Johannes Bitter riss sich am 26. März 2012 das rechte vordere Kreuzband © imago

Dem vollgestopften Terminkalender mit bis zu 80 Partien im Jahr zollen Spieler und Vereine Tribut. Lösungsansätze sind da.

Hamburg - Martin Schwalb rät seinen Hamburger Spielern zum WM-Verzicht, Martin Heuberger plädiert für eine Liga-Reform, und die DKB Handball-Bundesliga fordert eine Reduzierung der internationalen Großereignisse.

Der proppenvolle Spielplan im Handball sorgt mal wieder für Diskussionen - doch ändern tut sich nichts. Jeder will weniger Spiele, aber bei seinen eigenen Wettbewerben möchte niemand reduzieren.

Leidtragende sind die Spieler.

Johannes Bitter, Torsten Jansen, Lars Kaufmann - die Verletztenliste der Bundesliga ist ebenso lang wie prominent und ließe sich noch ewig weiterführen.

Schwalb plädiert für WM-Verzicht

Immer wieder müssen Klubs der ständigen Überbelastung mit bis zu 80 Pflichtspielen im Jahr Tribut zollen und wochenlang auf ihre Leistungsträger verzichten.

"Die Spieler werden ausgequetscht wie Zitronen", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb unlängst und schob einen frommen Wunsch gleich hinterher: "Ich möchte in dieser Spielzeit einmal auf der Bank sitzen und erleben, dass alle Jungs eingesetzt werden können."

In seiner Verzweiflung mit über bis zu fünf verletzten Stammkräften legte der Meistertrainer von 2011 seinen Spielern sogar einen Verzicht auf die Weltmeisterschaft im Januar in Spanien nahe.

Flensburg heftig gebeutelt

Die Hamburger sind in der Bundesliga beileibe kein Einzelfall. Viele Konkurrenten plagen sich mit den gleichen Problemen herum.

Vizemeister Flensburg trifft es zurzeit besonders hart. Der Isländer Arnor Atlason, der aufgrund von Verletzungssorgen erst kurz vor Saisonbeginn nachverpflichtet worden war, hat sich am vergangenen Sonntag als dritter halblinker Rückraumspieler schwer verletzt.

Bundesliga verkleinern?

Bundestrainer Martin Heuberger hat sich angesichts der aktuellen Verletzungsmisere wiederholt für eine Reduzierung der Mannschaften in der Bundesliga stark gemacht und auch die Reformierung der Champions League gefordert.

"Die Bundesliga von 18 auf 16 Mannschaften zu verkleinern, halte ich für eine Möglichkeit - auch angesichts des Leistungsgefälles", sagte Heuberger auf einer Podiumsdiskussion am Montagabend in Gießen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)..

Außerdem sei die Champions League in den vergangenen Jahren aufgebläht worden.

"Wenn ich da manch ein Ergebnis sehe, frage ich mich, ob in der Königsklasse wirklich so viele Mannschaften etwas verloren haben. Manchmal ist weniger mehr", sagte der 48-Jährige.

Zu viele Großereignisse

Ligachef Frank Bohmann erteilt derlei Gedankenspielen eine klare Absage.

"Eine Reduzierung der Liga würde Einnahmeverluste von 15 Prozent für jeden Klub bedeuten. Und zwei Spiele weniger angesichts des dicken Terminkalenders hätten keine große Bedeutung", sagte Bohmann der "Handballwoche": "Da sind zehn EM- oder WM-Spiele in 14 Tagen viel schlimmer."

Sein Ansatz ist eine Verschlankung des internationalen Terminkalenders. Statt fünf Großereignissen in vier Jahren sei "die Reduzierung auf vier das Mindeste", so Bohmann.

"So kann es nicht weitergehen"

Dies könnte ein erster Ansatz sein, denn auch Heuberger hält die Belastungen in der Nationalmannschaft für zu hoch.

"Die EM-Qualifikation ist umfangreicher als früher. Das muss so nicht sein. Und wir brauchen auch keine Europameisterschaft, wenn im gleichen Jahr Olympische Spiele stattfinden. So kann es auf jeden Fall nicht weitergehen, dass die Jungs wie in diesem Jahr aus London kommen und wenige Tage später die Bundesliga beginnt. Das ist Irrsinn", sagte Heuberger.

Lösungsansätze sind da - eine Einigung ist zurzeit aber noch nicht in Sicht.

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