Johannes Bitter wurde 2007 mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister © getty

HSV-Torwart Johannes Bitter spricht bei SPORT1 über das Top-Spiel bei den Rhein-Neckar Löwen und seine geänderte Einstellung.

Von Katharina Blum

München/Hamburg - "Gut, besser, Bitter": Der Hamburger Boulevard überschlägt sich fast, wenn er über das Comeback von HSV-Keeper Johannes Bitter berichtet.

Seit der 30-Jährige Mitte Dezember nach mehr als achtmonatiger Verletzungspause ins Tor der Hamburger zurückgekehrt ist, hat das Team von Trainer Martin Schwalb noch kein Spiel verloren, weder in der DKB Handball-Bundesliga noch in der Champions League.

Mit 21 Paraden gegen Hannover hat er dem HSV am Mittwoch gegen Hannover noch einen Punkt gerettet, in den Spielen zuvor gegen Montpellier, Belgrad, Magdeburg und Moskau schaffte er eine Quote von über 40 Prozent (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor dem Top-Spiel beim Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen (Sa., ab 14.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) spricht Bitter im SPORT1-Interview über die lange Zeit der Reha nach seinem Kreuzbandriss und erklärt, warum er jetzt nicht mehr alles so verbissen sieht.

SPORT1: Herr Bitter, haben Sie sich in der letzten Zeit noch mehr als sonst bei Ihrem Knie bedankt?

Johannes Bitter: Nein (lacht). Ich freue mich natürlich, dass es bei mir persönlich gut läuft, auch dass alles so hält und funktioniert. Meine Freude hat aber nicht nur mit der Leistung zu tun, sondern ist ganz grundsätzlich, weil ich keine großen Sorgen mehr habe.

SPORT1: Welche Spuren hat die über acht Monate dauernde Auszeit bei Ihnen hinterlassen?

Bitter: Es war eine lange Zeit abseits des Handballs, in der ich gemerkt habe, dass nach einer gewissen Zeit die Spannung auch mal nachgelassen hat. In der Spielzeit merkt man gar nicht, wie hoch diese Spannung eigentlich permanent ist, wenn man drin steckt in dieser Mühle. Diese Spannung ist dann irgendwann von mir abgefallen, ich konnte mich voll und ganz auf die Reha konzentrieren und habe mich nicht mehr so sehr mit der Bundesliga auseinandergesetzt. Natürlich habe ich meinen Jungs zugeschaut, aber ich wusste, dass ich gerade eh nicht mehr so richtig helfen kann. Irgendwann war ich einfach ein bisschen lockerer als früher und das habe ich mir beibehalten.

SPORT1: Ist diese neue Lockerheit mit ein Grund für Ihre aktuell bärenstarke Form?

Bitter: Seit ich wieder spiele, ist es so, dass ich nicht jedes Mal in die Halle fahre und denke, dass ich 20 Bälle halten muss, oder ich muss das und das. Kein ich muss, ich muss, ich muss mehr. Sondern ich bin einfach stolz, dass ich mit Hilfe der Physios und all der guten Seelen das Knie wieder so hinbekommen habe. Es sah lange Zeit nicht so aus und deshalb bin ich jetzt relativ entspannt. Vielleicht ist das auch ein bisschen das Rezept, dass ich einfach nicht verkrampfe, sondern mit dem Spaß, den man dabei einfach haben sollte, versuche zu spielen. Und das funktioniert momentan sehr gut.

SPORT1: Und wie viel Spaß werden Sie beim nächsten Spiel bei den Rhein-Neckar Löwen haben?

Bitter: Wenn wir zwei Punkte haben, dann haben wir Spaß. Es geht für uns natürlich schon um viel. Gegen Hannover haben wir einen Punkt nicht bekommen, den wir uns natürlich vorher gewünscht haben. Deshalb sind wir jetzt bei den Rhein-Neckar Löwen natürlich noch ein bisschen mehr gefordert, das Spiel zu gewinnen. Die zwei Punkte, die sie bei uns mitgenommen haben, wollen wir wieder zurückholen, um auch in der Bundesliga Chancen zu haben, oben dran zu bleiben.

SPORT1: Die Löwen sind Tabellenführer vor Kiel. Sind sie auch Ihr Meistertipp?

Bitter: Auch wenn die Löwen jetzt noch vorne sind, denke ich schon, dass Kiel sich aufgrund seiner Konstanz durchsetzen wird. Sie haben sehr beeindruckend und souverän in Berlin gespielt.

SPORT1: Glauben Sie noch an ein Comeback im DHB-Team?

Bitter: Da ist so viel in den vergangenen Wochen gesagt worden, das braucht man nicht wieder aufgreifen. Es hat sich nichts geändert.

SPORT1: Sie sind auch abseits des Platzes engagiert, kämpfen als Mitbegründer der Spielergewerkschaft GOAL Deutschland gegen die Dauerbelastung in Ihrer Sportart. Mit Erfolg?

Bitter: Wir sind sehr zufrieden, dass wir uns stetig entwickeln. Bei dem ehrenamtlichen Engagement, das wir derzeit liefern können, ist das schon super, was wir dort machen. Wir haben Mitspracherecht auf europäischer Ebene erreicht, wir sind gerade dabei, unseren Auftritt zu überholen, damit wir irgendwann im Internet richtig professionell am Start sind. Und langfristig arbeiten wir weiter dafür, den Terminplan auf ein erträgliches Maß herunterzuschrumpfen und auch eine Verlässlichkeit im Spielplan zu haben. Wir sind da permanent am Ball.

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