Wetzlar kam in den vergangenen zehn Spielzeiten nie über Rang elf hinaus © imago

Nach dem Sieg bei den Füchsen Berlin klettert die HSG auf Rang drei. Vater des Erfolgs ist Coach Kai Wandschneider.

Wetzlar/München - Von wegen Hamburg, Berlin und Flensburg.

Während die großen Klubs schwächeln, mischt die No-Name-Truppe der HSG Wetzlar zurzeit die DKB Handball-Bundesliga auf.

Mit dem 28:27-Erfolg bei den Füchsen Berlin (Bericht) hat sich die als Abstiegskandidat gestartete Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider endgültig zum ernsthaften Champions-League-Kandidaten gemausert - auch wenn das in der mittelhessischen Provinz keiner hören mag.

"Der Wahnsinn geht weiter. Was hier gerade passiert, ist schwer erklärbar. Da entwickelt sich eine Art Eigendynamik", sagte Wandschneider nach dem Überraschungscoup in der Haupstadt.

"Im Handball wirft das Geld die Tore"

Der einmal mehr überragende HSG-Schlussmann Nikola Marinovic wähnt sich zurzeit "wie im Traum" und erklärt den Erfolg mit einer "richtig guten Stimmung im Team. Die Erfolge haben uns stabiler und selbstbewusster gemacht."

Von Champions-League-Ambitionen will in Wetzlar aber keiner etwas wissen.

"Das ist illusorisch. Im Handball wirft das Geld die Tore. Und da können wir mit den meisten Teams einfach nicht mithalten", sagt Wandschneider.

Keine neuen Ziele

Er blicke zurzeit weder nach oben, noch nach unten.

"Nur nach vorn", so der 53-Jährige. Eine Korrektur der Saisonziele werde es deswegen vorerst auch nicht geben: "Wir wollen weiter unseren Hochgeschwindigkeitshandball spielen und hungrig auf Erfolg bleiben."

Bis zur Winterpause soll ein einstelliger Tabellenplatz gehalten werden.

Top 3 statt Abstiegsrang

Wandschneider ist der Vater des unerwarteten Handball-Märchens. Seitdem er die Mannschaft im Frühjahr übernommen hat, geht es steil bergauf.

In der vergangenen Saison rettete er den Klub mit Platz 15 gerade noch so vor dem Abstieg, nun findet sich der Underdog plötzlich in unmittelbarer Tabellen-Nachbarschaft zum großen THW Kiel wieder.

"Sind durch ein Stahlbad gegangen"

Der Handball-Zwerg mit dem fünftniedrigsten Liga-Etat (drei Millionen Euro) belegt nach mehr als einem Drittel der Saison den dritten Rang.

"Wir sind in der vorigen Saison durch ein Stahlbad gegangen", sagt Wandschneider. Der Abstiegskampf hat sein Team stark gemacht.

Inzwischen blickt sein Team auf den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte, gewann in Berlin, Magdeburg und Göppingen, besiegte den HSV Hamburg und trotzte Vizemeister Flensburg ein Remis ab.

Anerkennung von Hanning

Der Triumph am Mittwochabend in der Haupstadt war so etwas wie die Reifeprüfung der HSG.

Über ein Jahr lang waren die Füchse in der heimischen Max-Schmeling-Halle zuvor unbesiegt. Dann kam Wetzlar.

"Die HSG hat ein gutes Händchen in Sachen Personalplanung bewiesen und in Kai Wandschneider einen sehr engagierten Trainer", sagte Füchse-Manager Bob Hanning.

Kretzschmar voll des Lobes

Auch SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar schwärmt vom HSG-Coach in den höchsten Tönen: "Sie haben mit Kai Wandschneider einen sehr guten Trainer, der nicht nur eine große Spiel- , sondern allgemein eine sehr hohe Intelligenz mitbringt."

Und weiter: "Ich mag diesen Trainer wirklich sehr gerne. Und ich finde, dass er einer der kompetentesten und sympathischsten Fachleute ist, die unser Sport zu bieten hat."

Kristjansson überzeugt

Die mannschaftliche Geschlossenheit ist die große Stärke der HSG. Das Wandschneider-Team besitzt mit 384 erzielten Treffern hinter den Kielern die zweitbeste Offensive der Liga und ist dabei kaum ausrechenbar.

Wöchentlich sind es andere Akteure, die dem Spiel der HSG ihren Stempel aufdrücken (STENOGRAMME: Der 13. Spieltag).

Gegen Berlin überzeugte der Isländer Kari Kristjan Kristjansson am Kreis mit sieben Treffern bei sieben Versuchen, beim 33:26-Sieg gegen den HSV zu Saisonbeginn waren Youngster Steffen Fäth und Rechtsaußen Tobias Reichmann die besten Leute.

Lösbare Aufgaben folgen

Der Höhenflug der HSG dürfte - zumindest vorerst - noch nicht zu Ende sein.

In den nächsten Spielen trifft die Wandschneider-Sieben auf Schlusslicht Essen, danach geht es zum Zehnten nach Lübbecke (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

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