Matthias Rudolph (l.) ist Apotheker und seit Juli 2012 HSV-Präsident © getty

Bei SPORT1 legt HSV-Boss Rudolph gegen Rost nach und vergleicht das Dilemma mit blonden und schwarzhaarigen Apothekerinnen.

Von Martina Farmbauer

München/Hamburg - Natürlich würde Matthias Rudolph, Präsident des HSV Hamburg, am liebsten über das Sportliche sprechen. Schließlich beginnt am 24. August die Saison in der DKB Handball Bundesliga.

Und bereits am 21. und 23. August stehen für den HSV die beiden Playoff-Partien zur Champions League gegen die Füchse Berlin an.

Aber Hamburg hat zuletzt weniger mit dem Sport als mit der Posse um seinen freigestellten Sportdirektor Frank Rost Schlagzeilen gemacht. (BERICHT: HSV-Chaos: Rost weg und doch noch da)

Zuerst bestätigte Rudolph den Rücktritt Rosts (BERICHT: Rost schmeißt hin), dann tauchte der ehemalige Fußballer in seinem Büro auf, um seinen Arbeitsplatz am Ende doch zu räumen.

Im SPORT1-Interview spricht HSV-Präsident Matthias Rudolph über Tränen auf der Geschäftsstelle, blonde Apothekerinnen - und Hamburg ohne Frank Rost.

SPORT1: Herr Rudolph, was waren denn die Gründe für die Beurlaubung von Frank Rost?

Rudolph: Diese atmosphärischen Störungen, die da schon breitgetreten worden sind, die waren da. Aber wir haben eigentlich keine große Lust mehr, darüber zu diskutieren, im Sinne von drei Beteiligten: Frank Rost, dem HSV Hamburg und dem deutschen Handball. Wie der Herr Storm mal von Flensburg zu den Rhein-Neckar Löwen gegangen ist, als es in Hamburg nicht geklappt hat, oder der Herr Schmäschke von uns wieder nach Flensburg - so eine Personalie ist das auch.

SPORT1: Das sagen Sie jetzt. Davor war von "Folter und Qualen" die Rede. Wie schlimm war es denn nun?

Rudolph: Ich bin kein Angestellter der Geschäftsstelle, und man muss dazu sagen: Wenn man in der heutigen Welt zu jemandem sagt "Arbeite mal schneller" und "Komm pünktlich", dann zählt das gleich als Mobbing. Wenn jemand etwas als Folter und eine Quälerei empfindet, kann der andere sagen: Das ist aber eine richtige Einschätzung des Arbeitsprozesses. Ich weiß, dass einige Mitarbeiter, vielleicht zu Recht, vielleicht auch unberechtigt, die Atmosphäre und die Art nicht gerade als angenehm empfunden haben.

SPORT1: Es soll Tränen gegeben haben?

Rudolph: Wenn man nicht dabei war, kann man nicht sagen: "Hat der Rost geschrien und die andere geweint" oder "Hat er normal mit ihr gesprochen und sie hat auf die Tränendrüse gedrückt, um besser aus der Sache rauszukommen".

SPORT1: Atmosphärische Störungen kann es ja immer mal geben. Aber Sie haben auch von vereinsschädigendem Verhalten gesprochen. Was meinen Sie damit?

Rudolph: Das Wort habe ich nicht benutzt. Aber es war bei der Pressekonferenz am Montag sicherlich so, dass einige Dinge vom Auftreten, vom Verhalten sehr negativ waren. Wenn die halbe Presse anruft: "Leute, was ist denn da los? Das ist ja eine glatte Sechs, wie sich euer Geschäftsführer präsentiert hat", dann ist das sicherlich nicht gut für den Verein. Es ist weder gut für den Verein, wenn der Präsident doofe Sprüche macht und sich schlecht benimmt noch der Trainer noch der Geschäftsführer.

SPORT1: Was sagen Sie wiederum zu dem Vorwurf von Frank Rost, dass die Vereinsführung sich nicht an Absprachen gehalten hätte?

Rudolph: Wenn ein Spielerberater auf mich zukommt und sagt, wir müssen sprechen, sage ich: "Komm', ich hab' Zeit für Dich." Dann kommt der zu mir nach Hause, am Samstagnachmittag, und sagt: "Ich habe einen Spieler", an dem wir schon immer sehr interessiert waren, "der will unbedingt nur zu euch, der will mit euch zeigen, wie gut er ist und Titel gewinnen". Und dann ist der Spieler auch da, er wartete schon eine Stunde im Auto.

SPORT1: Sie haben ihn dann hereingebeten?

Rudolph: Dann habe ich das mit dem Trainer abgeklärt, und Christoph Wendt (der weitere Geschäftsführer des HSV, Anm. d. Red.), den kennt er schon aus den vergangenen Jahren, sollte für Montag einen Vertrag vorbereiten. Wenn dann einer am Montag sagt: "Da bin ich beleidigt", dann sage ich Ihnen ein Beispiel: Ich bin Apotheker, wenn zu mir jemand in die Apotheke kommt und sagt: "Ich will nicht von der Blonden, sondern von der Schwarzhaarigen bedient werden", dann sage ich: "Die Schwarzhaarige bedient Sie." Und wenn die Blonde dann sagt: "Der will nicht von mir bedient werden. Chef Du hast gesagt, die Schwarzhaarige soll ihn bedienen, ich kündige." Dann sage ich: "Weißt Du was, dann kannst Du gehen." Der Sinn ist ja, dass wir den Kunden bedienen und der Kunde zufrieden ist.

SPORT1: Frank Rost wäre in Ihrem Beispiel die Blonde?

Rudolph: Ich habe ihn am Montag um 7.44 Uhr angerufen und gebeten, dass er mich zurückruft. Dann ruft er mich an und ich setze ihn in Kenntnis. Wenn er dann sagt: Ich spreche nicht mehr mit euch, weil ihr mich hintergangen habt - ja, dann ist das so. Aber ich verstehe es trotzdem nicht.

SPORT1: Sie haben ihm aber auch Verdienste bescheinigt?

Rudolph: Ich schätze ihn als sehr aktiven, fleißigen Menschen ein. Absolut. Das liebe ich auch, wenn Leute wollen und machen und tun. Er hat natürlich einigen den Finger in die Wunde gelegt. Und hat auch bei vielen Dingen, die wir vielleicht auch wussten, die Umsetzung in Angriff genommen. Das ist schon okay so und wir hören auch zu, wenn da jemand etwas sagt, und denken, dass das richtig sein kann.

SPORT1: Wie sind Sie jetzt ohne ihn aufgestellt? Es wird ja erst einmal keinen neuen zweiten Geschäftsführer geben?

Rudolph: Am Samstag waren wir mit einer super Mannschaft super aufgestellt. Am Montagmittag, als Herr Markovic dazugekommen ist, sind wir besser aufgestellt gewesen. Wir hätten aber auch ohne ihn eine super Saison gespielt. Genauso laufen auf der Geschäftsstelle und in der gesamten Vereinsführung nicht nur Deppen herum und machen alles falsch. Wir hatten gehofft, uns zu verbessern, dass eine Steigerung des Umsatzes dazukommt, vielleicht auch ein anderer Blick, aber wir sind auch ohne Frank Rost gut aufgestellt.

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