Filip Jicha wechselte 2007 vom TBV Lemgo zum THW Kiel © getty

Vor dem Löwen-Spiel spricht THW-Star Filip Jicha bei SPORT1 über Ehrgeiz, Kiels Selbstvertrauen und Uwe Gensheimer.

Von Annette Bachert

München - Filip Jicha ist Champions-League-Sieger, EHF-Pokalsieger, Deutscher Meister, DHB-Pokalsieger, Super-Globe-Gewinner. Eine Reihe an Titeln, die man beinahe beliebig fortsetzen kann.

Er ist einer der vielen Stars beim THW Kiel, vielleicht sogar der größte Star von allen.

Auch zum Welthandballer wurde der 30-Jährige bereits gewählt. Dennoch ist der Ehrgeiz und der Erfolgshunger des Tschechen keinesfalls gestillt.

"Wir streben immer nach Perfektion", erklärt Jicha bei SPORT1.

Vor der Partie bei den Rhein-Neckar Löwen (Mi., ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) spricht Filip Jicha im SPORT1-Interview über das Kieler Selbsvertrauen, die Niederlagen in der Champions League, Uwe Gensheimer und die Chancen in Mannheim.

SPORT1: Herr Jicha, für die Zuschauer sah die Partie gegen Lemgo wie Warmschießen für das Spitzenspiel gegen die Löwen aus. Wie haben Sie selbst es empfunden?

Filip Jicha: Für uns war es wichtig, eine gute Leistung zu zeigen und wieder unser Spiel durchzubringen. In den beiden Champions-League-Partien zuvor und auch in Balingen haben wir einen Handball gezeigt, den man so nicht von uns gewohnt ist. Allerdings hat Celje auch richtig gut gespielt. Trotzdem war es natürlich wichtig für uns, gegen Lemgo zu gewinnen.

SPORT1: Lemgo hat sich aber auch nicht sonderlich gewehrt. Welche positiven Aspekte ziehen Sie aus diesem Spiel?

Jicha: Das Wichtigste war, dass wir das Spiel beherrscht haben. Wir müssen versuchen, von Anfang konzentriert und mit viel Tempo und Dampf zu spielen. Das ist uns gelungen. Dieses Ergebnis kam nicht nur zustande, weil Lemgo einen schlechten Tag hatte, sondern es war auch unserer Leistung zu verdanken. Mit diesem Spiel haben wir schon in der Vergangenheit unsere Erfolge gefeiert und wir wollen es immer weiter verbessern.

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SPORT1: In der letzten Saison spielten und gewannen Sie mit einem Selbstverständnis, das es in dieser Saison so noch nicht ganz gibt. Wann glauben Sie, kommt dieses Selbstverständnis wieder?

Jicha: Wir haben auch in dieser Saison schon richtig gute Leistungen gezeigt und die entsprechenden Resultate abgeliefert. Aber wir sind noch mitten in einem Lernprozess. Jede Saison wird neu ausgespielt und das, was in den Jahren vorher war, ist Vergangenheit. Der Sieg in Hamburg beispielsweise aber war extrem wichtig für uns. Der hat uns gezeigt, dass wir uns nie verstecken brauchen.

SPORT1: Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Jicha: Sobald ein Sportler sagt, dass er zufrieden ist, kann er aufhören und in Rente gehen. Auch in der letzten Saison waren wir noch ausbaufähig. Ich möchte auch betonen, dass wir in der Champions League nicht unbedingt schlecht gespielt haben, auch wenn wir zweimal verloren haben. Bisher können wir mit dem Saisonverlauf relativ zufrieden sein, aber wir streben immer nach Perfektion. Das merkt man jeden Tag im Training. Jetzt kommt der Dezember und das kann in der Liga ein entscheidender Monat sein. Da müssen wir präsent und wach sein. Wir sind uns auch darüber bewusst, wie schwer und wichtig das Spiel gegen die Löwen sein wird. Aber wir mögen solche Spiele.

SPORT1: Was speziell lässt Sie glauben, dass Sie die Partie gegen die Löwen gewinnen?

Jicha: Natürlich ist jeder Gegner gegen uns besonders motiviert. Aber ich habe vollstes Vertrauen in unsere Mannschaft und an einem guten Tag sind wir nur sehr schwer zu schlagen. Das müssen wir beweisen. Wir werden den Kampf annehmen und uns nicht verstecken. Wir fahren nach Mannheim, um zwei Punkte mitzunehmen.

SPORT1: Wie schwer wiegt Uwe Gensheimers Ausfall bei den Löwen?

Jicha: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass er mir unheimlich leid tut und ich lieber gegen die Löwen mit einem Uwe Gensheimer spielen würde als ohne ihn. Ich war wirklich geschockt, als ich davon gelesen habe. Wie schwer der Ausfall von ihm tatsächlich wiegt, mag ich nicht beurteilen. Aber natürlich ist Gensheimer eines der Gesichter der Löwen und ein Führungsspieler.

SPORT1: Was macht denn die Löwen diese Saison so stark?

Jicha: Es ist der richtige Weg, die Mannschaft in Ruhe arbeiten zu lassen und keine zu hohen Erwartungen an sie zu stellen. Die Löwen vermitteln derzeit den Eindruck einer echten Einheit und deswegen spielen sie auch so erfolgreich. Sie haben nicht mehr den Druck von früher, unbedingt etwas gewinnen zu müssen. Der ganze Verein muss zusammenhalten und das scheinen auch die Löwen inzwischen kapiert zu haben.

SPORT1: Alle großen Teams haben derzeit mit unglaublichem Verletzungspech zu kämpfen. Ihr seid bis jetzt nahezu verschont geblieben. Auf was führen Sie das zurück?

Jicha: Das sollten Sie lieber unsere Ärzte oder Physiotherapeuten fragen. Vielleicht ist es Glück, vielleicht trainieren wir auch einfach nur gut.

SPORT1: Wie schaffen Sie es, sich nach diesem unglaublichen Erfolg der Vorsaison jeden Tag wieder derart zu motivieren?

Jicha: Es macht einfach Spaß und mancher Sportler braucht das. Wir spielen einfach gerne Handball, jeder in unserem Team kann den anderen pushen. Man muss sich anstrengen, um unseren Kreisläufer oder Titi (Thierry Omeyer, Anm. d. Red.) im Training zu überwinden und diese persönlichen Herausforderungen machen Spaß. Wir haben hier einfach eine gute Gemeinschaft. Und wenn wir mal nicht so erfolgreich waren, kommt eine härtere Woche, in der wir noch konzentrierter arbeiten.

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