Michael Kraus (l.) hat bislang 118 Länderspiele bestritten
Kraus debütierte 2005 im DHB-Trikot und erzielte in bisher 114 Spielen 378 Tore © getty

Michael Kraus wirkt nach seiner Rückkehr zu Frisch Auf gereift. Bei SPORT1 spricht er über seine Ziele und die DHB-Auswahl.

Von Jörg Bullinger

Sindelfingen - Bei den Autogrammjägern zählt er immer noch zu den Favoriten, regelmäßig wird Michael Kraus belagert.

Am Rande des Vorbereitungsturniers um den Kempa Cup präsentierte sich der Frisch-Auf-Rückkehrer ganz locker.

Seine Heimkehr nach Göppingen sei eine "schwere Geburt" gewesen, sagte der Spielmacher im Gespräch mit SPORT1.

Im SPORT1-Interview spricht er über die kommende Saison in der DKB Handball Bundesliga, die Zusammenarbeit mit seinem Ziehvater Velimir Petkovic, Fehler der Vergangenheit und seine Ambitionen in der Nationalmannschaft.

SPORT1: Herr Kraus, wie fühlt es sich an, wieder in Göppingen zu sein?

Michael Kraus: Gut! Die Resonanz ist durchweg positiv. Ich bin bei den Testspielen toll empfangen worden. Die Eingewöhnungszeit war relativ kurz, weil ich ja alles kenne.

SPORT1: Wie kam es zu dem Wechsel?

Kraus: Ich habe mich in Hamburg schon relativ frühzeitig hingesetzt und überlegt, was ich eigentlich will. Dann habe ich dem HSV mitgeteilt, dass ich gerne zurück nach Göppingen möchte. Der Wechsel war eine ziemlich schwere Geburt. Der Champions-League-Sieg mit Hamburg zum Abschluss war ideal. Ich glaube, besser kann man sich nicht verabschieden.

SPORT1: Welche Rolle hat Trainer Velimir Petkovic beim Wechsel gespielt?

Kraus: Eine ganz große. Ich habe mit Petko ein sehr gutes Verhältnis, das über die Jahre auch nie abgebrochen ist. Auf dem Weg zurück zu alter Stärke war es ein ganz, ganz wichtiger Faktor.

SPORT1: Was sind nach der schwachen letzten Saison die Ziele für Frisch Auf?

Kraus: Göppingen hat höhere Ambitionen. So eine Saison soll nicht noch einmal vorkommen. Wir müssen unsere Heimstätte wieder zur Festung "Hölle Süd" machen. Wenn Frisch Auf in eigener Halle ins Rollen kommt, ist es fast nicht aufzuhalten. Mit etwas mehr Glück und Selbstvertrauen als in der letzten Saison landet man auf Platz sieben. Da müssen wir versuchen hinzukommen.

SPORT1: Die Erwartungen an Sie sind sehr hoch. In welcher Rolle sehen Sie sich selbst?

Kraus: Die Erwartungen an Mimi Kraus sind immer hoch, weil alle sagen, der Junge ist so talentiert. Ich habe einen guten Verein und jetzt auch ein paar Jahre Erfahrung. Ich werde versuchen, die junge Mannschaft zu führen.

SPORT1: Sie mussten in Ihrer Karriere schon viel Kritik einstecken. Wie gehen Sie damit um?

Kraus: Wenn man die Kritik für berechtigt hält, muss man sich hinsetzen und sich seine Gedanken dazu machen. Aber es gibt auch Kritik, die nicht berechtigt ist. Die prallt an mir ab.

SPORT1: Es war immer wieder von Disziplinlosigkeiten die Rede. Fühlen Sie sich manchmal ungerecht behandelt?

Kraus: Ich habe mal gesagt, auf Mimi Kraus werden immer zehn Augen gerichtet, auf andere Spieler nur ein halbes. Das wird bei mir manchmal auch alles sehr extrem gesehen. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich das gelernt habe. Sicherlich habe ich in der Vergangenheit Fehler gemacht. Aus denen habe ich aber gelernt. Man sollte die gleichen Fehler nicht noch einmal machen, sonst wird es blöd.

SPORT1: Was gibt es Neues zum Thema Nationalmannschaft?

Kraus: Ich habe ein kurzes Gespräch mit Bundestrainer Martin Heuberger gehabt. Was dabei herauskommt, weiß ich noch nicht. Aber es ist sicherlich mein Anspruch, in der Nationalmannschaft zu spielen.

SPORT1: Hat Sie Martin Heuberger in Ihren Wechselabsichten bestärkt?

Kraus: Ich bin ein erwachsener Mann und kann meine Entscheidungen selbst treffen. Die habe ich getroffen, und es war die richtige Entscheidung. Wie ich aus einem Gespräch mit Velimir Petkovic herausgehört habe, findet der Bundestrainer es aber ganz gut, dass ich wieder in Göppingen bin.

SPORT1: Sie haben ja das Abitur nachgeholt. Wie ist das Ergebnis?

Kraus: Es war überraschend gut. Ich hatte nicht immer die Möglichkeit, den Abendkurs zu besuchen, aber ich hatte tolle Lehrer und Mitschüler, die mich grandios unterstützt haben. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Schnitt.

SPORT1:Sehen Sie sich nach der Karriere im Handball, oder ist das für Sie noch zu weit weg?

Kraus: Handball ist meine Berufung, da steckt viel Herzblut drin. Ich kann mir vorstellen, nach der Karriere weiter im Handball tätig zu sein. Aber es ist immer gut, wenn man sich Alternativen überlegt. Also wieso kein Studium anhängen?

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