Oliver Roggisch (l., mit Patrick Groetzki) spielt seit 2007 bei den Löwen © imago

Der wundersame Löwen-Lauf setzt sich gegen Berlin fort. Selbst der Keeper trifft. Kampfansagen an Kiel sucht man vergeblich.

Hamburg/Mannheim - Jetzt trifft sogar der Torwart - den Rhein-Neckar Löwen gelingt im Moment wirklich alles.

In einem packenden Spiel gegen die Füchse Berlin sahen die Mannheimer oft wie der Verlierer aus.

Doch weil die Löwen in Niklas Landin Jacobsen einen Keeper haben, der nicht nur Bälle hält, sondern selber Tore macht, gewinnt die Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundsson eben auch die ganz engen Spiele (25:23).

Wie überhaupt alle bisherigen Duelle in der DKB Handball-Bundesliga: Zwölf Spiele, zwölf Siege macht 24:0 Punkte. Tabellenführung.

"Das ist die beste Mannschaft, seit ich dabei bin", sagt Nationalspieler Oliver Roggisch, "es passt von vorne bis hinten." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Geld weg - Leistung da

In Mannheim passieren gerade sehr viele sehr ungewöhnliche Dinge.

Kaum ein Experte hätte den Löwen vor der Saison eine derartige Leistung zugetraut. Geldgeber Jesper Nielsen, der in den vergangenen Jahren Millionen in die Mannschaft gepumpt, die besten Spieler verpflichtet und immer wieder große Sprüche geklopft hatte, klappte Anfang des Jahres seinen Geldkoffer zu und zog sich zurück.

Der bis dahin so ambitionierte Klub stand vor dem Nichts. Topspieler mussten abgegeben werden, der Etat wurde auf 5,5 Millionen Euro zusammengestrichen.

Niemand hatte mit den Löwen gerechnet - und plötzlich brüllen sie von der Tabellenspitze. Längst haben sich die Süddeutschen als einziger ernsthafter Rivale von Dauer-Champion THW Kiel herauskristallisiert.

Schatten-Chef stapelt tief

Vom Titel will bei den Löwen aber noch niemand sprechen. "Wir hoffen auf Platz fünf", sagte Alexander Petersson gegenüber SPORT1. Der Isländer fügte aber hinzu: "Wenn mehr möglich ist, nehmen wir das auch."

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Der 32-Jährige trifft vorne, rackert unermüdlich und hilft auch gut in der Abwehr. Für viele ist er der neue Boss, doch Petersson stapelt lieber skandinavisch tief: "Ich bin nicht der Chef dieser Mannschaft. das würde ich niemals behaupten. Wir gewinnen als Team, ein Einzelner kann nichts ausrichten", sagte er dem "Mannheimer Morgen".

Duell mit Kiel naht

Die Löwen-Spieler genießen den Augenblick und versuchen ruhig zu bleiben.

Doch viele trauen dem unerwarteten Höhenflug noch nicht so richtig. Man sei "noch weit weg vom THW Kiel", sagt Nationalspieler Uwe Gensheimer.

Und Manager Thorsten Storm meint: "Wir sind nicht auf dem Niveau eines THW Kiel." Auch die Liga fragt sich: Sind die Löwen schon bereit zur Zebra-Jagd? Ende des Monats, am 28. November, werden Antworten geliefert. .

Dann muss Kiel, mit 23:1 Punkten Zweiter, zum Top-Spiel nach Mannheim reisen.

Schwalb zieht den Hut

"Sie haben einen Lauf, den du erst mal stoppen musst", sagt Martin Schwalb.

Der HSV-Trainer musste mit seinem Team schon eine Pleite gegen die Löwen einstecken und traut ihnen den Titel durchaus zu.

Auch ein Sieg gegen die SG Flensburg-Handewitt, durchaus kein Laufkundschaft im deutschen Handball, zeugt von der neuen Klasse in Mannheim. Storm ist es gelungen, mit weniger Geld eine bessere Mannschaft zusammenzustellen.

Stabiles Team-Gerüst

Im Rückraum wirbelt der Schwede Kim Ekdahl du Rietz, daneben Petersson.

Gensheimer spielt außen seit Jahren mehr als solide, Roggisch ist der Turm in der Abwehr und Landin Jacobsen einer der stärksten Torhüter der Liga.

Und das Team will nicht nur zaubern, sondern überzeugt auch mit Herz, Wille und Leidenschaft. "Wir waren auf der Intensivstation, und nun sind wir zumindest mal in der Reha", sagt Storm.

Nach einem Sieg gegen Kiel dürften die Löwen wohl das Krankenhaus verlassen.

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