Der 19-jährige Kevin Bitz ist gerlernter Rückraum-Akteur © imago

Trotz Ausfall-Schock zeigt der Tabellenführer vor dem Spitzenspiel gegen Kiel Zähne. Gudmundsson vertraut einem Youngster.

Von Annette Bachert und Barnabas Szoecs

München - Eine Verletzung kommt bekanntlich nie zur rechten Zeit, doch im Falle der Rhein-Neckar Löwen hätte es wirklich nicht schlimmer kommen können.

Ausgerechnet vor dem Gipfel gegen den THW Kiel (ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1), dem Duell des Tabellenersten gegen den Zweiten, fällt Löwen-Kapitän Uwe Gensheimer mit einem Achillessehnenriss aus, den er im EHF-Pokalspiel gegen den griechischen Meister Diomidis Argous erlitt.

Mittlerweile wurde der 26-jährige Linksaußen operiert, wird jedoch mindestens ein halbes Jahr fehlen.

Entsprechend tief sitzt bei Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson der Schock über den Ausfall, wie er SPORT1 verrät - trotz einer großen Portion Optimismus.

"Uwe ist nicht zu ersetzen", gibt der Isländer zu: "Er ist als Kapitän und Leitfigur unheimlich wichtig für uns. Er hat mit acht bis elf Toren pro Spiel eine unglaubliche Quote. Das wird nicht einfach zu kompensieren sein - aber so ist das eben."

Jicha "war wirklich geschockt"

Sogar der Gegner zeigt sich vom Gensheimer-Aus schockiert.

"Ich war wirklich geschockt, als ich davon gelesen habe", sagt Kiels Filip Jicha bei SPORT1, wagt aber keinen Blick in die Zukunft.

"Wie schwer der Ausfall von ihm tatsächlich wiegt, mag ich nicht beurteilen. Aber natürlich ist Gensheimer eines der Gesichter der Löwen und ein Führungsspieler", weiß Jicha (EXKLUSIV: Filip Jicha im SPORT1-Interview).

Bitz ersetzt Gensheimer

In seine übergroßen Fußstapfen muss nun das 19-jährige Eigengewächs Kevin Bitz treten, das gegen Kiel gleich ins grelle Rampenlicht rückt.

Eine gewaltige Hürde für den unerfahrenen Youngster, der bisher nur wenige Minuten Einsatzzeit in der DKB Handball-Bundesliga bekommen hat und entsprechend unter Druck steht. Doch sein Trainer glaubt an ihn und die Unterstützung der gesamten Mannschaft.

"Wir werden alles tun, alle werden hinter Kevin stehen. Andere Spieler werden mehr Leistung bringen müssen. Natürlich ist das für ihn ein Riesenspiel, natürlich hat er wenig Bundesliga-Erfahrung. Aber trotzdem habe ich hundertprozentiges Vertrauen in ihn", erklärt Gudmundsson.

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"Wird sind vorbereitet"

Auch der Nachteil, dass Bitz gelernter Rückraumspieler ist, stört seinen Coach nicht besonders: Bitz habe "Linksaußen trainiert. Wird sind also vorbereitet".

Bislang ist von einer Nachverpflichtung keine Rede, doch Gudmundsson lässt sich alle Optionen offen: "Wir hatten viel zu wenig Zeit, um über Alternativen für Uwe Gensheimer nachzudenken. Wir haben uns dafür entschieden, Kevin eine Chance zu geben. Wir setzen zunächst auf unsere eigenen Spieler, danach werden wir sehen wie es läuft."

Hält Löwen-Serie gegen Kiel?

Dass der THW die imposante Serie der Löwen mit 13 Siegen aus 13 Spielen auch ohne den Ausfall Gensheimers hätte stoppen können, war Fans und Experten klar. Doch nun scheint der Serien-Meister aus dem Norden alle Trümpfe in der Hand zu haben, wenn er in Mannheim antritt.

Auch bei Gudmundsson machen sich kleine Zweifel breit: "Es ist klar, dass wir nicht der Favorit sind - man muss das so deutlich sehen."

Bis auf Gensheimer sind alle Löwen-Spieler fit, wie der Trainer gegenüber SPORT1 bestätigt. Doch mit dem breiten Star-Kader der Kieler um Jicha, Omeyer und Ahlm kann der Tabellenführer nicht konkurrieren.

"Kiel ist natürlich das Maß aller Dinge, auf vielen Positionen doppelt- oder sogar triplebesetzt", schwärmt Gudmundsson: "Es ist eine unglaubliche Truppe."

Kretzschmar: "THW ist Favorit"

Ähnlich sieht es auch SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar: "Der THW ist sicherlich Favorit, weil Kiel immer noch die beste Qualität im Kader hat. Rein vom Spielerpersonal sind sie zu 99 Prozent aller Spiele der Favorit." (KRETZSCHMAR-KOLUMNE: Brutaler Rückschlag für die Löwen)

Für einen Heimsieg müsse "bei uns alles stimmen", weiß Gudmundsson und fügt hinzu: "Wir werden alles tun, um Kiel zu ärgern."

Bis auf die Kieler würde ein Löwen-Sieg aber wohl kaum jemanden ärgern, nur so dürfte das Rennen um die Meisterschaft ihre Spannung behalten.

Hoffnung auf einen Ausrutscher

Auch Kretzschmar hofft auf einen Ausrutscher des Triple-Siegers aus dem hohen Norden: "Die Löwen sind eine homogene Mannschaft geworden, haben Teamspirit und eine Spielkultur. Es macht auch Spaß, ihnen zuzuschauen. Sie sind verlustpunktfrei an der Spitze und das nicht umsonst."

Dort wollen sie auch bleiben - ohne Gensheimer, dafür mit Bitz. "Sie haben sehr viel Selbstvertrauen", so Kretzschmar: "Ich sehe das nicht aussichtslos für die Löwen".

Für Gudmundsson jedenfalls ist aufgrund der Personalnot Angriff die beste Verteidigung: "Wir haben eine gute Serie hinter uns und verfügen über eine erstklassige Truppe. So haben wir alle Bundesliga-Spiele gespielt - so werden wir auch gegen Kiel antreten. Wir werden alles geben."

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