Uwe Schwenker war bis zum 7. April 2009 Geschäftsführer beim THW Kiel © imago

Der ehemalige Kiel-Manager erklärt SPORT1, warum er Empor zwar berät, von einem mittelfristigen Aufstieg aber nichts hören will.

Von Martina Farmbauer und Hardy Heuer

München - Mit Flirts ist es ja so eine Sache.

Manche dauern nur einen Augenblick, andere ziehen sich lange hin und führen zu nichts.

Im Falle eines mecklenburgischen Traditionsklubs und des bekanntesten deutschen Handball-Managers hat die Annäherung (Bericht) tatsächlich auch zu einer Liaison geführt: Seit einer Woche hat Uwe Schwenker ein Büro bei Empor Rostock, an diesem Freitag startet der Zweitligist gegen Eintracht Hildesheim in die Saison.

Analyse vs. Ambitionen

Was die gemeinsamen Ziele angeht, formuliert Schwenker allerdings so schwammig, wie er zuvor auf Zeit gespielt hat.

"In erster Linie muss man erst einmal die Situation analysieren. Das habe ich mir zur Aufgabe gestellt in den kommenden Wochen und Monaten", sagt er bei sport1.fm. "Mal sehen, wie die Bedingungen sportlich und finanziell sind." Dann mache es auch Sinn, weiter zusammenzuarbeiten.

Rostocks Ambitionen dagegen sind völlig klar. "Unser Ziel ist es schon, langfristig in den kommenden zwei, drei Jahren in die erste Liga aufzusteigen", sagt Geschäftsführer Jens Gienapp im Gespräch mit SPORT1.

Empor gehörte einst zu den besten Vereinen in der DDR. Nur der SC Magdeburg gewann vor der Wende mehr Titel als Rostock. Und es ist auch völlig klar, wer der passende Mann für das Unterfangen ist, den Klub in die DKB HBL zu bringen. ( 655271 DIASHOW: Der Transfermarkt der DKB HBL )

Nur an beratende Funktion gedacht

Zu einer hauptamtlichen Tätigkeit in Rostock hat dieser sich nicht hinreißen lassen. "Eine beratende Tätigkeit in Rostock ist doch eine Win-Win Situation", sagt Schwenker im Gespräch mit SPORT1, "aus der alle Beteiligten ihren Nutzen erzielen können."

Nach Unterredungen mit seiner Frau hatte er sich entschieden, zunächst in Kiel zu bleiben, wo er seit 25 Jahren mit einem Partner zusammen eine Versicherungsagentur führt. So etwas gibt man nicht so einfach auf.

Auch wenn die eingleisige zweite Liga "durchaus eine Herausforderung" darstellt, wie Schwenker bei SPORT1 sagt. Vor allem kann er wieder im Handball arbeiten, und er kann sein Know-How einbringen, von dem er so viel hat.

Strukturen für die erste Liga schaffen

Rostock möchte davon bei seinen weitreichenden Kontakten gerne profitieren. "Wir wollen von seiner Erfahrung ein Stück abhaben", sagt Geschäftsführer Gienapp bei SPORT1. Die Stichworte sind: Beratung, Strukturveränderung und Marketingmaßnahmen.

Hinter den zum Teil etwas sperrigen Begriffen verbirgt sich, "das Umfeld so zu gestalten, dass wir uns die erste Liga leisten können".

Schwenker hatte auch "sehr gute und konstruktive Gespräche beziehungsweise Verhandlungen mit einigen Erstligisten geführt", wie er erwähnt. "Nach Abwägung aller Fakten habe ich aber derzeit von einer hauptamtlichen Tätigkeit bei einem Bundesligisten Abstand genommen."

Schwenker sehr selbstbewusst

Doch einer wie Schwenker lässt sich immer eine Tür offen. Der ehemalige Manager des THW weiß um seine gefragten Qualitäten und bringt sich auch gerne mal selbst ins Gespräch.

Obwohl er sein Amt als Kieler Geschäftsführers 2009 niedergelegt hatte, nachdem Gerüchte aufgekommen waren, er habe das Champions-League-Finale 2007 durch Schiedsrichterbestechung manipuliert, sieht Schwenker sich gut aufgestellt.

Seine Vita spricht jedenfalls für sich. Schwenker hatte Kiels ruhmreiche Ära begründet und zwischen 1994 und 2009 zwölf Meisterschaften, sechs Pokalsiege und vier Europacuptitel gewonnen. Nach all den Erfolgen mit Kiel käme für Schwenker - auch aufgrund seiner privaten Umstände - ein Vollzeitjob nur beim THW in Frage.

"Man soll niemals 'nie' sagen"

Schließlich habe Kiel dem ehemaligen Manager eine mündliche Zusage gegeben, dass er zurückkehren könnte, sollte er nach den Ermittlungen freigesprochen werden. Dies ist am 10. April 2013 geschehen.

"Meinen Teil der Vereinbarung habe ich eingehalten. Jetzt muss man schauen, wie der THW sich verhält", sagte Schwenker Ende April. Bisher gab es aus Kiel keine Offerte.

Schwenker kennt die Mechanismen des Sports aber genau, es ist und bleibt ein Tagesgeschäft. "Bekanntlich sollte man niemals 'nie' sagen", betonte Schwenker. "Der Sport ist schnelllebig und Sachverhalte können sich ändern."

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