Frank Rost war sechs Wochen Sportdirektor beim HSV © getty

Boss Rudolph hält dem Ex-Geschäftsführer vor, den HSV absichtlich schlecht vertreten zu haben - sieht aber auch Verdienste.

Hamburg/München - Matthias Rudolph, Präsident des HSV Hamburg richtet neue Vorwürfe gegen den freigestellten Geschäftsführer Frank Rost - und stellt sich auf einen Rechtsstreit ein.

"Die Anwälte prüfen das gerade", so Rudolph: "Das ist für beide Beteiligte sehr schlecht. Wir wollten das eigentlich vermeiden."

Zumal, so Rudolph gegenüber dem "Hamburger Abendblatt", der Klub eigentlich bereit gewesen wäre, Rost entgegenzukommen: "Wir waren bereit, ihn mit Macht auszustatten. Aber wenn man sie nur nutzt, um Folter und Qualen zu verbreiten, bringt das den Klub nicht weiter."

Es sei nicht Rosts Aufgabe gewesen, "den Etat herunterzufahren, sondern so viel Geld zu erwirtschaften wie möglich. Wir waren auch ohne Frank Rost gut aufgestellt und sind es für die Zukunft jetzt auch ohne ihn".

Fehlende Absprache führt zum Bruch

Die nur 43 Tage währende Verbindung zwischen dem HSV und Rost war letztendlich an Machtfragen gescheitert: Rost wollte Kompetenzen, die Klubboss Rudolph und sein Bruder Andreas, der langjährige Mäzen des Klubs, ihm angeblich nicht gewähren wollten.

Zum Bruch führte die Verpflichtung von Rückraumspieler Zarko Markovic, in die Rost nicht eingebunden wurde.

Neben der Kompetenzfrage gab es allerdings auch generelle menschliche Verwerfungen.

Rost - klubintern angeblich "Frosti" genannt - soll sein Amt Berichten zufolge nach anfänglich kollegialem Umgang fortan mit eiserner Hand ausgeübt haben.

So entließ er einen Pressesprecher und einen seiner Mitarbeiter, rüffelte andere Mitarbeiter für ihre Arbeitsweise. Über Unordnung in Geschäftsräumen soll er sich mit dem Satz "Bisher dachte ich, Messi sei ein Fußballer" beklagt haben.

Rost weist zurecht auf Versäumnisse hin

Rost wies dem "Abendblatt" zufolge auf tatsächlich bestehende Mängel wie etwa Telefonkosten von 700 Euro im Monat hin, weil der Klub keine Flatrate abgeschlossen hatte.

"Er hat einige Problemfelder richtig erkannt und benannt", räumt Rudolph ein. Rost habe aber "nicht begriffen, dass uns ein fairer Umgang mit den Weggefährten und Mitarbeitern sehr am Herzen liegt".

Der Klubboss findet gar: "Zuletzt hat er den Verein willentlich schlecht vertreten." (BERICHT: HSV-Chaos: Rost weg und doch noch da)

Reaktion im sozialen Netzwerk

Rost selbst wollte sich auf SPORT1-Anfrage nicht äußern, via Facebook teilt er mit: "Auch wenn es üblich sein mag alles in der Öffentlichkeit zu kommentieren und Geschichten zu kolportieren gibt es von mir zu diesem Zeitpunkt keinen Kommentar zu dem was da so über mich durch die Medien geistert." (BERICHT: Rost schmeißt hin)

Neu besetzen will Rudolph Rosts Posten übrigens nicht: "Wir haben mit Christoph Wendt einen weiteren Geschäftsführer, dem und seiner Geschäftsstellencrew wir voll vertrauen. Zudem deckt unser Trainer Martin Schwalb viele der Aufgaben im sportlichen Bereich bereits ab."

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