Vranjes zufrieden

"Wir sind zufrieden, dass wir den ersten Titel gewonnen haben", sagte Vranjes bei SPORT1.

Der Coach schränkte aber ein: "Es wird eine lange Saison. Man hat gesehen, dass auch wir noch viel zu tun haben. Die neuen Spieler haben aber schon Verantwortung übernommen. Wir werden alles tun, um weitere Titel zu holen."

Rechtsaußen Bogdan Radivojevic war mit fünf Toren erfolgreichster SG-Schütze und ragte neben Schlussmann Mattias Andersson heraus. Bei den Kielern traf Marko Vujin am besten (7).

Weinhold spuckt große Töne

Nationalspieler Holger Glandorf hatte noch vor der Partie bei SPORT1 gesagt: "Es wird langsam Zeit für Titel."

"Diesen Titel werden wir sicherlich nicht kampflos abgeben - das kann sich Kiel hinter die Ohren schreiben", hatte zudem Steffen Weinhold vollmundig erklärt.

Und das setzten die Flensburger dann auch in die Tat um.

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Sjöstrand pariert stark

Nach dem Führungstreffer durch SG-Spielmacher Thomas Mogensen gehörte die Anfangsphase aber den Kielern, die ohne das abgewanderte Star-Quartett Thierry Omeyer, Daniel Narcisse, Momir Ilic und Marcus Ahlm angetreten waren.

Vor allem Omeyers Nachfolger Johan Sjöstrand brachte den Vizemeister mit seinen Paraden zwischenzeitlich zum Verzweifeln.

Dann aber entwickelte sich eine hart umkämpfte Partie, die durch bärenstarke Paraden Sjöstrands - unter anderem bei einem Siebenmeter von Anders Eggert -, aber auch teils unausgereifte Angriffe auf beiden sowie einige Abstimmungsfehler auf Kieler Seite bestimmt war.

Klare SG-Pausenführung

Die Führung wechselte ständig bis die Flensburger eine kurze Schwächephase des Rekordmeisters nutzten und durch einen Doppelschlag von Rechtsaußen Bogdan Radivojevic und den ersten Flensburger Pflichtspiel-Treffer von Drasko Nenadic erstmals mit drei Toren mit 15:12 (29.) in Führung gingen.

Anschließend rettete SG-Keeper Andersson dreimal in Folge gegen Kiels Kreisläufer Rene Toft Hansen und hielt so den Drei-Tore-Vorsprung des Vizemeisters bis zur Halbzeit fest.

Wie die erste war auch die Anfangsphase der zweiten Halbzeit völlig ausgeglichen, Flensburg verteidigte seinen Vorsprung. Die Rückraum-Reihen beider Teams schenkten sich nichts und trafen nach Belieben.

Ganz enge Kiste

Dann aber war es Toft Hansen, der die Kieler wieder auf zwei Tore 18:20 (39.) heranbrachte. ( 742898 DIASHOW: Der Transfermarkt der DKB HBL )

Auch ein gehaltener Siebenmeter durch Sören Rasmussen, der für Andersson bei den Strafwürfen in den Kasten kam, änderte wenig daran, dass die "Zebras" durch zwei Treffer von Niklas Ekberg dem Vize auf den Fersen blieben.

Drei Zwei-Minuten-Strafen gegen Kiel binnen einer Minute brachten dann aber die Vorentscheidung.

Kieler Zeitstrafen-Festival

Erst musste Jallouz wegen absichtlichen Fuß-Spiels, weniger später auch Ekberg und Filip Jicha wegen Foulspiels für zwei Minuten runter.

Den anschließenden Strafwurf hielt dann aber Sjöstrand, und so blieb es vorerst beim 23:21 aus Flensburger Sicht (48.).

Auf der Gegenseite traf Vujin vom Punkt und verkürzte auf 22:24 (49.).

Hitzige Atmosphäre

Die Halle war nun aufgebracht, die Zuschauer pfiffen bei jedem Ballkontakt der Flensburger.

Und auch auf dem Spielfeld kochten die Emotionen hoch.

Nach einem Foul an Weinhold schickten die Referees dann auch noch Toft Hansen vom Feld, so dass Dominik Klein und Christian Zeitz für wenige Sekunden nur zu zweit auf dem Spielfeld standen.

Zeitz-Tor nur Strohfeuer

Diese Chance ließen sich die Flensburger nicht entgehen und erhöhten in Überzahl durch Weinhold und Radivojevic wieder auf 26:22 (52.).

THW-Coach Alfred Gislason reagierte und rief seine Mannen zur Auszeit. Zeitz setzte postwendend Gislasons Anweisungen um und verkürzte wieder auf 23:26.

Nach einem völlig missratenen Versuch von Jicha, nahm dann auch Gislasons Gegenüber Vranjes sein Timeout.

Knudsen mit der Entscheidung

Nach einem gehaltenen Strafwurf gegen Ekberg, war es dann aber Zeitz, der zum 24:26 einnetzte.

Im Gegenzug bauten Radivojevic und Kreisläufer Knudsen die Flensburger Führung wieder auf fünf Tore (29:24/58.) aus.

Und auch Andersson ließ nun nur noch zwei von vier Kieler Würfen vorbei.

Die Partie im Stenogramm

THW Kiel - SG Flenburg-Handewitt 26:29 (12:15)Tore: Vujin (7), Zeitz (4), Jallouz (4), Toft Hansen (4), Ekberg (3), Lauge Schmidt (2), Sprenger (1), Jicha (1) für KielRadivojevic (5), Knudsen (5), Eggert (4), Mogensen (4), Weinhold (3), Gottfridsson (3), Glandorf (3), Nenadic (2) für Flensburg-HandewittZuschauer in Bremen: 7339

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