Die Rhein-Neckar Löwen sind mit 10 Siegen aus 10 Spielen souveräner Tabellenführer © getty

Die Rhein-Neckar Löwen landen in Hamburg einen Big Point und sind THW-Herausforderer Nummer eins. Gensheimer beschwichtigt.

Hamburg - "Auswärtssieg, Auswärtssieg" - das Triumphgebrüll der Löwen waberte noch durch die Katakomben der Hamburger Arena, als das Spiel längst vorbei war.

Während die Spieler des HSV Hamburg nach dem frühen K.o. in der Meisterschaft ihre Wunden leckten, feierten die Rhein-Neckar Löwen am späten Mittwochabend ihren zehnten Sieg im zehnten Spiel.

Spätestens nach dem beeindruckenden 30:23-Erfolg beim Ex-Meister (Video) sind die Mannheimer zum großen Rivalen des THW Kiel in der DKB Handball-Bundesliga aufgestiegen - auch wenn das beim Tabellenführer keiner hören mag.

Gensheimer stapelt tief

"Wir sind noch weit weg vom THW. Nach der überragenden letzten Saison sind die Kieler haushoher Favorit auf die Meisterschaft", sagte Löwen-Kapitän Uwe Gensheimer. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Für uns spricht allerdings, dass wir keine Doppelbelastung mit der Champions League haben", fügt er an: "Außerdem sind wir bisher von Verletzungen verschont geblieben. Der Sieg in Hamburg ist ein Big Point."

Niederlagen als Prüfstein

Der Linksaußen war gegen den HSV mal wieder nicht zu bremsen und steuerte zwölf Treffer zum überraschenden Auswärtssieg bei.

Trotz der auffallend guten Stimmung im Team dämpft er aber die Euphorie.

"Wenn man nur gewinnt, ist das auch nicht sonderlich schwer. Entscheidend wird sein, wie das Team mit Niederlagen umgeht. Erst dann zeigt sich, wie es um den Teamgeist einer Mannschaft bestellt ist", sagte Gensheimer.

[kaltura id="0_623cl6p9" class="full_size" title="L wen marschieren ber HSV hinweg"]

Neue Bescheidenheit bei den Löwen

Nach den verkorksten letzten Jahren sind die Zeiten vollmundiger Ankündigungen in Mannheim vorbei.

"Wir haben das erste Mal keine Ziele für die Saison definiert und fahren gut damit. Wir schauen einfach von Spiel zu Spiel", sagt Nationalspieler Oliver Roggisch, der als Abwehrchef die beste Defensive der Liga dirigiert.

Der Weltmeister von 2007 verzichtet nach dem Rückzug des dänischen Geldgebers Jesper Nielsen im Februar in dieser Saison auf 30 Prozent seines Gehalts.

Neuzugänge wirbeln, Landin hext

Doch trotz eines um über zwei Millionen Euro auf 5,5 Millionen abgespeckten Etats laufen die Löwen in diesem Jahr zur Höchstform auf. Großen Anteil daran haben die Neuzugänge.

Anstatt der hoch dotierten Weltstars Karol Bielecki, Grzegorz Tkaczyk und Olafur Stefansson wirbeln im Rückraum nun der erst 23 Jahre alte Schwede Kim Ekdahl du Rietz und der isländische Routinier Alexander Petersson (32).

Im Tor hält der dänische Nationalkeeper Niklas Landin so ziemlich alles, was auf seinen Kasten kommt.

Landin war es auch, der dem HSV mit seinen zehn Paraden allein im ersten Abschnitt den Zahn zog. Du Rietz und Petersson erzielten jeweils fünf Treffer.

Strom freut Ende der Leidenszeit

Der Erfolg in Hamburg beflügelt die junge Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundsson zusätzlich.

"Natürlich tut diese Momentaufnahme gut, nachdem wir drei Jahre nur auf die Fresse bekommen haben", sagte Manager Thorsten Storm.

"Über uns wurde viel gelacht, und dafür haben wir immer wieder selbst die Steilvorlagen gegeben", blickt er zurück und gesteht ein: "Wir haben zuletzt vieles verkehrt gemacht."

Schwalb und Hens reden Klartext

In dieser Serie macht sein Team vieles richtig - das hat auch die Konkurrenz inzwischen registriert. Empfand die Liga bei Löwen-Niederlagen zuletzt immer Schadenfreude, wird der neuen Mannschaft jetzt höchster Respekt entgegengebracht.

"Wir waren über weite Strecken chancenlos. Das ist in unserer Halle sehr selten der Fall", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb und schickte den Ritterschlag gleich hinterher: "Spätestens jetzt sind die Löwen ein absoluter Titelanwärter. Sie haben einen Lauf, den du erstmal stoppen musst."

Pascal Hens nahm bei seiner Analyse im Gespräch mit SPORT1 kein Blatt vor den Mund: "Wir haben uns leider präsentiert wie ein Sauhaufen. Die Rhein-Neckar Löwen waren uns in allen Belangen überlegen. Das ist bitter ohne Ende."

Showdown in Sicht

Am 28. November kommt es zum großen Liga-Showdown - dann treten die bislang ebenfalls ungeschlagenen Kieler in Mannheim an (ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

"Wenn wir so weiterspielen, haben wir auch gegen den THW eine Chance", sagt Niklas Landin. Und grinst.

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